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Wirtschaft Spitzenbeamter hat gegen Deklarationspflicht verstossen

Ein Spitzenbeamter des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI sass im Beirat des umstrittenen Minenunternehmens United Commodity. Über dieses Engagement waren seine Vorgesetzten beim SBFI nicht informiert.

Gebäude von United Commodity in Kanada.
Legende: United Commodity hat rund 1 Mio. kanadische Dollar Wirtschaftsförderung erhalten – die Hälfte davon als Darlehen. SRF

Bruno H. Moor ist nicht irgendein Beamter, sondern ein Spitzenbeamter des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. Im vergangenen Juni übernahm Bruno H. Moor für die Schweiz den Vorsitz der europäischen Forschungsinitiative Eureka. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen sei Eureka ein geeigneter Rahmen für internationale Kooperationen, verkündete das Staatssekretariat SBFI damals.

Porträt Bruno H. Moor
Legende: Spitzen-Beamter in umstrittener Firma: Bruno H. Moor. zvg

Das ist nicht die einzige Aufgabe, die der umtriebige Beamte im vergangenen Jahr übernahm. Denn neben seiner Aufgabe für den Bund sass Bruno H. Moor im Beirat des privaten Minen-Unternehmens United Commodity – und zwar ohne Wissen seiner Vorgesetzen beim Bund. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation bestätigt gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «ECO»: «Das SBFI hat von dieser privaten Tätigkeit keine Kenntnis gehabt.»

United Commodity: Telefonverkauf eigener Aktien

United Commodity geschäftete mit fragwürdigen Methoden: Das Unternehmen («ECO» berichtete mehrmals, s. Box) versprach ein lukratives Geschäft mit dem Recycling von Minenschutt. Daraus gewinne man Restmengen von Silber und Gold und entgifte gleichzeitig den Minenschutt. Im kanadischen Cobalt betrieb die Firma eine Produktionsstätte. Wegen des früheren Silberabbaus ist die Gegend arsenverseucht.

Bis Mitte vergangenen Jahres finanzierte sich das Unternehmen hauptsächlich mit dem Telefonverkauf eigener Aktien sowie einer Wirtschaftsförderung des Minen-Ministeriums in Ontario. Doch die hochgesteckten Produktionsziele konnte das Unternehmen nicht erfüllen. Heute steckt die United Commodity in einem Liquiditätsengpass, die kanadischen Behörden fordern das Darlehen zurück. Die Produktion in Kanada steht still. United Commodity sagt, dies sei nur vorübergehend, bis die weitere Finanzierung gesichert sei.

Sicher nicht optimal verlaufen
Autor: SBFI

Bruno H. Moor verliess den wissenschaftlichen Beirat der United Commodity Ende 2014. Doch bis vor wenigen Tagen figurierte er auf der Internetseite des Unternehmens, mit ausführlichem Hinweis auf seine Tätigkeit beim Bund. Heute sagt das Staatssekretariat SBFI gegenüber «ECO»: «Aus Sicht des SBFI ist sicher nicht optimal verlaufen, dass auf der Website der Firma die Verbindung zwischen Mandat und beruflicher Arbeit von Bruno H. Moor gemacht wurde.»

Und was sagt Bruno H. Moor selbst? «Ich lege grössten Wert auf die Tatsache, dass zwischen meiner Tätigkeit beim Bund und derjenigen im Beirat der United Commodity keinerlei Verbindung, Abhängigkeit usw. besteht.»

Jetzt nimmt das Staatssekretariat SBFI die Angelegenheit zum Anlass, alle Mitarbeitenden wieder auf die Deklarationspflicht von privaten Engagements hinzuweisen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Hans König, Häusernmoos
    Das ist wieder einmal ein Beispiel, dass die BR ihre "Spitzen"-beamten nicht im Griff haben. Früher war es im Kanton Bern Pflicht, dass jede/r Kantonsangestellte/r seine Nebentätigkeiten offenlegen musste; z.B. als Sekretär eines Amtsverbandes, einer Vereinigung, usw.. Ich bin überzeugt, dass wegen diesen Nebenjobs viele "Spitzen"-Bundesbeamte zusätzlich/e Mitarbeiter/innen anstellen konnten, weil er vorgaben, mit der Arbeit überhäuft zu sein. Fazit: Führungsschwach und unfähig.
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    1. Antwort von P Zunger, Basel
      Früher gab es mal eine Art Bundesbeamten "Ethik", d.h. man hatte Augenmass, was im öffentlichen Amt nicht geht. Heute hat man Stapel von Reglementen, sich daran halten, scheint in Bundesbeamten-Bern eher als fakultative Empfehlung aufgefasst zu werden. Kein Wunder, denn quer durch die Hierarchien bis zuoberst scheint man mehr damit beschäftigt zu sein, wie diese umgangen werden könnten wie mit dem strikten Einhalten. Die Spitze des Eisbergs ist das Nicht-Umsetzen von Initiativen.
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  • Kommentar von P Zunger, Basel
    "Sicher nicht optimal gelaufen", dass die Sache aufgeflogen ist, muss man die Stellungnahme vorgesetzte SBFI Behörde interpretieren. Kein Wunder, handelt es sich beim Beamten doch um einen, der mit EU tagtäglich zu tun hatte, da sind wohl solche Machenschaften Gang und Gäbe, darum meldet man sie nicht. Und was ist Reaktion beim SBFI: man untersuche, ob noch andere solche Machenschaften betreiben, d.h. es hat keinerlei Konsequenzen für den Fehlbaren. So was gibt's nur in Bundesbeamten-Bern!
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  • Kommentar von Pankraz Mai, SG
    Spitzenbeamter und informiert den Arbeitgeber nicht vollumfänglich!?
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