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Skywork-Grounding Flughafen Bern verliert 60 Prozent der Flüge

Legende: Video Skywork stellt den Betrieb ein abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 29.08.2018.
  • Nach gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Partner hat Skywork Airlines den Betrieb am Mittwochabend eingestellt.
  • Die Airline mit Sitz in Bern und über 100 Angestellten gebe die Betriebsbewilligung freiwillig an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zurück, heisst es in einer Medienmitteilung.
  • Der Flughafen empfiehlt Skywork-Passagieren, nicht am Flughafen zu erscheinen. 11'000 Fluggäste sind betroffen.
  • Der Flughafen Bern verliert mit dem Grounding einen erheblichen Teil seines Umsatzes, bleibe aber in Betrieb, teilte der Flughafenbetreiber mit.

Skywork Airlines müsse auf Basis des Obligationenrechts wegen Überschuldung den Konkursrichter benachrichtigen, schreibt das Luftfahrtunternehmen. Die weiteren Schritte lägen nun beim Richter.

«Der Zeitpunkt kommt überraschend»

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«Der Zeitpunkt kommt überraschend»

Kurzeinschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim:

Für Skywork war der Flugbetrieb ab Bern-Belp stets ein risikoreicher Hochseilakt. Der Zeitpunkt des Absturzes kommt überraschend, nicht aber der Absturz als solches. Im vergangenen Herbst konnte Skywork erst nach einem temporären Grounding – und einer frischen Geldspritze – wieder abheben.

Bereits damals hatte die Skywork-Führung betont, dass ein rentabler Betrieb ab Bern eigentlich nicht möglich ist und deshalb Überlegungen angestellt, die Tätigkeiten von Skywork auszudehnen: Basel stand zur Debatte, jüngst auch Lugano. Doch aus diesen Plänen wurde zu wenig Konkretes.

Zudem steht die härteste Zeit für die Flugbranche bevor: der Herbst und Winter. Feriendestinationen im Süden sind da nicht gefragt – eines der wichtigen Standbeine der Regionalfluggesellschaft. Damit war Skywork wieder gleich weit wie vor einem Jahr. Nur, dass der Sturz dieses Mal endgültig ist.

Die Geschäftsleitung von Skywork Airlines bedankt sich bei den Kunden für die Treue, die sie der «kleinen, feinen Schweizer Fluggesellschaft» sieben Jahre lang erwiesen hätten. Der Dank gehe auch an die Mitarbeitenden und die Partner von Skywork Airlines. Mit der Stilllegung von Skywork Airlines verabschiede sich «die letzte echte Schweizer Linienfluggesellschaft vom Himmel».

Tausende Passagiere mit Tickets

Von der Einstellung des Flugbetriebes sind unmittelbar rund 11'000 Passagiere betroffen, wie das Bazl mitteilte. Die Aufsichtsbehörde hat auf ihrer Website Informationen für Skywork-Passagiere aufgeschaltet und richtet zudem eine Hotline ein. Unter der Telefonnummer 058 465 95 96 erhalten Betroffene Auskunft über ihre Rechte.

Auch Flughafen Lugano betroffen

Skywork hätte künftig die Strecke Lugano-Genf bedienen wollen. Direkte Konsequenzen habe das Aus von Skywork auf Lugano-Agno aber nicht, sagte Direktor Maurizio Merlo der Agentur Keystone-SDA. Die Flüge wären erst ab 29. Oktober geplant gewesen. Für den Flughafen der Südschweiz gelte es nun aber, eine Alternative für die Strecke nach Genf zu suchen.

Zunächst wolle man bei Swiss anklopfen, sagte Merlo. Er sieht die Airline mit der Schweizer Flagge auf der Heckflosse in einer «moralischen und ethischen Verantwortung», wie er sagt.

Swiss hatte die Strecke Lugano-Genf im Oktober 2016 aus dem Flugplan gestrichen, aus wirtschaftlichen Gründen, wie eine Sprecherin auf Aufrage ausführte. Eine Wiederaufnahme sei deshalb kein Them.

Der Flughafen Bern empfiehlt Skywork-Passagieren, ihre Buchungsstelle zu kontaktieren. Der Flughafen offeriert den Gästen, die sich bereits dort eingefunden haben, Hilfe für alternative Reisemöglichkeiten und bei Bedarf einen kostenlosen Transfer zum Bahnhof Bern.

Es gab Hinweise auf einen neuen Investor, doch das vielversprechende Engagement hat sich Anfang Woche zerschlagen.
Autor: Urs HoldereggerKommunikationschef, Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl)

Finanzprobleme bei Skywork hätten sich bereits im Juni abgezeichnet, erklärte Bazl-Sprecher Urs Holderegger gegenüber SRF News. Die Ankündigung komme insofern überraschend, als dass es bis vor Kurzem Hinweise auf einen neuen Investor gegeben habe. Die Gespräche für ein vielversprechendes Engagement hätten sich aber Anfang Woche zerschlagen. Dass es die Airline trotz mehrerer Anläufe aus der Region Bern nicht geschafft habe, sei bedauerlich. Der Markt werde entscheiden, ob jemand die Stelle einnehmen und Flüge ab Bern anbieten wolle.

Skywork erbrachte fast 60 Prozent aller Flüge am Hauptstadtflughafen. Der Flughafen Bern verliert so auf einen Schlag einen grossen Teil seines Umsatzes.

Die Betriebseinstellung von Skywork Airlines führe kurzfristig zu einem Wegfall der Linienflüge. Der Verwaltungsrat und die Leitung des Flughafens hätten Massnahmen vorbereitet und stünden in Kontakt mit mehreren Fluggesellschaften.

Von Nachfrage überzeugt

Der Sommerflugbetrieb mit Helvetic Airways ab Bern finde unverändert statt, heisst es in der Mitteilung des Flughafens weiter. Helvetic fliegt von Bern aus zu Ferienzielen in Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland.

Der Flughafenbetreiber ist weiter im Grundsatz vom Linienverkehr ab Bern überzeugt. Dass die Nachfrage nach einem Angebot von Linien- und Charterstrecken vorhanden sei, hätten die letzten Jahre gezeigt. Im Einzugsgebiet des Flughafens gebe es rund drei Millionen Einwohner und etwa 4‘000 Unternehmen. Das jährliche Passagieraufkommen erreiche knapp 300‘000 Fluggäste.

Skywork: Bereits 2017 in finanzieller Schieflage

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  • Skywork wurde 1983 gegründet. Sie bot zunächst Lufttaxi- und Charterflüge an.
  • Zuletzt hatte die Airline Linienflüge in Nachbarländer und Feriendestinationen im Angebot.
  • Skywork geriet vor knapp einem Jahr in finanzielle Schieflage. Im Oktober 2017 mussten die Flugzeuge drei Tage lang am Boden bleiben.
  • Dann gelang es Skywork, beim Bund den verlangten Finanzierungsnachweis für den künftigen Betrieb zu erbringen. Wie dieser zustande kam, blieb unbekannt.
  • Erst noch am 23. August teilte das Unternehmen mit, es nehme mit Beginn des Winterflugplans am 28. Oktober neu die Strecke Genf-Lugano in sein Angebot auf.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Hertig (Bärn in London)
    Sehr schade. Wohne in London und flug öfters nach Bern. London City nach Belpmoos. So praktisch. Nun kann man nicht einmal mehr von der englischen Hauptstadt in die schweizer Hauptstadt fliegen! Obwohl seit es keine direkten Busse mehr gab zum Bahnhof es etwas komplizierter war mit umsteigen auf den Zug in Belp. Flug übrigens schon in den 70. Jahren mit DanAir nach Bern. Nun, natürlich gibt es Flüge nach Zürich und Basel - aber eben, dann kommt die teure SBB dazu und man benötigt mehr Zeit.
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  • Kommentar von Matthias Kessler (TichuPotter)
    Endlich mal wieder eine gute Meldung für das Klima.
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  • Kommentar von Daniel Schmidlin (Queren life)
    Die Berner haben auch ohne Flughafen schon Dinge von denen wir Auswärtigen nur träumen können. Unter Anderem Bundeshäuser, Reithallen, Flussbäder, Bärengräben mit echten Bären, Zeitglockentürme... Die schwelgen ja nur so im Glück. Neu kommt noch ein entfesselter YB dazu, der Alles in die Pfanne haut.
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    1. Antwort von Moritz Rufer (MR2)
      Bis auf das Thema Reithalle gebe ich Ihnen überall recht. Aber stellen Sie sich mal vor, das Geld, das unsere lieben Stadträtinnen und Stadträte in der Reithalle verbrennen, würde in den Flughafen investiert werden... Bern wäre schon längst mit Piste für A319, A320 und 737 ausgestattet und hätte endlich eine vernünftige Anbindung.
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