Türkei: Geschäften unter erschwerten Bedingungen

Von der unruhigen Lage in der Türkei sind auch Schweizer Industrieunternehmen betroffen. Zwei von ihnen sind Georg Fischer und Rieter. Sie hoffen, auch künftig am Bosporus erfolgreich geschäften zu können.

Moderne Spinnmaschine. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rieter hofft, weiterhin Spinnmaschinen in die Türkei verkaufen zu können. rieter

Das Schaffhauser Unternehmen Georg Fischer hat, angelockt durch den Wirtschaftsboom der letzten Jahre, 2013 in der Türkei eine Fabrik eröffnet. Die Niederlassung liegt zwei Fahrstunden ausserhalb Istanbuls.

Die harte Gangart der türkischen Regierung nach dem Putschversuch würden auch die Georg-Fischer-Angestellten spüren, sagt Kommunikationschef Beat Römer. «Es gibt intensivere Kontrollen auf den Strassen, die Polizei ist präsenter», habe ihm das Management in der Türkei berichtet.

Keine Reisen in die Türkei

Zusatzinhalt überspringen

Finanzmärkte reagieren

Seit dem Wochenende sind die türkischen Aktienwerte um 13 Prozent gefallen, so stark wie noch nie. Die unsichere politische Situation schreckt Investoren ab: Die türkische Lira verliert an Wert, die Zinsen ziehen an. So stieg der US-Dollar auf ein Rekordhoch und die Rendite von zehnjährigen türkischen Staatsanleihen stieg auf über 10 Prozent.

Es komme vor, dass mit Kunststoffröhren beladene Georg-Fischer-Lastwagen immer wieder in Polizeikontrollen gerieten oder die Angestellten auf dem Arbeitsweg angehalten würden. Wie sich die instabile Lage am Bosporus auf Umsatz und Gewinn auswirken werde, könne man heute jedoch noch nicht sagen.

Sicher sei, so Römer, dass die Lage in der Türkei den Arbeitsalltag beeinflusse. So seien Geschäftsreisen in die Türkei «momentan sehr eingeschränkt». Wenn es nicht unbedingt nötig sei, reise niemand hin, sondern man löse die Probleme per Videokonferenz. Bei Georg Fischer bringt die türkische Tochtergesellschaft etwa drei Prozent des Umsatzes.

Rieter hofft auf Geschäfte

Deutlich wichtiger ist das Türkei-Geschäft für den Textilmaschinen-Hersteller Rieter. Der Winterthurer Industriekonzern macht am Bosporus 14 Prozent seines Umsatzes. Abnehmer der Maschinen sind türkische Spinnereien. Man habe nach dem Putschversuch «sehr intensiv» mit den eigenen Angestellten und den Kunden gesprochen, sagt Rieter-Geschäftsleiter Norbert Klapper.

Dabei habe er von den türkischen Kunden die Rückmeldung erhalten, dass diese an ihren Bestellungen festhalten. Dies werde sich positiv auf den Umsatz der zweiten Jahreshälfte niederschlagen. Das ist auch dringend nötig, denn in den letzten 18 Monaten lief das Türkei-Geschäft umsatzmässig deutlich schlechter als in den vergangenen vier Jahren.

Teure Maschinen aus der Schweiz

Dazu beigetragen haben auch politische Unsicherheiten in der Türkei, die es nicht erst seit dem Wochenende gibt. Zudem bereitet die schwache Türkische Lira Probleme. Sie macht Anschaffungen aus der Schweiz teurer. Deshalb tun Schweizer Unternehmen gut daran, wenn sie nicht zu stark von der Lage in der Türkei abhängig sind. «Wir haben Kunden in der ganzen Welt», sagt Rieter-Chef Klapper dazu. Ausserdem stelle er fest, dass wenn ein bestimmter Markt schwächer werde, oftmals ein anderer zulegen könne.

Noch besser wäre für Rieter, Georg Fischer und andere Schweizer Unternehmen, wenn sich die Lage in der Türkei beruhigt. Danach sieht es derzeit aber nicht aus.