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Kleine Stadt-Hotels leiden unter der Corona-Krise
Aus Info 3 vom 04.08.2020.
abspielen. Laufzeit 14:23 Minuten.
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Stadthotels darben Schweizer gehen lieber in die Berge als in die Städte

In den Städten herrscht trotz Ferienzeit Touristenflaute. Weil die ausländischen Gäste fehlen, stehen die Hotelzimmer leer.

Während die Hotels im Tessin oder in den Bergregionen voll sind und manche sogar ihre Zimmerpreise erhöhen können, präsentieren sich viele Gastbetriebe in den Städten leer. Denn sie sind traditionell viel stärker von ausländischen Touristen und Geschäftsreisenden abhängig als von Schweizer Ferientouristen.

Familien-Aktion in Bern

Die Tourismusorganisation «Bern Welcome» hat deshalb Aktionen gestartet, um den Einbruch zumindest ein wenig abzufedern.

So könnten Berner Touristen für 99 Franken im Hotel übernachten, die Kinder bis 16 Jahre in Begleitung von Schweizer Familien sogar gratis – Frühstück inklusive, sagt Geschäftsleiterin Manuela Angst. Davon würden viele Romands, aber auch Ostschweizer Gebrauch machen.

Dabei ist klar, dass die Aktionen bloss ein Tropfen auf den heissen Stein darstellen. Denn in normalen Zeiten werden in der Stadt Bern acht von zehn Hotelübernachtungen von Geschäftsreisenden gebucht. Diese fallen aktuell fast komplett weg.

Package-Angebote in Zürich

Das macht auch den Hotels in der Zürcher Innenstadt zu schaffen. Die sechs Boutique-Hotels, die zum Verein «Pearl Hotels» zusammengeschlossen sind, haben deshalb die Aktion «Summer in the City» gestartet.

Zürich.
Legende: Zürich kann sich sehen lassen – auch für Touristen aus der Schweiz. Reuters

Damit sollen Freizeitgäste angesprochen werden, sagt Marketing-Leiterin Karin Breitenstein. «Bikes sind inklusive oder Gutscheine für Glacé am See sind dabei.» So wolle man den Touristen die Möglichkeit geben, Zürich kennenzulernen.

Die Aktion hat den sechs Innenstadthotels vor allem in den sozialen Medien eine gute Präsenz verschafft. Gebucht wird allerdings nur zaghaft, wie Breitenstein auf Nachfrage durchblicken lässt. Das hat auch damit zu tun, dass die Zürcher Hotellerie neben den Geschäftsreisenden sehr stark von den Grossveranstaltungen lebt. Und diese fallen zurzeit komplett weg.

Städte müssen längerfristig umdenken

Das wiege auch für ihr Haus schwer, sagt Sigi Gübeli, Direktorin des Hotels Platzhirsch. So fehlen etwa die Reservationen für die Streetparade, die normalerweise am zweiten August-Wochenende stattfindet.

Die Hoteliers in den Städten hoffen deshalb, dass das Verbot von Grossveranstaltungen von mehr als 1000 Personen bald aufgehoben wird.

Bundeshaus und Aare, in welcher zahlreiche Badende schwimmen.
Legende: Ein Aufenthalt in Bern kann – gerade im Sommer – ganz erholsam sein. Keystone

Doch die Städtehotels müssten so oder so umdenken, auch längerfristig, sagt der Tourismusexperte Jürg Stettler von der Hochschule Luzern. Auch bei der Stadthotellerie seien vermehrt umfassende Angebote nötig. «Es braucht die Integration von Erlebnissen.»

Ohne Business-Gäste geht es nicht

Insofern gehen die angesprochenen Aktionen und Packages in Bern und Zürich in die richtige Richtung, in dem sie vermehrt auf Schweizerinnen und Schweizer setzen, mehr auf Familien. Doch auch diese Strategie habe ihre Grenzen, sagt Manuela Angst von «Welcome Bern». Man könne nicht von einem Tag auf den anderen von einer Business-Stadt zu einer Freizeit-Stadt umgewandelt werden.

Ohne Business-Gäste funktioniert es auf Dauer also sowohl in Bern als auch in Zürich nicht. Denn Fakt ist: Die einheimischen Touristen können den Einbruch bei den ausländischen Gästen höchstens abfedern, nicht aber auffangen. Und auch wenn die Städte mit innovativen Aktionen und Packages aufwarten, verbringen die meisten Schweizerinnen und Schweizer ihre Ferien eben doch lieber in den Bergen. Das dürfte auch künftig so sein.

Rendez-vous vom 04.08.2020, 12.30 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Die Menschen wollen nicht in den Städten Ferien verbringen,aber wenn wir so mit dem Bauwahn in den Landregionen weiterfahren, so müssen die Menschen eben doch Ferien in den Städten verbringen. Das sollte uns zum denken anregen. Trotzdem schöne Ferien!
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Mal ehrlich, mit ganz wenigen Ausnahmen ist Bern, Zürich, Lausanne, Basel, Luzern, selbst zum Teil Genf, als Tagesausflug erreichbar! Für was soll man in Bern 99.- für eine Übernachtung ausgeben, wenn man auch zu hause schlafen kann? Selbst wenn man bis 2100 Uhr in Bern bleibt, erreicht man zu grossen Teilen vor Mitternacht seine eigenen Wohnung/Haus, wenn man zurückfährt. Das ist massiv billiger und meist bequemer!
    1. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Ich gebe lieber Geld für eine Übernachtung aus und kann zwei Tage in einer Stadt (und Umgebung) verbringen, als nur einen Tag zu haben und von dem auch noch 4-7 Stunden für Hin- und Rückfahrt mit Auto oder ÖV abziehen zu müssen. Das mag teurer sein, empfinde ich aber als bequemer.
      Aber jeder wie er will. :-)
  • Kommentar von Kari Raeschter  (K. Raeschter)
    In dieser Hitze in einer Stadt Ferien machen, wo es doch auf dem Lande oder in den Bergen wirklich viel schöner ist. Zudem haben die Stadt-Hotels es in den letzten Jahren völlig verpasst, ihr Angebot so anzupassen, dass nebst dem Business auch andere Touristen kommen könnten. Kommt dazu, dass die Stadtregierungen es im Gegensatz zum Ausland noch immer nicht geschafft haben, dass das AirBnB Angebot zurückgedrängt wird. Denn dies schadet ebenfalls den Hotels und den Mietern in den Städten.