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Swiss-CEO Dieter Vranckx: «Wir analysieren, wie gross die Swiss in Zukunft sein wird.»
Aus ECO vom 08.03.2021.
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Swiss-CEO im Interview Wie viele der 9000 Swiss-Angestellten müssen gehen, Herr Vranckx?

Die Airline Swiss steht vor einem grossen Abbau. Der Konzernchef spricht von einer Ankündigung im zweiten Quartal.

Noch 2019 erwirtschaftete die Vorzeige-Fluggesellschaft Swiss mehr als 500 Mio. Franken Gewinn. Nach dem Jahr 2020 steht sie ohne Zweifel vor einem grossen Abbau.

Mit 4.8 Millionen flogen gerade einmal ein Viertel der Passagiere von 2019. Das bescherte Swiss einen Verlust von 654 Mio. Franken.

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Vom Erfolg zum Einbruch: Die Zahlen der Swiss
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Im Interview mit «ECO» sagt der neue Konzernchef Dieter Vrancks, wann mit Entscheiden zu rechnen ist.

In seiner vergangenen Position bei der belgischen Fluggesellschaft Brussels Airlines hat er 2020 stark eingegriffen: Ein Drittel der Flotte hat er stillgelegt, ein Viertel der Stellen gestrichen.

Dieter Vranckx

Dieter Vranckx

Swiss-CEO

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Der belgisch-schweizerische Doppelbürger ist seit 1998 in verschiedenen Führungsfunktionen in der Airline-Branche tätig. Von 2013 bis 2016 war er bei der Swiss als Verkaufs- und Marketingchef für die Märkte Schweiz, Deutschland und Österreich zuständig. Vranckx wohnt im Kanton Zürich, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

SRF: Herr Vranckx, bei Brussels Airlines haben Sie ein Drittel der Kapazität abgebaut. Mit wie viel muss man bei Swiss rechnen?

Dieter Vranckx: Bei Swiss schauen wir uns die langfristige Nachfrage an. Und wir wissen, dass es langfristig weniger Nachfrage geben wird. Gleichzeitig wird es auch weniger Geschäftsreise-Verkehr geben. Beides zusammen wird zur Analyse führen, wie gross die Swiss in Zukunft sein wird.

Sie sagen damit, die Swiss muss auf jeden Fall kleiner werden. Die Frage ist nur, um wie viel kleiner. Wenn man Brussels Airlines als Vergleich nimmt, müssten Sie 25 Prozent der Mitarbeiter abbauen. Steht so etwas bei der Swiss an?

Man kann die beiden Fluggesellschaften nicht vergleichen. Wir sind in der Schweiz. Die Optionen schauen wir uns genau an. Das ist zu diesem Zeitpunkt wichtig und richtig.

Weshalb dauert das so lange? Bei Lufthansa hat man relativ schnell gesagt: Wir gehen von 130'000 Mitarbeitern auf 110'000. Jetzt hat man gesagt: von 110'000 auf 100'000. Das sind etwa dreissig Prozent. Die Mitarbeiter haben schnell gewusst, woran sie sind. Hier in der Schweiz wissen die Swiss-Mitarbeiter eigentlich immer noch nicht, worauf sie sich einlassen.

Die Lufthansa ist eine Gruppe. Auch das Catering-Geschäft ist ein Teil davon, ebenso das technische Geschäft. Diese Bereiche konnten viel schneller abbauen. Die Fluggesellschaften sind gleichmässig unterwegs.

Entscheid soll möglichst schnell kommen.

Genau diese Themen schauen wir jetzt an und möchten so schnell wie möglich zu einem Entscheid kommen. Denn auch wir wollen, dass es für unsere Mitarbeiter sicher und klar ist, in welche Richtung wir gehen.

Wann wird das Datum feststehen, zu dem Sie die Massnahmen bekannt geben?

Wir schauen uns das zweite Quartal an.

Also, im zweiten Quartal wird es entscheidend. Ich versuche es noch mal: Wie viele Mitarbeiter hat die Swiss in einem Jahr noch? Jetzt sind es noch etwas über 9000.

Wir haben bereits 2020 mit einer Verringerung des Personalbestands angefangen. Ende des Jahres hatten wir 500 Mitarbeiter weniger. Und für 2021 haben wir weitere 500 weniger geplant.

Und dann also im zweiten Quartal möglicherweise ein weiterer Abbau. Nun hoffen Sie auf das Sommergeschäft. Sie sagen, sie sollten 65 Prozent der Kapazität fahren können. Ist das nicht sehr optimistisch?

Das Bedürfnis nach Reisen, die Reiselust ist ungebrochen. Das merken wir auch heute noch. Wir sind bereits, diesen «Ramp up» in Bezug auf unser Netzwerk zu leisten und diese 65 Prozent im Sommer anzubieten.

Wir sind zuversichtlich, dass die beiden Elemente Impfung und Testing dafür sorgen können, dass auch im Sommer gereist werden kann.

Sie haben einen Kreditvertrag mit dem Bund. Diesem liegt ein Businessplan zugrunde. Allerdings liegen Sie jetzt unter diesem Businessplan. Muss man damit rechnen, dass die Swiss doch mehr Geld vom Bund braucht?

Wir haben einen Kreditvertrag mit Banken und die Bürgschaft durch den Bund. Wir haben klar und deutlich gesagt, dass unsere Liquidität bis Ende des Jahres ausreicht.

Sie müssen also in diesem Jahr keinen zweiten Kredit beantragen.

Nein.

Noch eine Frage zum Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Piloten, den Sie gekündigt haben: Ist es richtig, dass Sie nach dem bestehenden GAV keine Piloten kündigen können?

Das stimmt. Im GAV steht ein Kündigungsschutz. Wir haben den «GAV 2018» ordentlich gekündigt per April 2022. Jetzt sind wir im Gespräch über die nächsten Schritte und die Frage, wie wir eine Zukunft gemeinsam mit den Piloten bauen können.

Brauchen einen krisenfähigen und einen zukunftsflexiblen GAV.

War der Hauptgrund, dass Sie den GAV nicht verlängert haben, dass Sie den Piloten nicht kündigen können, aber die Kapazitäten zurückfahren müssen?

Wir brauchen einen krisenfähigen und einen zukunftsflexiblen GAV. Und der heutige «GAV 2018» hat diese Elemente nicht. Deshalb brauchen wir etwas, mit dem wir die Zukunft der Swiss gestalten können.

Wir rechnen für 2024 mit 90 Prozent.

Sie sagen, Sie werden nie wieder auf Vorkrisenlevel zurückkommen. Mit welcher Kapazität rechnen Sie für 2022 oder 2023?

Wir rechnen mit 80 bis 85 Prozent für 2023, für 2024 mit ungefähr 90 Prozent. Aber die strukturellen Veränderungen im Markt gehen weiter. Weniger Geschäftsreiseverkehr hat einen Einfluss auf uns als Firma und auf unsere Strukturen.

Das Gespräch führte Reto Lipp.

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Die Swiss im Umbruch
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13 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Das grosse Heulen in der Luftfahrtbranche. Das ist auch das einzige, was die Wirtschaft kann. Dabei bin ich sicher, wird intern von Innovation, disruptiven Effekten und Agilität gefaselt. Dabei wäre es einfach: Erstens begreifen, dass die grosse Zeit der Luftfahrt vorbei ist, zweitens Alternative Geschäftsfelder suchen (massgeschneidertes Beispiel: das Schienennetz lechzt nach neuen Playern im Nachtzuggeschäft mit Top-Rollmaterial), wo man sich als Premiumplayer etablieren kann. Aber eben...
    1. Antwort von Felix NIsset  (Felix Nisset)
      Bin genau ihrer Meinung. Unsere Mobilität verdient schon längst neue Strukturen. Zeitgemässe Technik und Logistik sind ja vorhanden.
  • Kommentar von Claude Nobs  (bernstein)
    Also die Grafik zeigt doch schon fast alles. Gem. dieser sollte die Swiss auch für 2021 genügend reserven aus den Jahren 2017-19 haben. Ab Ende 21 wird die Fliegerei so weitergehen wie vorher, denn der Bedarf ist eher noch gestiegen. Wen man auch fragt, praktisch jeder sehnt sich nach den Ferien am Meer oder in Übersee. Sobald sich die internationale Lage stabilisert hat wird es einen "run" darauf geben.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Hat die Swiss nicht gerade deshalb Bundesmillionen erhalten, damit sie kein Personal entlassen muss? Immerhin, für Boni haben die Millionen gereicht. Das ist doch auch etwas?
    1. Antwort von Roman Knoepfel  (winglet55)
      Haben Sie den Artikel gelesen? Der Bund hat eine Bürgschaft abgegeben, keine Kredite. Die Kredite kommen von den Banken.
    2. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Stimmt - die Kredite kommen von den Banken und der Bund bürgt. Wer - Herr Knoepfel - bezahlt am Ende?