Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sturm der Entrüstung gegen Pharmakonzern Sanofi
Aus Rendez-vous vom 15.05.2020.
abspielen. Laufzeit 02:46 Minuten.
Inhalt

Sanofi will USA bevorzugen Macron erklärt Impfstoff für öffentliches Gut

  • Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus ist auch politisch.
  • Dies erfährt zurzeit der Chef des französischen Pharmakonzerns Sanofi, der für die Forschung von den Vereinigten Staaten Geld erhält.
  • Dafür würden die USA zuerst mit dem Stoff beliefert, erklärte Paul Hudson in einem Interview, das in Frankreich Empörung ausgelöst hat.

Nicht akzeptabel sei das, empört sich Staatssekretärin Agnès Pannier-Runacher. Präsident Emmanuel Macron seinerseits erklärt, ein Impfstoff sei weltweit ein öffentliches Gut. Premierminister Edouard Philippe zitiert den Präsidenten des Pharmakonzerns Sanofi zu sich. Er sagt ihm klipp und klar, dass es für niemanden einen privilegierten Zugang zum Impfstoff geben dürfe.

Soviel Empörung ist auch in Frankreich selten. Aber es geht beim Corona-Impfstoff um ein existenzielles Thema – und mit Sanofi um eine der Perlen von Frankreichs Industrie. Dass mit Paul Hudson seit letztem Jahr erstmals ein Nicht-Franzose Konzernchef ist, mag am Rande auch mitspielen. Zumindest scheint der Brite mit französischen Empfindlichkeiten schlecht vertraut.

Hunderte Millionen US-Dollar

Dies im Unterschied zum Sanofi-Präsidenten, der nach dem Treffen mit dem Premierminister beschwichtigt: Natürlich werde der Impfstoff auch an Frankreich und andere europäischen Staaten ausgeliefert, sobald er in französischen Werken produziert werde. Eine Konzession eher im Ton als in der Sache.

Sanofi forscht zwar in seinen europäischen Labors gemeinsam mit dem britischen Konkurrenten GlaxoSmithKline nach dem Impfstoff. Diese Forschung wird von einem Fonds der US-Regierung mit mehreren hundert Millionen Dollar unterstützt, und diesen Impfstoff will Sanofi später auch in den USA produzieren, falls dessen Entwicklung so weit kommt.

Auch die EU plant einen Fonds

Das Absturzrisiko bei solchen Projekten ist gross. Der Erstzugriff für die USA wäre aus dieser Sicht eine Risikoprämie. Auch in Europa will Sanofi den Impfstoff später produzieren. Doch noch lieber hätte der Konzern bereits heute europäische Subventionen für Forschung und Entwicklung.

Zumindest hat das Sanofi-Konzernchef Hudson vorgeschlagen – und er wurde auch gehört. Die EU plant offenbar einen eigenen Fonds von über zwei Milliarden Euro für die Förderung der pharmazeutischen Forschung und Industrie. Wenn diese Forschung Erfolge bringt, wäre es gut, Macron würde sich dereinst daran erinnern, dass er Impfstoffe zum öffentlichen Gut erklärt hat.

Rendez-vous, 15.05.2020, 12:30 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

32 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Das Problem ist halt dass die Amerikanische Regierung schon seit zig Wochen mit hunderten millionen $ die Forschung unterstützt und die EU plant nach 2 Monaten Kriese erst einen Fonds um dass Selbe zu tun. Merkt ihr den Unterschied? So funktioniert die EU in allen Belangen, Probleme angehen wenn andere sie schon fast gelöst haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Okay, jemand muss ja den Impfstoff vorgaengig testen ... allons y USA! (Ich denke die Nerbenwirkungen werden verheerend sein)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Nebenwirkungen sind bei Impfstoffen äusserst selten. Vorallem aber schützt dieser vor dem teilweise tödlichen Coronavirus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Eine rein populistische Formulierung, die Macron da macht. Der Impfstoff wird von Firmen entwickelt, muss finanziert und bezahlt werden und kann erst danach produziert, gekauft und verteilt sowie eingesetzt werden. Dass man, so man einen Impfstoff endlich hat, diesen auch jenen zur Verfügung stellt, die den Impfstoff nicht entwickeln, produzieren oder finanzieren und bezahlen können, erscheint mir logisch und vernünftig zu sein. Von einem "öffentlichen Gut" zu sprechen ist reiner Populismus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen