Zum Inhalt springen

Header

Audio
Weniger Patent-Anmeldungen im Corona-Jahr
Aus Rendez-vous vom 16.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:14 Minuten.
Inhalt

Rückgang um zwei Prozent Patentanmeldungen: Gehen der Schweiz die Ideen aus?

Erstmals seit über zehn Jahren verzeichnet die Schweiz einen Rückgang bei den Anmeldungen. Doch es besteht Hoffnung.

«Wer hat's erfunden?», fragt eine Bonbonwerbung nicht ganz zufällig. Denn die Schweiz ist das erfindungsreichste Land Europas und meldet so viele Patente an pro Kopf wie kein anderes Land. Bis jetzt, denn letztes Jahr haben Schweizer Unternehmen plötzlich zwei Prozent weniger Patente beim Europäischen Patentamt (EPA) eingereicht als im Jahr zuvor, erstmals seit der Finanzkrise 2009.

«Das ist eine Momentaufnahme»

Ein Grund zur Sorge sei dies nicht, sagt Rainer Osterwalder vom Europäischen Patentamt. Dies, obwohl der Rückgang der Schweizer Patentanmeldungen stärker ist als der Rückgang der Gesamtanmeldungen beim EPA.

Osterwalder aber sagt: «Das ist eine Momentaufnahme einer Entwicklung, welche sich möglicherweise erst in den nächsten Jahren akzentuiert. Das Patentsystem reagiert jeweils immer zeitversetzt.»

Vielleicht hätten Schweizer Firmen abwarten wollen, wie sich die Wirtschaft nach der Pandemie global entwickle, sagt der Patent-Spezialist: «Um anschliessend die Akzente zu setzen, und in der Zukunft mit starken Produkten und Dienstleistungen am Markt vertreten zu sein. Patente bedeuten immer, langfristig zu investieren.»

Konsumgüterbereich stagniert

Der Patent-Index 2020 zeigt, dass Schweizer Unternehmen vor allem in zwei Bereichen deutlich weniger Patente angemeldet haben als 2019: Nämlich in der Messtechnik, der Sensorik also, und der Medizintechnik, mit Rückgängen von mehr als 13 Prozent.

«Diese konnten nicht kompensiert werden mit einer Zunahme im für die Schweiz so wichtigen Konsumgüterbereich, also Outdoor, Kleidung, Künstlerbedarf oder Taschenmesser», erklärt Osterwalder. In diesem Bereich gehöre die Schweiz zu den grossen Patentanmelder.

Schweiz bleibt Redkordhalterin

Box aufklappenBox zuklappen

Der Rückgang der Schweizer Patentanmeldungen ändert nichts daran, dass die Schweiz Rekordhalterin bleibt, wenn es um die Patentanmeldungen pro Einwohner geht. Bei dieser Kennzahl bleibt die Schweiz mit 966 Patentanmeldungen pro Kopf auch 2020 das erfindungsreichste Land Europas.

Sie liegt damit weit vor dem Land mit der zweithöchsten Erfindungsdichte, nämlich Schweden, mit nicht einmal halb so vielen Patentanmeldungen pro Einwohner.

Wieso die Schweiz derart erfinderisch ist, hängt wohl damit zusammen, dass sie ein rohstoffarmes Land ist, Rohstoffe importiert und seit je in ertragskräftige Produkte ummünzen muss.

Insgesamt haben die Firmen aus aller Welt 2020 gut 180'000 neue Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet. Am Stärksten zulegen konnten China und Südkorea, sie haben zwischen neun und zehn Prozent mehr Patente angemeldet – die USA hingegen vier Prozent weniger.

Wir können noch keine einzelnen Statistiken zu Corona-Techniken präsentieren.
Autor: Rainer OsterwalderEuropäisches Patentamt

Analysiert man die Patentanmeldungen nach Industrien, war der Treiber 2020 das Gesundheitswesen, mit 16 Prozent aller Anmeldungen, sagt Rainer Osterwalder. Aber: «Wir können noch keine einzelnen Statistiken zu Corona-Techniken präsentieren, weil Patente aus dem Jahr 2020 noch der Geheimhaltungspflicht unterliegen.»

Die Geheimhaltungsfrist beträgt ab der Anmeldung eines Patentes 18 Monate. So schützt man den Inhalt vor Dritten, bis das Patent geprüft und eingetragen ist.

Corona-Patente im Frühling eingegangen

Wegen dieser Geheimhaltungspflicht kann auch das Schweizer Patentamt noch keine genauen Zahlen zu Corona-Patentanmeldungen machen. Alban Fischer vom Institut für Geistiges Eigentum in Bern weiss aber immerhin, in welche Richtung es geht: «Die Patentanmeldungen mit klarem Covid-Bezug sind bereits im ersten Lockdown eingetroffen: Masken, Beatmungsgeräte, Medikamente. Fast aber noch mehr angezogen haben die Markenanmeldungen. Diese sind explodiert.»

Auch Marken müssen beim Institut für geistiges Eigentum angemeldet werden, will man sie schützen lassen. Viele Leute hätten in der Krise eine Chance gesehen, diese gepackt, Firmen gegründet und neue Produkte beziehungsweise Marken mit Covid-Bezug lanciert – so zum Beispiel Masken, sagt Alban Fischer.

Rendez-vous, 16.3.2021, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Peter  (HPet)
    Aus diesem Grund finde ich die ganzen Begründungen traurig, dass man sagt, der Mann hätte in den letzten Jahren nur Vorteile im Arbeitsmarkt gehabt etc. Es stimmt, es gab mehr Männer in Führungspositionene die deutlich mehr verdient haben. Aber die meisten davon haben dann für die Firma gelebt.. unbezahlte Überstunden für die Firma und die Familie war zweit rangig. Nun sollen die Frauenquoten kommen mit Arbeitszeiten wie 8-5 und Teilzeitmodelle.. Das ist für mich keine Führungskraft!!
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      «Familie war zweit rangig» Jemand dem die Familie zweitrangig ist, gründet besser keine. «haben dann für die Firma gelebt» Das sind für mich Patrons, keine heutigen CEOs. Patrons, die direkt neben dem Unternehmen ihre Villa erstellten und dadurch Familie/Betrieb in «griffbarer» Nähe hatten. - Eine Führungskraft zeichnet sich nicht aus, in dem sie wöchentlich 100 oder mehr Stunden «arbeitet». Wobei fraglich ist, ob das gesundheitlich überhaupt geht. Getroffene Entscheidungen sind viel wichtiger.