Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der Franken ist gegenüber dem Euro immer noch überbewertet
Aus Echo der Zeit vom 18.06.2019.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
Inhalt

Überbewerteter Franken Nicht alle Branchen leiden gleich stark

Der Franken ist gegenüber dem Euro immer noch zu stark, sagt der CS-Monitor. Trotzdem halte sich der Standort Schweiz gut.

Wenn Ökonomen wissen wollen, wie stark eine Währung ist, dann schauen sie nicht auf den Wechselkurs, sondern auf den sogenannten fairen Wert. Dieser ist gegeben, wenn man mit einem Euro gleich viel kaufen kann, wie mit einem Franken. Aktuell wäre das der Fall, wenn der Euro-Frankenkurs bei 1.24 läge.

Allerdings nehme dieser faire Wert über die Zeit ab, sagt CS-Konjunkturexperte Claude Maurer. Denn die Preise im Euroraum steigen rascher als in der Schweiz. In etwa fünf Jahren dürfte der jetzige Euro-Frankenkurs demnach dem fairen Verhältnis entsprechen. Dann wäre die Überbewertung also weg.

Problemlos für Pharma und Uhren

Die Schweizer Wirtschaft passe sich an den starken Franken an, so Maurer. Allerdings: «Die Anpassung verläuft je nach Branche unterschiedlich stark.»

So haben sich etwa die Pharma- und die Uhrenindustrie schon stark angepasst. Das liegt daran, dass es bei Medikamenten und Uhren einfacher ist, den Nachteil des starken Frankens zu kompensieren. Das geschieht über höhere Verkaufspreise im Ausland. Bei Medikamenten gibt es oftmals keine Alternativen und bei wohlhabenden Leuten, die eine Luxusuhr kaufen, spielt der Preis eine untergeordnete Rolle.

Vielen Industrieunternehmen fehlt die Marge

Für die Industrieunternehmen sei die Lage aber schwieriger, gibt Stefan Brupbacher, Direktor des Branchenverbands Swissmem, zu bedenken. Zwar gebe es durchaus einzelne Firmen, die in ihren Nischen Weltmarktführer seien und deshalb ebenfalls höhere Preise durchsetzen könnten. Doch diese Firmen stünden einem enormen Technologieschub gegenüber. «Sie müssten jedes Jahr neue Produkte entwickeln und auf den Markt bringen, damit sie die Technologieführerschaft erhalten können.»

Doch die Entwicklung neuer Produkte ist teuer, deshalb sind die Unternehmen auf eine gute Marge angewiesen. Das heisst, dass vom Verkaufspreis eines Produkts unter dem Strich genug Gewinn übrigbleiben muss. Doch genau diese Marge sei für viele Industriefirmen das Problem, sagt Brupbacher. «37 Prozent unserer Unternehmen haben schon jetzt eine negative oder schlechte Marge». Und ohne Marge könne nicht in neue Produkte investiert werden.

Dieser Problematik ist sich auch die CS bewusst. Gerade Unternehmen, die sich nicht in einer Nische profilieren könnten, müssten Stellen abbauen oder Teile der Produktion ins günstigere Ausland auslagern, sollte sich der Franken weiter aufwerten. Mit Blick auf die Vergangenheit wäre eine solche Entwicklung für die Industrie insgesamt allerdings verkraftbar, sagt CS-Konjunkturexperte Maurer.

Exportindustrie trotz starkem Franken

«Der Schweizer Franken ist die stärkste Währung der Welt – trotzdem haben wir eine tolle Exportindustrie», betont er. Das zeige, dass der Wechselkurs für einen Hightech- und Wissensstandort wie die Schweiz nicht unbedingt das wichtigste Argument sei. Viel wichtiger sei die Nachfrage nach den Schweizer Produkten im Ausland.

Tatsächlich gibt diese langfristige Sicht Anlass zur Zuversicht. Würde der Franken aber innert kurzer Zeit stark aufwerten – etwa wenn der Handelsstreit zwischen China und den USA eskaliert oder wenn es zu einem ungeordneten Brexit kommt – dann würde es für die Exportindustrie zweifellos ungemütlich. In diesem Punkt sind sich die Ökonomen der Credit Suisse und der Branchenverband Swissmem einig.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    In der Schweiz sind die Preise zu hoch. Folglich auch die Loehne. Man kann ja das Volk nicht verhungern und obdachlos werden lassen.Nach 1945 und bis in die 70er Jahre lag zuviel Geld in der Schweiz. Damit kam die Spekulation auf allen Sektoren und die Hochpreisinsel. Mit den Finanzkrisen haben die Zentralbanken in Unmengen Gratisgeld "gedruckt" das in der Wirtschaft nicht gebraucht wird. Damit entwickelte sich der schaedliche Finanzkapitalismus. Ein Resultat ist die Einkommensschere.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von B. Moser  (moser.b)
    Vor 10 Jahren war der € bei 1,50, damals waren die Löhne in der BRD ca. 5-20% niedriger, als in der CH. Doch wenn ich heute, teilweise die Löhne in der BRD mit CH-Löhnen vergleiche, dann würde ich in der BRD heute nicht mehr arbeiten, da kriegt man in der CH z.T. fürs Betteln mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Auch hat die Einspielung auf eine Bandbreite des CHF einen Preis, der durch einen hohen Einsatz am Geldmarkt geprägt ist....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen