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Schwere Vorwürfe Credit Suisse: Bundesanwaltschaft erhebt Anklage wegen Geldwäsche

  • Die Behörde wirft der Grossbank vor, nicht alle erforderlichen organisatorischen Vorkehrungen getroffen zu haben, um Geldwäsche von Vermögenswerten einer kriminellen Organisation zu verhindern.
  • Die Anklage sei Ergebnis von umfangreichen Ermittlungen zu den schweizerischen Geschäftstätigkeiten einer im internationalen Betäubungsmittelhandel tätigen kriminellen Organisation aus Bulgarien.

Nebst der Credit Suisse erhebt die BA ausserdem Anklage gegen eine ehemalige Kundenbetreuerin der Bank und zwei Mitglieder der kriminellen Organisation. Eine Untersuchung gegen einen zweiten früheren CS-Mitarbeiter sei eingestellt worden. Die Credit Suisse weise die gegen sie erhobenen Vorwürfe in aller Form zurück. Ebenfalls sei sie auch von der Unschuld ihrer ehemaligen Mitarbeiterin überzeugt.

Die Bank wies in einer Stellungnahme die Vorwürfe hinsichtlich angeblicher Organisationsmängel zurück. Credit Suisse werde ihre Position entschlossen verteidigen.

Das Schweizer Bundesstrafgericht kann in einem solchen Verfahren neben einer Gewinneinziehung eine Busse von höchstens fünf Millionen Franken verhängen.

Kurzeinschätzung von Roman Mezzasalma

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Die Reaktion der Credit Suisse auf die Anklage durch die Bundesanwaltschaft fällt aussergewöhnlich scharf aus: Die Bank ist «befremdet», bezeichnet die Vorwürfe «als haltlos und unbegründet», weist sie «in aller Form zurück.»

Dabei dürften nicht die drohenden maximal fünf Millionen Franken Busse wegen Organisationsmängeln die Bank in Rage versetzen. Oder der drohende Einzug des mit den beanstandeten Geschäften erzielten Gewinns. Rechtsfälle dieser Dimension haben internationale Grossunternehmen üblicherweise nämlich gleich dutzendweise gleichzeitig zu bewältigen.

Credit Suisse kritisiert die Bundesanwaltschaft, weil diese – aus Sicht der Bank – ihr Verhalten von 2004 bis 2008 mit rechtlichen Massstäben beurteile, die damals noch gar nicht gegolten hätten.

Wenn dem tatsächlich so ist, bestünde eigentlich seitens der Bank kein Grund zur Aufregung, da sich dieser Punkt vor dem Bundesstrafgericht wohl klären liesse. Wäre da nicht die Sache mit der Reputation. Ein solches Strafverfahren, das sich noch über mehrere Jahre hinziehen könnte, dürfte einen wiederholten Reputationsschaden verursachen, der die drohenden Strafzahlungen um ein Mehrfaches übersteigt. Und dies selbst dann, wenn die Bank am Ende freigesprochen werden sollte.

SRF 4 News, 17.12.2020, 14 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jorge Lugar  (Chorche)
    Wieso ist hier die Busse von Gesetzes wegen auf 5 Millionen Franken begrenzt?

    Da hinterziehe ich einfach so viel, dass ich mehr als die maximale Strafe Gewinn mache und bin im Anschluss, auch wenn ich erwischt werde, immer noch reicher als vorher.

    Ich wünsche mir zu Weihnachten jetzt auch einen Bankenlobbyisten.
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    1. Antwort von Eric Stutz  (E.S.-user)
      5 Millionen ist nur die zusätzliche Busse, Gewinneinziehung sowie Beschlagnahmung der illegal erlangten Gelder geschieht sowieso ;) Rendiert sich also keines Falls, solange man erwischt wird.
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    2. Antwort von Andrea Caminada  (Camino)
      Sie verlieren dann einfach die banklizenz und können den Laden dichtmachen!
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    3. Antwort von Jorge Lugar  (Chorche)
      "Das Schweizer Bundesstrafgericht kann in einem solchen Verfahren neben einer Gewinneinziehung eine Busse von höchstens fünf Millionen Franken verhängen."

      KANN verhängen, heisst nicht, dass es in jedem Fall verhängt wird. KANN mir nicht vorstellen, dass die das tun würden - ist ja schliesslich ne systemrelevante Bank.
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    4. Antwort von Jorge Lugar  (Chorche)
      Ausnahmsweise nehme ich die grosse Ablehnung mal nicht persönlich.

      Für mich zeigt es einfach, dass viele noch nicht begriffen haben, was für eine kriminelle Energie in den Chefetagen der Grossbanken um sich greift. Wir haben uns aber schon so daran gewöhnt, dass diese Herren für jede Sauerei straffrei ausgehen, dass nur noch das grosse Schulterzucken bleibt.

      Erinnert sich noch jemand an 2008? Ich schon.
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