Zum Inhalt springen
Inhalt

Siemens und Alstom Industriepolitik Frankreichs und Deutschlands greift zu kurz

Legende: Audio EU lehnt Fusion von Siemens und Alstom ab abspielen. Laufzeit 11:01 Minuten.
11:01 min, aus Info 3 vom 06.02.2019.

Die oberste EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager war heute sehr deutlich und hat das Fusions-Projekt «Airbus der Schiene» versenkt. Ihre Begründung: Als Zughersteller seien Siemens und Alstom im weltweiten Markt mit Hochgeschwindigkeitszügen weiterhin an der Spitze.

Die chinesische Konkurrenz in diesem Segment ist im Ausland kaum präsent. Ebenso im zweiten Bereich, der Signal-Technik, die es braucht, um mit diesen Zügen sicher unterwegs zu sein. Ein Zusammenschluss von Siemens und Alstom würde für die Betreiber solcher Züge zu weniger Auswahl und mehr Kosten führen.

Konkurrenz aus China

Wie stark der chinesische Zughersteller CRRC tatsächlich im europäischen Markt mitmischen kann, ist offen. Fakt ist: Mit staatlicher Steuerung ist CRRC in den letzten Jahren zum mit Abstand grössten Zughersteller der Welt herangewachsen. Und erste Züge – wenn auch nicht extrem schnelle – konnten die Chinesen in Europa schon verkaufen. Das erhöht natürlich den Druck auf die europäischen Zughersteller.

Neuausrichtung von Siemens und Alstom

Die Industriepolitik, die die Wirtschaftsminister von Frankreich und Deutschland mit der Förderung dieser Fusion betreiben wollen, greift zu kurz. Für gleich lange Spiesse im weltweiten Wettbewerb dürfte die Welthandelsorganisation (WTO) besser sorgen können.

Siemens und Alstom müssen sich nun neu ausrichten: Sie können im Eisenbahngeschäft eigenständig bleiben oder sich einen kleineren europäischen Partner suchen wie Talgo in Spanien, Skoda in Tschechien oder Pesa in Polen.

Oder sie suchen direkt die Zusammenarbeit in gewissen Bereichen mit dem chinesischen Riesen CRRC. Dadurch könnten sie zwar Kosten sparen. Allerdings würde das Industrie-Arbeitsplätze beim Zugbau in Europa gefährden.

Dario Pelosi

Dario Pelosi

Wirtschaftsredaktor

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Dario Pelosi hat Geografie und Medienwissenschaften studiert. Seit 2003 arbeitet er bei Radio SRF, seit Sommer 2017 als Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Rohstoffhandel, Transport, Werkplatz Schweiz und Energie.

Legende: Video Fusion der Zug-Sparten von Siemens und Alstom gestoppt abspielen. Laufzeit 01:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.02.2019.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Pius Lischer (Pius Lischer)
    Warum nicht die Vergaberegeln auf die regionale Produktion zur Vergabe des Auftrags ändern? Die Chinesen zahlen hier sicher nicht viee Zwangsabgaben wie die Einheimischen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Wyss (Pdfguru)
    Eine wesentliche Neuausrichtung ist nicht zwingend notwendig. Wenn es darum geht, auf dem Weltmarkt gegen CRRC zu bestehen, reichen auch ad-hoc-Kooperationen aus. Zudem geht es bei Hochgeschwindigkeits-Systemen nicht nur um Rollmaterial; da sind weitere Komponenten notwendig, welche durch eine Fusion auch nicht herbeigezaubert werden können. Innerhalb Europas ist es hingegen gut, wenn etwas Konkurrenz vorhanden ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Armin Spreter (aspre)
    Die EU stolpert wieder einmal über ihre eigenen Regeln. Wenn schon die staatl. Unterstützung von Konzernen in der EU verboten ist, dürften logischer Weise auch keine anderen mit "staatl. Steuerung" (s.o.) versehenen Konzerne wie die CRRC keinen Zugang zum EU-Markt genießen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen