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Störungen im Festnetz Unternehmer ärgern sich über die Swisscom-Panne

Legende: Video Firmen leiden unter Telefonpanne abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.01.2018.

Tausende von Geschäftskunden von Swisscom können aufatmen: Eine Störung bei der Festnetztelefonie konnte am Dienstagnachmittag behoben werden. «Betroffene Kunden können wieder telefonieren», sagte Swisscom-Sprecher Armin Schädeli.

Seit Montagmorgen hatte eine Panne das Festnetz der Swisscom teilweise lahmgelegt. Bereits vergangene Woche hatte es eine ähnliche Panne bei der Swisscom gegeben. Tausende Firmenkunden in der Schweiz – vor allem KMUs – konnten nicht telefonieren.

Die genaue Ursache des Ausfalls habe die Swisscom noch nicht gefunden. Man könne daher keine definitive Entwarnung geben. «Wir sind immer noch auf der Suche nach der Ursache des Problems», sagt Swisscom-Geschäftsmitglied Heinz Herren.

«Das hat Nerven gekostet»

«10vor10» hat mit einigen der Leidtragenden der Panne gesprochen. Heinz Bhend ist Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in Aarburg. Dort sei es in der fraglichen Zeit zu zahlreichen und schweren Störungen gekommen.

Verbindungsabbrüche seinen ebenso vorgekommen wie Einwegverbindungen, bei denen die Praxis zwar die anrufenden Patienten gehört habe, aber nicht umgekehrt. So sei ein Gespräch oft gar nicht möglich gewesen. «Das hat uns Nerven gekostet», sagt Bhend.

Heinz Bhend, Arzt in einer Gesellschaftspraxis
Legende: Heinz Bhend, Arzt in einer Gemeinschaftspraxis in Aarburg SRF

Im Nebenamt ist Bhend, Fachlicher Leiter am Institut für Praxisinformatik (IPI). Als solcher ist er mit vielen Kollegen vernetzt. Seine Branchen-Umfrage ergab, dass mehrere hundert Ärzte vom selben Problem betroffen gewesen sind.

Tausende Franken investiert

Ebenfalls wenig erfreut ist Jérôme Thiriet von der Velo-Kurierzentrale Basel. Per Anfang Jahr habe das KMU für mehrere tausend Franken ein neues Telefonsystem installiert, um ein neues Swisscom-Abo zu nutzen.

 Jérôme Thiriet von der Velo-Kurierzentrale Basel
Legende: Jérôme Thiriet von der Velo-Kurierzentrale Basel SRF

«Dass wir nun eine solch schwere Panne haben, ist ärgerlich», sagt Thiriet. Die Kunden hätten verzweifelt geschrieben, sie würden die Kurierzentrale nicht mehr erreichen. Das wirke sich gerade im schnellen Geschäft der Velokuriere negativ aus.

Im Kontrollraum der Swisscom in Bern arbeitet eine Krisen-Taskforce Tag und Nacht. Die Störung bei den Geschäftskunden hat mittlerweile oberste Priorität. Die Spezialisten erstatten der Swisscom-Geschäftsleitung direkt Bericht. Beeinträchtigt waren nach Swisscom-Angaben ankommende als auch abgehende Gespräche von Geschäftskunden mit den «Services Smart Business Connect» oder «Managed Business Communication». Sie habe sich bei allen Betroffenen entschuldigt.

Entschuldigungen reichen dem Arzt Heinz Bhend aber nicht. «Das sind mehr als Unannehmlichkeiten; das ist Behinderung unseres Geschäfts», sagt Bhend. Auch für Jérôme Thiriet der Velo-Kurierzentrale ist klar: «Das bedeutet Ertragsausfälle für unser Geschäft, denn: Kunden, die uns eine Woche nicht richtig erreichen können, suchen sich eine andere Lösung.»

Legende: Video «Mit solch komplexen Systemen kann das passieren» abspielen. Laufzeit 02:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.01.2018.

Laut Ueli Grüter, Dozent für Kommunikationsrecht haftet die Swisscom in einem gewissen Umfang für die Panne. «Je mehr Unternehmungen sich melden und Druck auf die Swisscom machen, desto mehr muss sie sich bewegen.» Die Swisscom sagt, sie werde sich gegebenenfalls kulant zeigen.

Nur noch eine Leitung für alle Geräte

Das Problem könnte bei der Software liegen. Diese wird immer wichtiger, da alle Haushalte in der Schweiz auf Internet-Telefonie umgerüstet werden. Früher hatten das Telefon, der Fernseher und internetfähige Computer separate Leitungen im Haus.

Heute gibt es nur noch eine Leitung, alle Informationen werden als digitale Datenpakete verschickt. Eine Software-Panne kann daher tausende Haushalte lahmlegen.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Diese blinde Digitalhörigkeit ist echt der Wahnsinn ! Ich weiss natürlich warum nun alle auf das umstellen müssen -die Überwachung des Bürgers funktioniert halt am besten durch diese fragwürdige Technik -die nichts als Chaos auslöst wenn einmal das gesamte Netz zusammenbricht aus Gründen wie die hochgelobten Spezialisten nicht mal sich träumen können - dann folgt Panik und wir schreiben wieder auf Zettel. Das gesamte Netz ist derart von Schrott verseucht -dass es mir schon heute graust .
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Die "Digitalisierung" wird zu immer grösseren Abstürzen und sehr vielen Kosten führen. Bezahlen tun sowieso nur die Kunden in der Digitalisierung, denn der Kunde muss ja selber alle "Dienste" überwachen +ausführen, welche früher von Telekomunternehmen, Banken, Post usw. ausgeführt wurden. In der Digitalisierung müssen wir somit alle Arbeit diesen Unternehmen abnehmen. Alles was diese Unternehmen noch tun ist, uns noch kompliziertere + unverständlichere "Anwendungen" vorzusetzen. Völlig verrückt!
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Sehe es wie Sie ! Dazu kommt die Gefahr, selbst kriminalisiert, bestohlen und verdächtigt zu werden -Briefgeheimnis ade ! Wir werden uns alle noch wundern, was diese lockere Spassgesellschaft uns noch Nerven und Geld kostet .
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  • Kommentar von Mischa Markert (THECOMMENTATOR)
    Das analoge Telefonnetz anzuschalten, ist vom Standpunkt der Betriebssicherheit das Dümmste was der Fortschrittswahn sich ausgedacht hat. Im besten Fall sind die Verantwortlichen schlicht unfähig ihre eigene Technologie zu kontrollieren. Im schlimmsten Fall wird die Swisscom (wieder einmal?) von einem Hackersyndikat erpresst. Und sollte dies auch nicht der Fall sein, so wäre es immerhin in Zukunft möglich und ermöglicht ganz neue Horrorszenarien für die Schweizer Wirtschaft.
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