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Wirtschaft Schneider-Ammanns Indien-Besuch: Nix gewesen ausser Spesen?

Ein Freihandelsabkommen mit Indien steht schon seit Jahren auf der Wunschliste der Schweizer Regierung. Seit 2008 verhandelt der Bund für die Europäische Freihandelsassoziation EFTA über ein solches Abkommen – bislang ohne Erfolg. Dies will Bundesrat Schneider-Ammann jetzt ändern.

Johann Schneider-Ammann im Porträt in einer Werkhalle.
Legende: Johann Schneider-Ammann auf «Mission Impossible» in Indien? SRF

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann weilt zu einem zweitägigen Besuch in Indien. Am Freitag hatte er gemeinsam mit einer Schweizer Wirtschaftsdelegation die indische Wirtschafts- und Industrie-Ministerin und den indischen Finanzminister getroffen. Doch viel mehr als Beziehungspflege war das nicht.

«Wir haben uns einmal mehr bestätigt, das wir dieses Freihandelsabkommen bis Ende dieses Jahres abschliessen.» Das sagte Bundesrat Johann Schneider-Ammann bereits vor vier Jahren, nach dem Treffen mit dem Wirtschaftsminister der Vorgängerregierung.

Schweizer Wirtschaft erhofft sich vieles

Beim ersten Treffen mit seiner neuen indischen Amtskollegin Nirmala Sitharaman betonten beide Seiten erneut, sie seien interessiert an einem Abkommen. Einen nächsten Verhandlungstermin gibt allerdings noch nicht.

Dabei erhofft sich die Schweizer Wirtschaft viel von einem Freihandelsabkommen: besseren Zugang zum gigantischen indischen Markt, ein Abbau von Zöllen und somit tiefere Kosten. Kurz: mehr Geschäft im und mit dem aufstrebenden Schwellenland.

Die Schweizer Maschinen- und Metallindustrie setzt schon lange auf das Abkommen, die Pharma-, Chemie- und Uhrenbranchen jedoch stellen sich quer. So beispielsweise Gottlieb Keller, Mitglied der Geschäftsleitung des Pharmariesen Roche: «Wir haben von allem Anfang an gesagt, dass der Import von patentgeschützten Produkten, als Ausübung des Patentrechts anerkannt werden muss. Das ist bis jetzt noch nicht geschehen und deshalb können wir nicht zu einem Abkommen Hand bieten, das das nicht ausdrücklich vorsieht.»

Solange diese offenen Fragen zum Schutz des geistigen Eigentums noch nicht geklärt sind, wird es wohl kein Abkommen geben. Und doch: Die Schweizer Wirtschaftsvertreter, die den Bundesrat begleiteten, wirkten geradezu elektrisiert von der Stimmung im Land.

Aufbruchstimmung

Vor einem Jahr wurde der Hindu-Nationalist Narendra Modi zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Seither reist er durch die Welt, um ausländische Investoren anzulocken.

Das Wirtschaftsklima habe sich verbessert, sagt Michael Enderle. Er ist Chef des Suisse Businesshub India, einer Organisation des Bundes, die Schweizer Unternehmern den Markteintritt in Indien erleichtern soll: «Es herrscht ein viel grösserer Optimismus.»

Dies weckt das Interesse potentieller Investoren, auch wenn die grossen Hindernisse, die Korruption und die Schwierigkeiten bei Landkauf oder Steuerfragen, nur langsam aus dem Weg geräumt werden.

Auch Schwarzgeld ein Thema

Zwei Politiker nebeneinander stehend.
Legende: Finanzminister Jaitley: «Ich bin froh, dass es vorwärts geht» Keystone

Beim Treffen mit dem indischen Finanzminister Arun Jaitley ging es auch um einen Dauerbrenner: um vermutetes indisches Schwarzgeld in der Schweiz. Laut der Regierungspartei BJP handelt es sich immerhin um mehrere Milliarden Franken. Geld, das Ministerpräsident Modi ursprünglich innerhalb von 100 Tagen nach Amtsübernahme zurück holen wollte.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Die Korruption im Indischen Kasten -Geschäftszirkel ist derart komplex , dass hier nicht einmal ein BR den blassen Schimmer einer blassen Ahnung besitzt . Diese Inder muss man nahezu kostenlos beliefern bis alle aufgehaltenen Hände ihren Obolus bekommen haben . Nein Danke - dieser Markt ist für die CH eine Null - Nummer . Aber einmal Indisches Englisch zu hören ist ja auch eine Reise wert dachte sich Hr. Schneider, mehr vermutlich nicht . Hoffentlich hatte er genügend CH- Uhren aus China mit .
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Es kommt darauf an, was die Schweiz Indien bieten kann, was sich Indien nicht anderweitig auf dem globalen Markt besorgen kann. Indien hat viele strukturelle Probleme. Ob da die CH eine Hilfe ist, ist mehr als fraglich.
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  • Kommentar von Heiner Zumbrunn, Winterthur
    Es könnte auch sein, dass sich die Indern nicht mit den Miniländern der Welt abgeben wollen. Was interessiert denn einen Inder was oder ob wir was wollen? Nichts. Das Abkommen ist für Indien nicht interessant, nicht wichtig und viel zu teuer im Vergleich zum Effekt.
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Bravo, solche destruktiv denkenden Kleingeister braucht das Land. Ist das selbe Denkmuster das gegenüber der EU angewandt wird. Sie würden ja hervorragend in so eine Betteldelegation passen.
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    2. Antwort von <marlene Zelger, 6370 Stans
      Hallo, so klein ist die Schweiz gar nicht. Zu gerne profitiert das Ausland von ihren Rosinen. Informieren Sie sich etwas genauer, Herr Zumbrunn, was in Sachen Wirtschaft und Tourismus so läuft.
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    3. Antwort von P. Studer, Zug
      Leider haben Sie Recht, Herr Zumbrunn. Die Schweiz war und ist international ohne grosse Bedeutung. Sie wird zunehmends noch unwichtiger. Unsere Sünneli-Partei treibt uns mit Riesenschritten in die totale Bedeutungslosigkeit. Ist ja Parteiprogramm...
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    4. Antwort von Rudolf R. Blaser, Aeschi
      MinilandCHistÜBERTREIBUNG,wir sind nur1MIKROLAND.Das ist jedoch unser Schicksal+es fälltMERKWÜRDIGauf,dass1KolossInteresse bekundet, diesenZwerg einzuverleiben.ES IST WAHR,dass mir eine barmherzige Gnade erlaubte,Indien10 Jahre lang vonBombay nachKalkutta+vonNewDelhi nachMadras zu bereisen+ich habe dort -im Vergleich zu mir- jedenfalls mehrheitlich gescheitere Leute angetroffen.Freihandelsabkommen mit ChinesischemCNYist jedoch wichtiger als mitRupie.Letztendlich verbleibt nurCNYalsWELTWÄHRUNG.
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