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Noch ist vieles unklar bei den Kosten der Stilllegung
Aus Info 3 vom 01.10.2021.
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Studie zu Stillegungskosten AKW-Rückbau kommt nach neuesten Berechnungen billiger

Eine Studie zeigt, dass die Branche mit tieferen Kosten rechnet als 2016. Das sorgt für Kritik.

    Momentan werden viele Güter teurer – kaum günstiger. Ausgerechnet der Rückbau der Atomkraftwerke und die Entsorgung der nuklearen Abfälle soll nun aber eine Milliarde weniger kosten, als vor fünf Jahren erwartet worden war. Nämlich nur noch 23 statt 24 Milliarden Franken.

    In dieser Summe ist alles enthalten: Stilllegung und Rückbau der AKW, und auch Bau und Verschliessung der Endlager bis in 100 Jahren. Doch auf welcher Basis errechnet Swissnuclear diese Kosten? «Aus Erfahrungswerten, die man aus dem Ausland hat, den Kosten und Fristen, die dort anfallen, und die dann auf die Schweiz umgerechnet werden und die Arbeitsschritte angepasst», sagt Philippe Renault.

    Er ist Geschäftsleiter von Swissnuclear. In die Kostenstudie 2021 fliessen erstmals Erfahrungen aus dem Inland mit ein, vom AKW Mühleberg, das seit zwei Jahren stillsteht. Diese Stilllegung sei bis jetzt weniger teuer als angenommen. Mühleberg «untermauert die Schätzungen, die man bisher hatte und bestätigt gewisse Annahmen, die getätigt wurden».

100 Jahre für Entsorgung von Atommüll

    Dass Stilllegung und Rückbau von AKWs weniger kosten könnten, sei plausibel, sagt Nils Epprecht von der Schweizerischen Energiestiftung, dem Verband der erneuerbaren Energieproduzenten. Weil: «Beim Rückbau hat man erste Erfahrungen aus Deutschland, die man nun auch in Mühleberg nachvollziehen kann.» Ausserdem würden die Betreiberfirmen noch bis zum Ende der Stilllegung existieren und könnten Nachschüsse zuschiessen, wenn es teurer werden würde.

Atombranche: Kostenstudie alle fünf Jahre

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Alle fünf Jahre ermittelt Swissnuclear – das ist die Fachgruppe Kernenergie der Swisselectric, besetzt mit Vertretern schweizerischer Stromverbundunternehmen – zusammen mit Experten aus dem In- und Ausland die Kosten für das Herunterfahren der Atomkraftwerke und den Bau und Betrieb der Endlager für den Atommüll.

Die Gesamtkosten betragen neu 23.08 Milliarden Franken, 4.5 Prozent (teuerungsbereinigt 6.5) Prozent weniger als 2016, als die Schätzung bei 24.2 Milliarden Franken lag.

Epprecht stösst sich aber daran, dass auch von tieferen Kosten für die Endlagerung des Atommülls ausgegangen wird. Das tut Swissnuclear mit dem Verweis auf optimierte Prozesse und technischen Fortschritt.

Epprecht lässt das nicht gelten. «Bei der Entsorgung haben wir einen ganz anderen Zeithorizont. Da schauen wir auf die nächsten 100 Jahre. Dann werden die Betreiberfirmen kaum noch existieren.» Es gehe also darum, dass man schon heute genügend Gelder einspeise. «Denn sonst wird das einfach die Allgemeinheit bezahlen müssen.» Das sei unfair.

Spätere Generation hat den Schaden

Die heutigen Generationen müssten genügend Cash für die Endlagerung auf die Seite tun. Denn: «Spätere Generationen werden auch nichts mehr vom Atomstrom haben, sondern nur noch den Atommüll, den sie dann hüten müssen», sagt er. Gestritten wird unter Experten vor allem um den Risikozuschlag: Geld, das für Unvorhergesehenes angespart wird.

Rückbau in Mühleberg kommt voran

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Legende: Keystone

Bereits seit zwei Jahren steht das AKW im bernischen Mühleberg still. Der Rückbau geht voran. Noch immer befinden sich in einem sogenannten Abklingbecken auf dem AKW-Gelände 418 hochradioaktive Brennstäbe, die ins Zwischenlager nach Würenlingen transportiert werden müssen. Weil bloss sieben Brennstäbe in die zwei Transportbehälter passen, werden dafür mehrere Dutzend Transporte in den Aargau nötig sein, was zwei Jahre dauern wird. In Würenlingen werden die Brennstäbe in grosse, sogenannte Castor-Behälter umgeladen. In diesen werden sie gelagert, bis die Schweiz dereinst ein unterirdisches Endlager für radioaktive Abfälle in Betrieb nehmen wird – was noch Jahrzehnte dauern wird. Insgesamt werden in den nächsten Jahren 120 Tonnen radioaktiver Abfall aus Mühleberg in den Aargau verfrachtet und dort zwischengelagert.

Swissnuclear rechnet mit einem Risikozuschlag von 41 Prozent. Das sei zu wenig, sagt Epprecht. Eine Auftragsstudie seiner Energiestiftung kam 2018 zum Schluss, dass es 200 Prozent brauche: «Das kommt daher, dass noch sehr viele Unsicherheiten darin stecken, die noch gar nicht eingepreist wurden.» Als Beispiel nennt er ein Nein des Stimmvolks zu einem Endlager, über das die Schweiz in Bälde abstimmen muss.

Renault von Swissnuclear gibt zu, dass die Wahrscheinlichkeit von künftigen Ereignissen verschieden bewertet werden könne. Man fühle sich aber wohl mit dem Risikozuschlag von 41 Prozent.

Denn der gewählte Zuschlag wurde «nicht zuletzt auch von der Uni Basel und der ETH geprüft und bestimmt. Wenn die das als belastbar erachten, dann ist das für uns das Mass der Dinge.» Die jüngste Kostenstudie der Atombranche wird nun von verschiedenen Stellen überprüft, so auch vom Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi. Je nachdem, was dabei rauskommt, umso mehr oder weniger müssen die AKW-Betreiber in den nächsten fünf Jahren zur Seite legen – mit direktem Einfluss auf den Atomstrompreis.

Echo der Zeit, 01.10.2021, 18:00 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Wo ist durch das Alter eines Reaktord
    Das Gefahrenpotenzial? USA will die Werke 80 Jahre Betreiben unsere Werke sind mindestens so gut gewartet
    Ich denke die Wärmeeinheit inkl
    Generator wird dazu gehören, aber
    diese mechanischen Einheiten sind
    Austauschbar die Betonhuellen sind
    unverwüstlich
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Für uns ist es nur sehr bedingt relevant was andere machen. Die Reaktoren sind für eine bestimmte Lebensdauer ausgelegt, die ältesten der CH-Reaktoren haben diese längst überschritten. Es ist deshalb an der Zeit sie zu stoppen. Entscheidend ist, dass sie nicht betrieben werden bis etwas schlimmes passiert. Deshalb bleibt nichts anderes übrig als sie in bestem betriebsfähigem Zustand abzuschalten. Wenn sie einst abgeschaltet werden weil es nicht mehr geht, dann hat jemand seinen Job nicht gemacht
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Wer soll die Stillegungskosten bezahlen? Der Steuerzahler? Nein Danke.
    Zahlen sollen die, die Jahrzehnte mit Atomstrom Riesengewinne eingefahren haben.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ihr Wort in Gottes Ohr, das passiert auch, aber leider nur teilweise. Einen grossen Teil wird der Steuerzahler übernehmen müssen. Allerdings: Dadurch dass nicht die vollen Kosten gerechnet werden hat der Steuerzahler jetzt auch jahrzehntelang vom günstigen Strompreis profitiert.
    2. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Dass 82% der AKW der Schweiz dem Volk gehören ist Ihnen aber schon klar, oder? Daher Vorsicht, wenn man solche Kampfparolen aus dem Ausland abschreibt.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Einmal wieder ein neuer Versuch, dem Schweizer Volk plausibel zu machen, Schweizer AKW stilllegen dafür Importstrom aus notabene neuen AKW
    zu beziehen. Volks Verdummung
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Keineswegs. Die Schweizer AKW's müssen sowieso stillgelegt werden, weil sie ein Alter erreichen in dem man es nicht mehr verantworten kann sie zu betreiben. Wir können alle froh sein, dass die BKW mit Ihrem Werk in Mühleberg richtig entschieden hat. Diese Werke müssen leider bereits stillgelegt werden, wenn sie noch tiptop im Schuss sind. Sonst wird es einfach zu gefährlich. Statt AKW-Strom zu importieren sollen wir vermehrt Strom aus Sonnenlicht generieren.