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Prozess um Leasing-Betrug der SAR Premium Cars hat begonnen
Aus Tagesschau vom 07.01.2019.
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Schäden in Milliardenhöhe Die spektakulärsten Betrugsfälle der Schweiz

Der Prozess um den Schwindel mit Leasing von Luxusautos weckt Erinnerungen an andere spektakuläre Machenschaften.

Ein mutmasslicher Millionenbetrug wird heute in Lenzburg vor Gericht verhandelt: Die SAR Premium Cars hat ihren Kunden mit günstigen Leasingraten Luxusautos angeboten, die am Schluss nicht mehr zu bezahlen waren. Der Autohändler steht nun wegen einer Deliktsumme von 17 Millionen Franken vor Gericht.

Auch wenn die SAR wohl erheblichen Schaden angerichtet hat, zu den grössten Betrugsfällen der Schweiz gehört der Fall nicht. Das zeigen unsere Beispiele.

Dieter Behring

Dieter Behring.
Legende: Dieter Behring hat die zuständigen Gerichte mehr als ein Jahrzehnt beschäftigt. Keystone

Geht man nach der Höhe des Schadens, so sind die Machenschaften von Dieter Behring wohl der umfangreichste Schweizer Betrugsfall: Rund 1,2 Milliarden Franken Kundengeldern flossen, der finanzielle Schaden wird auf rund 800 Millionen Franken beziffert und betroffen sind rund 2000 Personen. Bereits Mitte der 1980er-Jahre hatte der Solothurner mit einem Schneeballsystem begonnen, das 2004 in sich zusammenfiel. Behring wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

So funktioniert das Schneeball-System

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Ein Schneeball-System braucht eine ständig wachsende Anzahl von Teilnehmern, um überhaupt zu funktionieren – so wie ein Schneeball immer grösser wird, wenn er den Hang hinunterrollt. Nur dadurch, dass immer neue Teilnehmer Geld ins System einbringen, entstehen Gewinne. Meist brechen die illegalen Konstrukte nach einigen Jahren zusammen.

Werner K. Rey

Mann.
Legende: Finanzgenie oder Ausverkäufer? Werner K. Rey veräusserte das Tafelsilber von Schweizer Traditionsfirmen. Keystone

Oder war der Fall Werner K. Rey der «teuerste»? Auf rund 1,48 Milliarden Franken wird der Schaden beziffert, der vor allem Banken und Pensionskassen traf. 1976 begann Rey nach dem Prinzip «günstig kaufen, teuer abstossen» mit dem Aufbau eines Firmenimperiums, das 1991 in die Brüche ging. Der einst als Finanzgenie gefeierte Rey flüchtete auf die Bahamas, wurde 1996 aber verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert. 1998 wurde er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Rey soll weiterhin an Finanzgeschäften beteiligt sein.

Rolf Erb

Alter, hagerer Mann. Er schaut ins Bild. Hinter ihm steht eine Frau mit TV-Kamera.
Legende: Rätselhaftes Ende: Rolf Erb verschwieg Kreditgebern die schlechten Zahlen seiner Firma und starb, bevor er seine Haftstrafe antrat. Keystone

Auch Rolf Erb hat kaum Private geschädigt: Ab 1998 beantragte er für die Holdinggesellschaften der Erb-Gruppe Kredite in Millionenhöhe – im Wissen, dass diese überschuldet waren. 17 Banken täuschte er mit manipulierten Bilanzen. Das Kartenhaus stürzte 2003 zusammen. Erb wurde unter anderem wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Er konnte den Haftantritt aber hinauszögern. Im April 2017 wurde er tot in seinem Haus gefunden.

Wer ist der typische Wirtschaftskriminelle?

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Er ist männlich und zwischen 36 und 55 Jahre alt, in einer Führungsposition und am Arbeitsort Zürich. So wird der durchschnittliche Wirtschaftskriminelle in KPMG Global Profiles of the Fraudster beschrieben. Er begeht zudem seine Tat meist nicht allein, sondern mit Hilfe von anderen Personen, die teils im Ausland leben.

ASE Investment

Firmenschild mit der Aufschrift ASE Investment.
Legende: Ein schwieriges Kapitel für die Basler Kantonalbank: Die Verbindungen zur ASE Investment im aargauischen Frick. Keystone

Zurück zu den Betrügern mit Schneeball-Systemen: Die Investmentfirma ASE («Anlage-Sicherheit-Ertrag») in Frick (AG) versprach zwischen 2006 und 2012 Anlegern Renditen bis zu 18 Prozent jährlich. 2500 Personen gingen der ASE auf den Leim, die Deliktsumme beläuft sich auf 170 Millionen Franken.

In erster Instanz wurden der Geschäftsführer und sein Geschäftspartner zu Freiheitsstrafen verurteilt. Eine bedingte Haftstrafe erhielt ein Kundenberater der Basler Kantonalbank (BKB), die als Depotbank fungiert hatte. Am 30. Januar kommt es zu einer weiteren Verhandlung, weil die Angeklagten das Urteil angefochten haben. Privatkläger haben zusätzlich eine Strafanzeige gegen die BKB eingereicht.

«European Kings Club»

Damara Bertges winkt.
Legende: Hausfrau mit Charisma: Damara Bertges' «European Kings Club» hatte sektenhafte Strukturen. Keystone

Noch mehr Geschädigte gab es im Fall des «European Kings Club», der auch auf einem Schneeballsystem basierte – allerdings mit sektenhaften Zügen: Die deutsche Hausfrau Damara Bertges und der Arzt Hans Günther Spachtholz versprachen ihren Anhängern eine Verdoppelung ihrer Einlagen und sammelten zwischen 1991 und 1994 rund 1,6 Milliarden Franken. Geschädigt wurden 80'000 Personen – darunter 20'000 in der Schweiz, wo sich das Schulungszentrum des Clubs befand. 1997 wurde Bertges zu acht Jahren Haft verurteilt. Wo das Geld geblieben ist, ist bis heute unbekannt.

Robert Allen Stanford

Robert Allen Standford in orangenfarbenen Sträflingsanzug.
Legende: Robert Allen Standford verbüsst eine mehr als hundertjährige Haftstrafe für seine Betrügereien. Keystone

Einen Bezug zur Schweiz hat auch der Fall des Amerikaners Robert Allen Stanford. Seine Finanzgruppe betrog während 20 Jahren Investoren um rund sieben Milliarden US-Dollar. Bankkonten von Stanford befanden sich auch in der Schweiz. Die Deliktsumme ist Rekord. Rekord ist auch seine Haftstrafe, die er in den USA verbüssen muss: 110 Jahre.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler  (ErnstU)
    Woher hat der Kriminelle Dieter Behring das Geld um ".... jahrzehntelang die Gerichte zu beschäftigen....." ?
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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Erb gehört hier jedenfalls nicht hin. Das ist eine Frechheit. Dann müssten fast alle Wirtschaftsbosse der Chemie und im Bau usw. ins Gefängnis. Und vor allem alle die Atomkraftwerke gebaut haben. Erb hatte keine schlechten Gedanken als er seine Fabriken aufbaute. Die heutigen oben genannten "Verbrecher" wissen und wussten genau welchen Schaden ihre "Produkte" verursachen!!
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  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Es ist skandalös, welche Gerichtskosten diese Schlitzohren und Kriminellen den ehrlichen Steuerzahler kosten. Dass man ihnen bis auf das Existenzminimus alles pfändet, scheint nichts als verhältnismässig. Dann ist Schluss mit Champagersaufen!
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    1. Antwort von M. Roe  (M. Roe)
      Dass unsere Prozesse so lange dauern ist die Schuld unseres Justizsystems. In Amerika dauern solche Prozesse halb so lange, +vor allem sind Amerikaner fähig einen Schuldigen von Anfang an als Schuldigen zu erkennen. Bei uns werden Namen, Nationalitäten verschwiegen und bis zum Schluss wird immer nur von eventueller "Unschuld" gesprochen. Unsere Anwälte und Richter verschleppen auch kleine Fälle. Entweder um die Partei zu zermürben oder, meist ist es das Geld das jeder Anwalt mehr verdienen kann.
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