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Bundesrat will Postfinance privatisieren
Aus Echo der Zeit vom 20.01.2021.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Privatisierung Das Drama um Postfinance ist noch lange nicht ausgestanden

Der Staat ist kein guter Unternehmer. Das zeigt sich am Beispiel Post exemplarisch. Schnelle Entscheidungen, um der unternehmerischen Verantwortung gerecht zu werden, sind unmöglich. In einem komplexen Fall wie der Post und ihrem Finanzinstitut erst recht.

Der ordnungspolitische Sündenfall soll nun zwar nicht stattfinden, dafür soll Postfinance ganz privatisiert werden. Politisch unmöglich, das zeigte die Vernehmlassung, wäre die Teilprivatisierung gewesen. Damit wäre der Staat via Post immer noch der dominierende Eigentümer geblieben. Eigentümer einer Firma, die im hochkompetitiven Finanzmarkt tätig ist. Ein No-Go.

Doch auch die nun angestrebte Privatisierung, bei der die Mehrheit an Postfinance in dritte Hände geht, ist kein Befreiungsschlag. Im Gegenteil, er stellt die weitere Existenz von Postfinance als Gebilde grundsätzlich in Frage.

Eher zu viel als zu wenig Banken in der Schweiz

Dies gleich aus mehreren Gründen: In der Schweiz gibt es trotz andauernder Konsolidierung weiterhin eher zu viel als zu wenig Banken, die um die dünner fliessenden Erträge buhlen. Und die disruptive Kraft der Digitalisierung hat sich noch nicht mal voll entfaltet in der Schweiz. Dem Land, in dem «Old School Banking» immer noch weit verbreitet ist und viele Institute eher eine digitale Fassade hochgezogen haben, um einen fitten Eindruck zu machen. Als wirklich das Fundament, die zugrundeliegenden Prozesse, zu modernisieren.

Und so lange die Zinsen so tief sind und die Banken mit dem Zinsdifferenzgeschäft auf Sparkonten kaum Geld verdienen können, wird sich auch das Interesse potenzieller Käufer an Postfinance in Grenzen halten. Kunden, die ihr Geld vor allem auf dem Konto parkieren, kosten mehr als sie einbringen.

Die weitere Zukunft von Postfinance bleibt damit erst recht ungewiss. Genauso wie der weitere Gesetzgebungsprozess, der die Privatisierung überhaupt ermöglichen soll. Zuerst will der Bundesrat nun in diesem Jahr noch Vorschläge ausarbeiten lassen, was bei einer mehrheitlichen Privatisierung mit den Service-Public-Bereichen Zahlungsverkehr und Grundversorgung genau passieren soll. Damit wird weiter Zeit verstreichen, bis die Vorlage überhaupt ins Parlament kommt. Gleichzeitig kann es durchaus sein, dass gegen das neu revidierte Postgesetz dann auch noch das Referendum ergriffen wird.

«Schönwetter-Strategie» rächt sich

So wird Monat für Monat ins Land ziehen, während die Ertragslage von Postfinance immer prekärer wird. Denn: Dass sich die Zinsen nach oben bewegen und damit das Zinsdifferenzgeschäft wieder in Schwung bringen, ist vorläufig nicht absehbar. Und bis die Postfinance-Frage restlos geklärt ist, wird sich das Institut auch nicht auf dem Kredit- und Hypothekarmarkt betätigen dürfen.

Der grosse Schaden wurde allerdings viel früher angerichtet. Zu den Zeiten als Postfinance mit ihren sprudelnden Gewinn praktisch den ganzen Post-Konzern über Wasser halten musste. Das war eine «Schönwetter-Strategie», die sich nun rächt – und die ehemalige Ertragsperle gleich gänzlich in ihrer Existenz bedroht.

Matthias Pfander

Matthias Pfander

Reporter Wirtschaftsredaktion

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Matthias Pfander ist seit 20 Jahren im Wirtschaftsjournalismus tätig, seit Mitte 2017 als Reporter und Planer in der Wirtschaftsredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er unter anderem für den Tages-Anzeiger und die Blick-Gruppe.

Tagesschau, 20.01.2020, 19:30 Uhr

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    "gänzlich in ihrer Existenz bedroht." Sehe ich nicht so. Wer PostFinance seit je her kennt, weiss ganz genau, dass sie Digital sehr, sehr gut und sehr, sehr sicher aufgestellt ist. Ich habe die ganze Entwicklung vom Gelben Büchlein bis zum Onlinedienst miterlebt. So wie PostFinance organisatorisch aufgestellt ist ist sie keine Vorspeise, wie man es uns hier schmackhaft machen will. PostFinance stufe ich als eine sehr feine, gut verdauliche, feine Hauptspeise ein. Der Tisch ist gedeckt.
  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Die PostFinance soll alle Privilegien einer Bank erhalten. Mindestens 51% im Besitz der Eidgenossenschaft. Die restlichen Prozente können von jedem Schweizer gezeichnet werden. Möglich wäre auch ein Splitten von 25 % könnte von Schweizer Bürgern gezeichnet werden 24 % könnte von Investoren gezeichnet werden. Keine ausländischen Aktienbesitze.
    Ein Tilgen der Pandemiekosten mit dem Verkauf von PostFinance wäre verwerflich. Also bitte einen Riegel schieben.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Wieso soll der Bund in einem eh schon overbanked country auch noch eine Bank aufmachen? Und warum Postfinance, nachdem ja die goldenen Jahre endgültig in der Vergangenheit liegen, in Bundesbesitz irgendwann mal rentieren. Tatsache ist, dass wir hier von der alten Zeit träumen! Die kommt nie wieder und Gewinne gibt es keine mehr zu verteilen, höchsten Filialen zu schliessen und Kosten zu senken! Ansonsten wird der Steuerzahler einfach ineffiziente Strukturen erhalten, was null Sinn macht!
    2. Antwort von Verena Schär  (Nachdenklich)
      @ Lang Zu ihrer Info.

      Seit Juni 2013 ist PostFinance eine privatrechtliche Aktiengesellschaft und eine Konzerngesellschaft der Schweizerischen Post AG. Die PostFinance AG ist der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) unterstellt und verfügt über eine Bewilligung nach Bankengesetz.

      Im nächsten Schritt geht es darum, dass sie entsprechend den Auflagen wie für die Banken entsprechend Arbeiten kann.

      Soll sie etwa den GLP / FDP / SVP verbündeten in die Hände fallen?
      NEIN
    3. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @V.Schär
      Ist durchaus so, führt aber nicht dazu, dass die Bude einen Franken verdient. Das muss die liebe Postfinance am Markt tun und da hat sie die Kunden mit der Einführung von 60.- Kontogebühr ganz gewaltig vergrault. Da Postfinance eben nicht effizient war und ist, gräbt ihr die Konkurrenz das Wasser, sprich das Geld ab, Motto mehr für weniger, oder einfach bessere Dienstleistungen. Den alten Kahn, in den über Jahrzehnte kaum investiert wurde, flott zu machen, wird viel Steuergeld kosten!
  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Herr Pfander äussert hier seine nicht ganz objektive Meinung.
    Das Bankgeschäft ist alles andere als hochkompetitiv sondern eher langweilig. Aber es basiert auf Vertrauen, dieses geniesst die Postfinanz (PF) in hohem Masse.
    Dass die Erteilung einer vollen Banklizenz nur bei Privatisierung möglich sein soll, ist eine Wunschvorstellung der mächtigen Konkurrenz die sich als erste bei der PF einkaufen werden.
    Die PF ist also nicht träge sondern wird durch politlobbying sturmreif geschossen.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Postfinance ist nicht träge, sie ist durch die Gewinntransfers nur ausgeblutet worden! Zu Gunsten der Bundeskasse wurde sie ausgeplündert wie es sonst nur Firmen werden, die unter die Macht der Heuschrecken fallen. Der Effekt ist, dass die Postfinance im heutigen Finanzdienstleistermarkt nicht mehr kompetitiv ist. Ergo entweder wird das Schiff mit Hilfe der Bundeskasse wieder flott gemacht, oder man verscherbelt es! Letzteres wäre klüger, weil man gutes Geld nicht schlechtem Geld ...