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Das fragwürdige Geschäft der Game-Plattfrom Roblox
Aus Espresso vom 17.09.2021.
abspielen. Laufzeit 06:57 Minuten.
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Plattform Roblox Die fiesen Tricks des Game-Giganten

Roblox ist die grösste Game-Plattform der Welt. Vor allem Kinder sind dort aktiv. Doch Roblox’ Methoden sind dubios.

Auf dem Youtube-Kanal von Roblox ist ein Video der Entwickler-Konferenz 2018 zum Thema «Monetarisierung» zu sehen – wie man mit seinen Games auf der Plattform Geld verdient. «Wir sprechen heute darüber, wie Sie Leute auf nette Weise dazu bringen, mehr Geld auszugeben», leitet die Moderatorin das Panel ein. Und sie verspricht: «So, dass Sie vielleicht bald in der ersten Klasse um die Welt fliegen können oder einen Tesla kaufen.»

Was ist Roblox?

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Die Online-Game-Plattform Roblox ist seit 2006 aktiv. Dahinter steht die Roblox Corperation, die ihren Sitz in Kalifornien hat. Roblox – ein Portmanteau aus «Robot» und «Blocks» – stellt Dritten die Mittel und den Platz zur Verfügung, auf der Plattform eigene Games zu entwickeln. Mittlerweile gibt es mehr als 20 Millionen solcher Games bei Roblox – und die Plattform hat über 200 Millionen monatliche Spieler und Spielerinnen. Die beliebtesten Games wurden zusammengerechnet über eine Milliarde Mal gespielt. Sie bescheren ihren Machern jährliche Millionen-Umsätze.

Das Versprechen, mit eigenen Games viel Geld zu verdienen, gehört zum besonderen Reiz, den die Plattform auf viele ihrer Nutzerinnen ausübt. Der Grossteil davon ist minderjährig: Es wird geschätzt, dass über die Hälfte des Publikums bei Roblox jünger als 13 Jahre ist.

Keine Chance gegen professionelle Macher

Doch ein anderes Youtube-Video machte jüngst publik, wie dubios Roblox’ Geschäftsmethoden sind. Unter dem Titel «How Roblox Is Exploiting Young Game Developers» («Wie Roblox junge Spiele-Entwickler ausbeutet») wird gezeigt, dass es für Kinder so gut wie unmöglich ist, dank der Plattform reich zu werden.

Legende: Im Youtube-Video «How Roblox Is Exploiting Young Game Developers» stellt der 11-jährige Nachwuchs-Game-Entwickler Emil desillusioniert fest, dass es für Kinder so gut wie unmöglich ist, bei Roblox gegen die etablierte, professionelle Konkurrenz zu bestehen. YouTube: People Make Games

Zwar hat Roblox im zweiten Quartal 2021 tatsächlich gut 130 Millionen Dollar an die sogenannten «Creators» ausbezahlt. Doch von diesem Geld profitieren fast ausschliesslich professionelle Entwickler. Games von Amateurinnen dagegen gehen in der unüberschaubaren Masse von Spielen auf der Plattform einfach unter.

Eine willkürliche Limite

Und selbst wenn es einem Kind gelingt, die Massen zu erreichen, macht es Roblox mit allerlei Tricks schwer, diesen Erfolg zu Geld zu machen. Wer auf der Plattform etwas verdienen will, kann zum Beispiel ein kostenpflichtiges Game anbieten oder im Game Kostüme oder Ausrüstungsgegenstände für Spielfiguren verkaufen. Bezahlt wird dabei in Robux – eine virtuelle Währung, die nur auf der Plattform gültig ist. Auf der Roblox-Webseite kann man leicht echtes Geld in Robux tauschen. Umgekehrt ist das um einiges schwieriger.

Roblox an der Börse

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Seit März 2021 wird Roblox an der Börse gehandelt. Nicht zuletzt, weil in der Corona-Pandemie immer mehr Spielerinnen und Spieler zu Roblox wandern, hat der Wert der Aktie dort ständig zugenommen. Derzeit hat das Unternehmen einen Börsenwert von fast 50 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Wert der Grossbank UBS wird an der Börse auf gut 58 Milliarden geschätzt. Die hohe Bewertung von Roblox hat auch damit zu tun, dass Investorinnen und Investoren darauf wetten, dass die Plattform einst zu einem Metaversum wird – zu einer Art virtuellem Vergnügungspark, in dem sich ein Grossteil der Internet-Nutzerinnen und -Nutzer trifft. Im zweiten Quartal 2021 wies Roblox allerdings noch einen Verlust von rund 140 Millionen Dollar aus.

Denn Roblox knüpft die Auszahlung an Bedingungen: Nicht nur ist ein Roblox-Premium-Konto nötig, das zwischen 5 und 20 Dollar im Monat kostet, der Umtausch von Robux in Dollar ist auch erst ab einer Summe von 100'000 Robux möglich. Diese völlig willkürliche Limite bedeutet, dass jemand, der mit seinem Spiel 99'999 Robux verdient hat, auf der virtuellen Währung sitzen bleibt.

Aus 1000 mach 350

Doch selbst wenn alle Bedingungen für eine Auszahlung erfüllt sind, hat Roblox noch einen weiteren Trick auf Lager: zwei völlig verschiedene Umrechnungskurse für den Tausch von Dollar in Robux und wieder zurück. Wer 1000 Dollar tauscht und dafür 100'000 Robux bekommt, wird sich wundern, dass die 100'000 Robux im umgekehrten Fall nur noch 350 Dollar wert sind – fast dreimal weniger.

Auf diese Diskrepanz angesprochen hat Roblox SRF Digital ein vorformuliertes Statement zukommen lassen, das die Plattform als Ort lobt, an dem Kinder auf einfache Art erste Erfahrungen im Programmieren sammeln können. Konkrete Fragen wie die nach dem Umrechnungskurs blieben dagegen unbeantwortet.

Am Ende profitiert nur Roblox

Tatsächlich können Kinder bei Roblox mit einfachen Mitteln erste Games programmieren und zusammen mit Freundinnen und Freunden spielen. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn die Plattform selber ist gratis und auch viele Games dort können gespielt werden, ohne Geld ausgeben zu müssen.

Legende: Mit Roblox Studio verfügt die Plattform über eine eigene Game-Engine, mit der sogar Kinder erste, einfache Spiele programmieren können. YouTube: People Make Games

Doch niemand sollte bei Roblox hoffen, reich zu werden – erst recht nicht Kinder. Die Mechaniken der Plattform stellen sicher, dass am Ende nur einer garantiert profitiert: Roblox, das mit jedem neuen Game attraktiver wird.

SRF 3, 15.09.2021, 16:10 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Ruedi Moser  (moserha)
    Marketing aus den USA, wie aus dem Bilderbuch, da geht nur um Dollars zu machen.
    Darum:
    - Finger weg!
  • Kommentar von Lutz Bernhardt  (lb)
    Der normale Bürger macht sich gar keinen Begriff, wie viele Betrüger sich im Geschäftsleben und natürlich auf solchen Plattformen herumtreiben. Auch ich habe es lange nicht glauben wollen.
  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Darauf wär ich auch mit 12 nie reingefallen.