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Legende: Audio Abkühlung des Wirtschaftswachstums: Muss sich Swissmem Sorgen machen? abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 05.06.2019.
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Rückläufige Bestellungen «Die Absatzmärkte sind nicht mehr so dynamisch»

Die Weltbank geht davon aus, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum bis Ende Jahr deutlich verlangsamen wird. In der Schweiz wäre davon vor allem die Exportindustrie betroffen – zum Beispiel die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor von Swissmem, sieht auch noch andere Gefahren, etwa ein Wiederaufflammen der Schuldenkrise.

Jean-Philippe Kohl

Jean-Philippe Kohl

Vizedirektor Swissmem

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Als Bereichsleiter Wirtschaftspolitik beim Branchenverband Swissmem vertritt er die Interessen der Schweizer Metallindustrie.

SRF News: Sind in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie die Exporte zurückgegangen?

Jean-Philippe Kohl: Wir spüren in unserer Branche ebenfalls eine Verlangsamung. Der Auftragseingang im ersten Quartal ist gegenüber dem Vorjahresquartal mit fünf Prozent rückläufig. Und auch die Umsatzzahlen sind nach neun Quartalen erstmals rückläufig, mit etwas über einem Prozent.

Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Hauptsächlich ist es die schlechtere Wirtschaftsentwicklung in unseren Hauptabsatzmärkten, sei das in der Europäischen Union, wo 60 Prozent unserer Exporte hingehen, oder auch im asiatischen Raum. Dieser entwickelt sich nicht mehr so dynamisch wie auch schon. Und das spürt unsere Industrie.

Spürt man diese Entwicklungen auch auf dem Arbeitsmarkt?

Interessanterweise nicht. Laut der neuesten Erhebung hat die Beschäftigung in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sogar leicht zugenommen, um rund 2000 Stellen. Nun haben wir knapp 323'000 Beschäftigte in der Branche.

Die Weltbank nennt zunehmende Handelskonflikte als Hauptursache für das verlangsamte Wirtschaftswachstum. Spüren Sie diese Konflikte auch?

Ja, die spüren wir sehr ausgeprägt. Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie verkauft insbesondere Investitionsgüter. Und wenn die Investitionstätigkeit in unseren Absatzmärkten aufgrund erhöhter Unsicherheiten abnimmt, so hat dies unmittelbare Auswirkungen auf uns.

Wir erwarten ein Abflachen der Dynamik in unserer Geschäftsentwicklung.

Im Moment zeichnet sich keine Einigung im Handelsstreit ab. Was bedeutet das langfristig für die Schweizer Exportindustrie?

Wir erwarten ein Abflachen der Dynamik in unserer Geschäftsentwicklung. Nicht zuletzt wegen dieser Handelsstreitigkeiten, die eskalieren könnten. Das führt zu mehr Unsicherheit bei allen Wirtschaftsakteuren. Und das kann dazu führen, dass die Investitionstätigkeit in den betroffenen Ländern weiter abnimmt. Und das bedeutet für unsere Industrie eben rückläufige Exporte.

Gibt es für die Exportindustrie noch weitere Risiken?

Nebst dem Handelskrieg sind es zwei Dinge, die uns Sorge bereiten. Das eine ist, wie sich das mit dem Brexit genau gestaltet, ob es dort eine Lösung zwischen Grossbritannien und der EU gibt, oder ob er ungeregelt abgewickelt wird. Im zweiten Fall würde die Unsicherheit sehr stark zunehmen.

Wenn diese Risiken gleichzeitig akut würden, müsste man sich ernsthaft über die Entwicklung der Weltwirtschaft Sorgen machen.

Das zweite ist das mögliche Wiederaufflammen der Schuldenkrise in der Eurozone. Davon wären wir über unseren Wechselkurs unmittelbar betroffen. Wenn diese drei Risiken gleichzeitig akut würden, müsste man sich ernsthaft über die Entwicklung der Weltwirtschaft Sorgen machen.

Das Gespräch führte Janis Fahrländer.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Weber  (Weberson)
    Ich denke man muss sich über die Entwicklung der Weltwirtschaft keine Sorgen machen. Es gibt genug Ökonomen, die hunderte von realistischen Büchern über andere Formen von Wirtschaften geschrieben haben. Der Kapitalismus hat uns dahin gebracht wo wir sind und er hat das nicht schlecht gemacht. Aber die jetzige Form des ausgelebten Kapitalismus ist schlichtweg nicht mehr zukunftsfähig. Es gibt viele sehr gute Lösungsansätze wie wir alle reduzierter Konsum + Naturschutz GEMEINSAM meistern können.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
    Statt sich über die Entwicklung der Weltwirtschaft Sorgen zu machen würde man besser den Hirnschmalz einsetzen, um ein Modell der "Postwachstumsgesellschaft" zu entwerfen, das wir mit möglichst kleinen Schäden für die untere Hälfte der Bevölkerung von Industrienationen erreichen können. Kommt diese erst auf äusseren Zwang hin, dann sind die Schmerzen dementsprechend grösser und letztlich der soziale Zusammenhalt und Frieden nicht mehr zu gewährleisten.
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    1. Antwort von Simon Weber  (Weberson)
      Da haben Sie wahrlich recht. Ich denke die Menschen haben jedoch ledier einige Mühe grenzenübergreifende (und noch viel schlimmer religionsübergreifende sowie ideologieübergreifende) Regeln für eine gemeinsame Zukunft zu schaffen. Der Konkurrenzkampf der verschiedenen Regionen, Länder, Ideologien, Religionen usw. macht es enorm schwierig einen Komprosmiss zu finden. Das gegeneinander Arbeiten ist tief in uns verankert und vorallem auch im aktuellen kapitalistischen Wirtschaftssystem vorzufinden.
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