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Graubünden will Gesundheitstourismus fördern
Aus Echo der Zeit vom 16.08.2021.
abspielen. Laufzeit 04:08 Minuten.
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Tourismus und Gesundheit Bündner wollen Kur-Tradition wiederbeleben

Der Steinbock-Kanton entdeckt in seiner berühmten Tradition eine neue Nische, um die Infrastrukturen besser auszulasten.

Genesen in der heilen und heilenden Bündner Bergwelt: Schriftsteller Thomas Mann hat dieses Bild mit seinem «Zauberberg» vor 100 Jahren literarisch verewigt. Kranke und Kränkliche, die zur Kur in die Bündner Sanatorien ziehen.

Was den einstigen Gesundheitstouristen lieb und teuer war, soll auch heute wieder Geld in den Kanton Graubünden bringen. Zusammen mit Expertinnen und Experten in der Tourismus- und Gesundheitsbranche hat Philipp Gunzinger als Leiter einer Steuerungsgruppe das neue Leitbild für den Gesundheitstourismus der Zukunft entwickelt.

«Beste Voraussetzungen»

 «Wir haben beste Voraussetzungen», sagt Gunzinger und verweist auf die dezentrale Versorgung, die hohe Kompetenz der Leistungserbringer in Gesundheitswesen und Tourismus, aber auch auf die Entwicklung der Nachfrage.

Und genau dort, wo sich die Interessen von Gesundheit und Tourismus überschneiden, sollen neue Angebote entstehen. Zum Beispiel Dialyse-Ferien in den Bergen, bei denen Patientinnen und Patienten ihr Blut direkt am Ferienort reinigen lassen können.

Legende: Das Berghotel Schatzalp oberhalb von Davos. Das ehemalige Sanatorium spielte auch bei Thomas Mann im «Zauberberg» eine Rolle. imago images

Oder Ferien für Pflegebedürftige, wo die Spitex zum Hotel dazugehört. Dazu Angebote für Burnout-Betroffene oder die klassische Schönheitschirurgie im Ferienambiente.

Interessante «Nische»

Für Gesundheitsdirektor Peter Peyer sind das alles gute Ideen, welche nun mit den potenziellen Anbietern in Gesundheit oder Tourismus geprüft werden: «Es ist aber eine Nische, die wir hier besetzen möchten. Um ein Stück vom weltweiten Kuchen für uns abzuschneiden und unsere Infrastrukturen besser auszulasten.»

Wir möchten hier eine Nische besetzen – um ein Stück vom weltweiten Kuchen für uns abzuschneiden.
Autor: Peter Peyer Gesundheitsdirektor, Kanton Graubünden

Der Kanton selbst werde allerdings nur als Vermittler fungieren, erklärt Wirtschaftsdirektor Marcus Caduff: «Wir wollen Trends und Potenziale und die Wünsche des Marktes aufzeigen – denn dafür fehlen den Betrieben oft Zeit und Ressourcen.»

Finanzielle Hilfe des Kantons möglich

Zugleich könne der Kanton bei konkreten Projekten auch finanzielle Unterstützung bieten – im Rahmen der neuen Regionalpolitik, sagt Caduff. Dafür müssten sich die Anbieter in den beiden Branchen nun aber eigenständig bewegen. Das Interesse sei da.

Noch nicht vollständig geklärt ist, nach wie viel Investitionen der angestrebte Gesundheitstourismus verlangt, wenn zum Beispiel Diätköche oder Spezialbetten nötig werden.

Bessere Auslastung aller Player

Gemäss Regierungsrat Caduff sind die dezentralen Gesundheitseinrichtungen im Kanton für eine allenfalls notwendige Spezialisierung ein Vorteil. Die bestehenden Gesundheitsinfrastrukturen seien im ganzen Kanton weitläufig verteilt, auch in Talschaften mit weniger Bevölkerung.

«Diese Infrastrukturen auszulasten, ist die Herausforderung, und hier kann der Gesundheitstourismus natürlich einen Beitrag leisten, um die Kosten pro Einheit zu senken», sagt Caduff. So könnte etwa eine Klinik, welche in der winterlichen Hochsaison Knochenbrüche behandelt, in der ruhigen Nebensaison zum Refugium für Menschen mit einem Burnout werden.

Diese Infrastrukturen auszulasten, ist die Herausforderung, und hier kann der Gesundheitstourismus einen Beitrag leisten.
Autor: Marcus Caduff Volkswirtschaftdirektor, Kanton Graubünden

Angebote bündeln

Fachleute aus den Branchen Gesundheit und Tourismus beraten nun im Auftrag des Kantons Interessierte und evaluieren selbständig mögliche gesundheitstouristische Angebote. Es gilt vor allem, das Know-how und die bestehenden Angebote in den Bereichen Gesundheit und Tourismus auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Mit dem Ziel, jedes Jahr ein gesundes Wachstum im Bündner Gesundheitstourismus zu erreichen.

Echo der Zeit, 16.08.2021, 18:00 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Telemach Hatziisaak  (THI)
    Die Idee ist nicht schlecht. Aber im Endeffekt nur für eine kleine, kranke, reiche Klientel. Eine Nische eben.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Jedenfalls besser und nachhaltiger als Massentourismus.
    2. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Hab etwas Mühe, das unter Tourismus einzuordnen. Das Potenzial ist da, ist aber m.E. ein gesundheitspolitisches Thema und hängt somit vom jeweiligen Gesundheitsdirektoren ab. Ein Bsp: Vor rund 10 Jahren gab es in GR bereits eine bestfunktionierende Burnoutklinik mit reichem, täglich individuell zugeschnittenem Therapieangebot, in ZH nichts vergleichbares. RR Heiniger sorgte – m.E. in unerbittlicher Ignoranz – dafür, dass ZH-Patienten nicht mehr vom GR Angebot profitieren konnten!
    3. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Traurig für die Zürcher Patienten, die lediglich ZH-Klinikbetten belegen durften, wo sie allenfalls einmal pro Woche Gruppen-Maltherapie verordnet und täglich dreimal Nahrungsmittel in Räumlichkeiten vom Charme einer DDR-Kantine verabreicht bekamen.

      Eklatant ist aber vor allem dies: Die Tagessätze für die praktisch nutzlosen Klinikaufenthalte in ZH waren wesentlich höher als jene in der spezialisierten Klinik mit Intensivprogramm von hoher Fachkompetenz in Graubünden mit 5-Sterne-Qualität!
  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Viele Kantone senden ja Agenten in alle Welt die Milliardäre suchen, um sie zu überzeugen, dass sie in der Schweiz mit einer geringen Pauschalbesteuerung für ihr riesiges Vermögen und Einkommen abweichend vom Standardgesetz für CH-Bürger, genau den richtigen Wohnort hätten. Diese werden bestimmt in Graubünden die Tourismusbranche weiter finanziell unterstützen, indem sich ja schon immer die Reichen unter sich beim Networking wohler gefühlt haben.
  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Wie wär’s wenn sich die umtriebigen Touristiker des flächenmässig größten Kantons der Schweiz die Long-COVID Patienten als Kundengruppe erschließen würden? Ähnlich der Tuberkulose brauchen dieses Patienten-Segment ausgiebige Erholung. Die bünder Bergluft und die schöne Landschaft wäre da ideal.
    1. Antwort von Lothar Drack  (spprSso)
      Schöner Gedanken und vor allem auch erbaulicher als die mehrheitlich griesgrämigen Kommentare hier.

      Nur eben, so wie damals mit der Tuberkulose wär es schön, wenn nicht nur Reiche davon profitieren könnten! Dazu bräuchte es Gesundheitspolitiker, die in einem Spital mehr als nur ein Renditeobjekt verorten sowie überhaupt auch mehr als nur Börsenkurven im Kopf haben.