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Wirtschaft Schweizerische Nationalbank führt überraschend Negativzinsen ein

Die SNB führt zur Schwächung des Frankens Negativzinsen ein. Grosse Guthaben auf Girokonten der Notenbank werden künftig mit einem Abschlag von 0,25 Prozent belastet. Mit der Einführung von Negativzinsen will die SNB das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv machen.

Legende: Video Nationalbank-Präsident Thomas Jordan an der Medienkonferenz abspielen. Laufzeit 05:34 Minuten.
Aus News-Clip vom 18.12.2014.

Gut drei Jahre nach Einführung des Euro-Mindestkurses verschärft die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Kampf gegen die Frankenstärke. Die Währungshüter führen Negativzinsen ein. Mit der Massnahme habe die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor allem die Grosskunden der Geschäftsbanken wie etwa Hedgefonds im Visier, die in Krisenzeiten schnell Geld verschieben, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan an der Medienorientierung.

Grosse Guthaben auf Girokonten der Notenbank werden künftig mit Strafzinsen von 0,25 Prozent belastet. Der Negativzins gilt ab 22. Januar 2015. Er wird nur auf jenem Teil des Giroguthabens erhoben, der einen bestimmten Betrag überschreitet. Der Freibetrag beträgt pro Kontoinhaber mindestens 10 Millionen Franken.

Mit der Massnahme strebt die SNB an, dass ihr Leitzins in den negativen Bereich fällt. Daher dehnt sie das Zielband für den massgeblichen Dreimonats-Libor auf −0,75 bis 0,25 Prozent aus und erweitert es auf seine übliche Breite von einem Prozentpunkt. Seit 2011 betrug das Zielband 0 bis 0,25 Prozent. Der nur indirekt von der SNB steuerbare Dreimonats-Libor notierte nahe Null.

Die Gründe für die Massnahme

Warum handelt die SNB gerade jetzt? Ein wesentlicher Faktor sei die Zuspitzung der Krise in Russland gewesen, sagte Thomas Jordan. In den letzten Tagen hatte der Rubel dramatisch an Wert verloren. Russland machen der Ölpreisverfall und die Sanktionen der EU und der USA zu schaffen.

Verunsicherte Anleger tragen ihr Geld daher massenhaft in den «sichern Hafen» Franken. Das wiederum setzt den von der SNB festgelegte Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken unter Druck.

SNB kämpft gegen Frankenstärke

«Wir mussten in letzten Tagen am Devisenmarkt intervenieren», sagte Nationalbankpräsident Thomas Jordan. Angaben zum Umfang und zum Zeitpunkt der Interventionen zur Schwächung der Schweizer Währung wollte er allerdings nicht geben.

Die SNB bekräftigte, dass sie die Euro-Kursuntergrenze weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen wolle. Der Mindestkurs bleibe das zentrale Instrument, um die unerwünschte Aufwertung des Frankens zu verhindern. In den letzten Tagen hätten verschiedene Faktoren zu einer stärkeren Nachfrage nach sicheren Anlagen geführt.

Legende: Video Nationalbank streng gegen harten Frankenstärke abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.12.2014.

Die SNB will mit den Negativzinsen eines erreichen: Banken und andere Finanzunternehmen sollen weniger Geld in Franken halten. «Sie bestraft gewissermassen jene Banken, die bei ihr den Franken sicherheitshalber auf die hohe Kante legen», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Jan Baumann.

Unmittelbar nach der Ankündigung von Mindestzinsen kletterte der Euro auf fast 1,21 Franken, bis gegen 11 Uhr verpuffte ein Teil des Effektes aber wieder und der Euro notierte bei noch 1,2042 Franken. In den letzten Tagen hatte er an der Marke von rund 1,2010 Franken und damit nahe am Mindestkurs geklebt.

Ich gehe davon aus, dass es für die Banken keinen Sinn macht, die Kleinsparer mit Negativzinsen zu belasten.
Autor: Thomas JordanSNB-Präsident

Ob der Schritt der SNB indirekt auch bei den Spar- und Anlagekonten von Bankkunden zu negativen Zinsen führt, wird sich zeigen müssen. «Ich gehe davon aus, dass es für die Banken keinen Sinn macht, die Kleinsparer mit Negativzinsen zu belasten», sagte Thomas Jordan. Für die Banken sei es interessant, einen robusten Anteil Depositkunden zu halten.

Allerdings könnten die Banken versuchen, über höhere Gebühren und Spesen die Negativzinsen der SNB weiterzureichen. Zunächst waren keine Stellungnahmen von Banken erhältlich.

Der SNB-Präsident erwartet keine grossen Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Allerdings müssten die Banken müssen nach wie vor sehr vorsichtig sein bei Vergabe der Hypotheken, so Jordan.

Befreiungsschlag geglückt?

Die SNB hat die meisten Marktteilnehmer überrascht. Einige mit dem Schritt an sich, praktisch alle mit Blick auf den Zeitpunkt. Der Coup ist geglückt, so der Tenor im Handel. Doch ob die Negativzinsen den Befreiungsschlag bringen, wird allenthalben bezweifelt.

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38 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Einkommen zu haben ist nur möglich, weil jemand sich vorher von seiner Liquidität getrennt hat. Liquidität zurück zu halten, d.h. bei der Notenbank zu parken = Verhinderung von Einkommen. Geschieht dies in grossem Stil = Deflation, d.h. Einkommensverluste->weniger Ausgaben->noch weniger Einkommen usw. (Teufelskreis). Negativzinsen sind das richtige Instrument, um gegen die Geldhortung, d.h. die Deflation, vorzugehen. Bisher wurde dagegen Geld gedruckt, was katastrophale Auswirkung hat.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Diese unheimlichen Dinge tischt man erst Heute auf -ja nicht, vor der ECO Abstimmung, profitieren tun wieder die, die schon Reich sind, die Wirtschaft wird trotz der Stützung des Fr. zurückgehen. Wichtig ist, dass mind. 80 000 Leute aus dem EU -Raum im 2015 in die CH kommen, damit die Reichen Blockbesitzer ihre Wohnungen teuer vermieten können und die AHV - Beiträge für derz. Rentner leisten. Da bläst der Wind. Wieder wurde der Büezer reingelegt ! Dazu bezahlen wir den Negativzins der Banken.
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Negativzins von 0.25% macht auf 10'000 CHF gerade mal 25 CHF pro Jahr. Im Vgl. die MwSt.: auf Ausgaben von 10'000 zahlen Sie 800! Das ist der viel grössere, und ungerechtere Raub. Negativzinsen belasten v.a. dijenigen, welche Mio oder sogar Mrd. parken wollen. Bzw. es gibt ein Anreiz, diese eben nicht bei der Notenbank zu parken sondern sie sinnvollerweise der Wirtschaft zur Verfügung zu geben = Schaffung von Einkommen. Der Büezer ist der grosse Gewinner von Negativzinsen.
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    2. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Auch dieses Thema hat mit ECOPOP rein gar nichts zu tun. Profitieren tut der Toursimus, die Exportindustrie, die Baubranche und die Mieter, welche wohl noch einmal eine Mietzinssenkung beantragen können. Wie teuer eine Wohnung vermietet werden kann hängt von Angebot/Nachfrage ab. Die Marge wird allerdings besser bei tiefen Hypothekarzinsen, v.a. wenn sie variabel abgeschlossen wurden oder erneuert werden müssen. Mit Zuwanderung hat dieses Thema nix zu tun.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Diese unheimlichen Dinge tischt man erst Heute auf -ja nicht, vor der ECO Abstimmung, profitieren tun wieder die, die schon Reich sind, die Wirtschaft wird trotz der Stützung des Fr. zurückgehen. Wichtig ist, dass mind. 80 000 Leute aus dem EU -Raum im 2015 in die CH kommen, damit die Reichen Blockbesitzer ihre Wohnungen teuer vermieten können und die AHV - Beiträge für derz. Rentner leisten. Da bläst der Wind. Wieder wurde der Büezer reingelegt ! Dazu bezahlen wir den Negativzins der Banken.
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