Ein bisschen eloquenter im Schriftlichen oder ein wenig attraktiver auf dem Bewerbungsfoto: Künstliche Intelligenz ist zu einer wichtigen Unterstützung bei der Jobsuche geworden. Eine aktuelle Studie der Arbeitsmarktbeobachtung Amosa zeigt, dass KI im grossen Stil verwendet wird.
Wertvoller wäre es, KI zu nutzen, um sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten
Studienautorin Miriam Hofstetter stellt fest, dass sich Bewerber und Bewerberinnen vor allem beim Verfassen des Motivationsschreibens helfen lassen. Das könne ein Türöffner sein, verhelfe aber noch nicht zur Stelle. Sie sagt: «Wertvoller wäre es, KI zu nutzen, um sich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten und so darüber hinaus zu kommen.»
Welche Fragen könnten kommen? Wie verhalte ich mich? Hier kann KI gegebenenfalls helfen. Auch könne man sich dank KI gut über den potenziellen Arbeitgeber informieren und im Bewerbungsgespräch mit Wissen glänzen.
Künstliche Intelligenz sollte aber mit Bedacht eingesetzt werden. Hofstetter sagt: «Primär sollte man die KI nicht einfach machen lassen, sondern man sollte sie wirklich als Tool nutzen – und nichts von KI generieren lassen, das man anschliessend nicht reflektiert.»
Ein Motivationsschreiben sollte also nicht zu generisch oder gar unpassend daherkommen. Ein «ß» etwa sei verräterisch. Das sagt Martin Meyer vom grossen Schweizer Personaldienstleister Adecco. Wer in der Schweiz eine Bewerbung verschickt, in der statt eines Doppel-S das nur in Deutschland und Österreich gebräuchliche Zeichen steht, hat sie möglicherweise mit KI erstellt und nicht ausreichend gegengelesen.
Zwar verliere das Motivationsschreiben immer mehr an Bedeutung. «Nichtsdestotrotz kann man aus einem Motivationsschreiben nach wie vor gewisse Informationen herauslesen», sagt Martin Meyer, «und der Bewerber kann im Bewerbungsschreiben mitteilen, was er genau will und sucht».
Dokumentenfälschung ist ein Thema.
Beim Unternehmen Aequivalent wird man skeptisch, wenn eine Bewerbung zu perfekt wirkt. Die Berner Firma geht geschönten oder gar gefälschten Bewerbungen auf den Grund. Ein Lebenslauf sei in Wahrheit nicht immer perfekt, sagt Gründer Michael Platen. Immer wieder entsprächen etwa die ehemaligen Anstellungstypen – wenn man etwa temporär statt fest angestellt war – nicht der Wahrheit, oder Jobtitel würden geschönt.
Und: «Dokumentenfälschung ist ein Thema.» Und strafbar. So kontaktieren Platen und sein Team etwa ehemalige Arbeitgeber und Universitäten, um sicherzustellen, dass ein Zwischen- oder ein Abschlusszeugnis authentisch sind.
Michael Platen rät aber nicht davon ab, KI einzusetzen: «Man muss sich natürlich die beste Chance geben und die Tools nutzen, die man hat. Man soll einfach nicht täuschen.»