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SNB wehrt sich gegen Kritik «Wir brauchen immer noch Negativzinsen»

Die Geldpolitik der Nationalbank setzt Sparern und Pensionskassen zu. SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg will nichts daran ändern.

Legende: Video Die SNB setzt auch künftig auf Negativzinsen abspielen. Laufzeit 10:22 Minuten.
Aus ECO vom 07.01.2019.

Zwar laufe die Wirtschaft gut. Doch die Unsicherheiten seien gestiegen, und der Franken sei noch immer hoch bewertet. Fritz Zurbrügg, Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), stellt im Interview mit «ECO» klar: «Im Moment ist die expansive Politik genau das Richtige».

«Bilanz ist sehr gross, aber sie kann noch wachsen»

Das heisst: Die SNB setzt auch künftig auf Negativzinsen. Trotz Wehklagen von Pensionskassen. Und sie behält sich auch künftig vor, am Devisenmarkt zu intervenieren.

Legende: Video SNB-Vize Zurbrügg: «Es gibt keinen Grund, unsere Geldpolitik zu ändern» abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.01.2019.

Damit würde sie in Kauf nehmen, dass ihre ohnehin sehr grosse Bilanz weiter wächst. Ein Umstand, der zunehmend kritisiert wird. Auch Zurbrügg hält die Bilanz für gross, sagt aber, sie könne auch noch wachsen. «Wir werden die Bilanz einsetzen, solange sie notwendig ist, um unser Mandat zu erfüllen».

Es gibt keinen Grund, unsere Geldpolitik zu ändern.
Autor: Fritz ZurbrüggVizepräsident SNB

Risiken sieht Zurbrügg weiterhin am Immobilienmarkt - insbesondere bei den Wohnrendite-Liegenschaften. Die tiefen Zinsen haben die Bautätigkeit in den letzten Jahren befeuert. Dies, weil institutionelle Investoren, darunter Pensionskassen und Versicherer, ihr Geld zunehmend in Immobilien stecken, da sie mit Obligationen kaum mehr Renditen erwirtschaften. Auch immer mehr Privatinvestoren legen ihr Geld in Mehrfamilienhäusern an.

Legende: Video SNB-Vize Zurbrügg: «Für uns ist klar, im Moment ist die expansive Politik genau richtig» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.01.2019.

Steigen die Zinsen dereinst, können viele Immobilienbesitzer in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie Zinslast, Amortisations- und Unterhaltskosten nicht mehr nachhaltig finanzieren können.

Eine Warnung an die Adresse der Banken

Zurbrügg nimmt deshalb die Banken in die Pflicht. Die SNB arbeite eng mit der Finanzmarktaufsicht und mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement zusammen. Es gehe darum, «entweder über Selbstregulierungs-Massnahmen der Banken oder mit regulatorischen Änderungen dafür zu sorgen, dass die Anreize im Wohnrendite-Segment sinken».

Auf die Frage, ob er von Banken fordere, dass sie sich in diesem Bereich stärker zurücknähmen, sagt Zurbrügg: «Das wäre eine Möglichkeit». Aber noch wesentlicher sei genügend Kapital: «Wenn sie zunehmende Risiken aufnehmen, sollten sie auch das entsprechende Kapital haben», sagt der SNB-Vizepräsident.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Adi Berger (Adi B.)
    Die Abkehr von den Negativzinsen wäre dringend nötig und würde Pensionskassen und Sparern helfen bzw damit auch der Wirtschaft. Die SNB scheint hier der EZB hinterher hinken zu wollen statt ein wenig Mut zugunsten der Schweizer Bevölkerung zu zeigen.
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    1. Antwort von Jürg Häusermann (Ebenda)
      Die SNB hält die Zinsen nicht freiwillig tief -im Gegenteil, notgedrungen. Sie ist der Preisstabilität verpflichtet. Ein zu starker Franken führt zu Industrieverlagerungen ins Ausland, hohe Arbeitslosigkeit und die einsetzende Deflation ist, einmal eingetreten, schwer zu bekämpfen.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Edmund Phelps wies nach, dass je höher die Realzinsen, desto höher die Arbeitslosigkeit ist. Die Höhe der Realzinsen hat von allen Faktoren den grössten Einfluss auf die Arbeitslosigkeit, noch vor dem Ölpreis! Die tiefe Arbeitslosigkeit in der CH ist sicher im wesentlichen der weisen Zinspolitik der Nationalbank zu verdanken!
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  • Kommentar von Peter Werro (Peter68)
    Den Pensionskassen sind die Hypozinse ziemlich egal. Das Kapital ist fast grenzenlos vorhanden kurzfristig und Renditen sind immer schwieriger zu realisieren für sie. Wo sollen sie sonst diversifiziert investieren neben Aktien? Staatsanleihen können es nicht sein... D.h. für uns, doppelt vorsichtig zu sein weil bei uns das Kapital nicht grenzenlos sprudelt.
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