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Trübe Seco-Wirtschaftsprognose Virus und Politik machen das Geschäften unberechenbar

Das Seco verdüstert seine Prognose fürs Jahr massiv. Die Unberechenbarkeit für die Wirtschaftsakteure bleibt hoch.

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Aus dem Archiv: Coronavirus – Folgen für die Wirtschaft
Aus ECO vom 08.03.2020.
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Die Wirtschaft wird im Jahr 2020 viermal stärker einbrechen als vor fünf Wochen prognostiziert: Minus 6.7 Prozent. Fast 50'000 weitere Leute werden noch dieses Jahr ihre Stelle verlieren und arbeitslos. Die Aussichten des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sind trüb, sehr trüb.

Gleichzeitig ist die Verlässlichkeit der Vorhersage – leider – gewachsen. Die Hoffnung, dass alles nur halb so schlimm kommt, schwindet. Denn fünf Wochen aussergewöhnlicher Lage in der Schweiz haben den Prognostikern erste Daten geliefert, die nun in ihre Berechnungsmodelle einfliessen konnten. Erste Effekte des Lockdowns können inzwischen gemessen werden – und nicht bloss geschätzt.

Krise des Konsums

Das Seco prognostiziert, dass die privaten Haushalte dieses Jahr 31 Milliarden Franken weniger ausgeben als letztes Jahr. Pro Kopf sind das fast 4'000 Franken. Weil auch Unternehmen nicht mehr investieren und die Exporte lahmen, soll das Gesamt-Minus für die Schweizer Wirtschaft 50 Milliarden betragen. Eine vollständige Erholung auf das Niveau vor der Coronakrise ist – selbst bis Ende 2021 – für das Seco nicht in Sicht.

Dennoch bleibt die aktuelle Wirtschaftskrise enorm unberechenbar. Als Krise des Konsums hat sie der Berner Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti diese Woche charakterisiert. Für einmal sind es nicht Konsumentinnen und Konsumenten, die die Wirtschaft stützen – wie es noch in der Finanzkrise war. Aktuell konsumieren sie weniger, weil sie nicht dürfen oder können. Oder, weil schlicht das Angebot fehlt.

Virus und Politik entscheidend

Ob der Konsum im Sommer wieder anziehen kann und es dann wenigstens einen Teil der üblichen Angebote gibt, hängt zum einen davon ab, wie gut sich die Verbreitung des Virus unter Kontrolle behalten lässt. Zum andern wird entscheidend sein, dass die Politik und die Behörden innert weniger Tage und Wochen klären können, wie es bei günstigem Verlauf der Pandemie wirtschaftlich weitergehen kann.

Bundesrat Berset zeichnete am Mittwoch die Vision für den Sommer vom Draussensitzen auf der Aussichtsterrasse und dabei etwas konsumieren können. Damit Bersets Vision Realität werden kann, ist die anhaltende Disziplin der Bevölkerung bei der Eindämmung des Virus entscheidend.

Zudem benötigt der Berg-Restaurateur Grundlagen und genügend Vorlaufzeit – um Waren zu bestellen, Personal zu finden und zu schulen. Er muss kalkulieren können, ob sich das Öffnen bei einer verkürzten Saison überhaupt lohnt. Muss abschätzen können, wie viele Tische und Stühle er aufgrund der geltenden Gesundheitsregeln platzieren kann.

Für einmal kann gerade auch das Seco selbst beeinflussen, ob die Vorhersagen seiner eigenen Prognostiker sich in vollem Ausmass bewahrheiten werden. Die Wirtschaftsakteure dürften sich nach baldigen Entscheidungen sehnen.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

SRF 4 News; 23.04.20; 17 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Bevölkerungswachstum und dessen Einfluss auf die Umwelt, der Klimawandel, die wachsende Anzahl an Menschen in Städten, die Zunahme des internationalen Reiseverkehrs und der Migration, Lebendtiermärkte in Asien erhöhen das Krankheitsrisiko für jedermann – egal wo auf der Welt. Nächste Pandemie kann uns jeden Tag treffen. Die Globalisierung ein Stück weit zurückzufahren, zurück zur Natur. Umweltschutz zu lande und Wasser (Meere). Wir haben nur einen Planet, der muss geschützt werden.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Auch wenn wir den Coronavirus mit Impfungen in der Griff bekommen sollten, es lauert bereits die nächste Pandemie. Zerstörung des Gleichgewichts in der Natur, Handel mit Wildtieren der graussam und tierquälerisch ist, Artensterben - die Natur aus dem Gleichgewicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Erreger wie das Coronavirus entstehen konnte – jetzt muss der Mensch handeln. Massentierhaltung aufgeben. WHO warnt: Nächste Pandemie kann 80 Millionen töten – und die Welt ist nicht vorbereitet
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  • Kommentar von Rene Caduff  (Rene Caduff)
    Im Ferbruar ALL TIME HIGH. Jetzt die vergleiche mit anderen Epochen von Wirtschsft Kriesen wegen ÖL Preisen.. ....
    Aber ich gebe Ihnen Recht Pensionskassen hatten schlechtes erste Quartal....Banken und ICH mit meinem 3A Fond klotzen rann an der Börse. Mal weiter mal schauen es weiss js niemand ob die Haare auf dem Kopf wachsen werden oder ob die Arbeitslosen zahlen zurück gehen. Ich wünsche mir tiefe Zahlen wie bei den Todesfällen in der Epidemie.
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