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Möbel Pfister wird österreichisch
Aus Tagesschau vom 23.10.2019.
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Übernahme von Möbel Pfister Die Schweiz hat auf dem Möbelmarkt eine Chance vertan

Der Verkauf von Möbel Pfister ins Ausland ist eine logische Konsequenz einer Entwicklung, die den Schweizer Möbelmarkt schon lange umpflügt. Die wichtigsten Stichworte dazu: starker Franken und entsprechender Preisdruck, Einkaufstourismus, zunehmendes Online-Geschäft und dazu auch noch schrumpfende Umsätze. Über die letzten zehn Jahre sind die Erträge um über zehn Prozent eingebrochen. Trotz Zuwanderung.

Diese Rahmenbedingungen zeitigten schon manches Opfer. Jüngst etwa Interio – die Migros stellt den Möbel- und Wohnaccessoire-Anbieter zum Verkauf. Und jetzt Pfister. Die Marke mit der viele helvetische Emotionen verbunden sind.

Einen Befreiungsschlag aus dieser Klemme versuchte Pfister vor vier Jahren mit der Übernahme von Möbel Hubacher. Wie Pfister ebenfalls ein Schweizer Möbelhaus mit viel Tradition. Bereits damals hiess es zumindest gerüchtehalber, der österreichische Anbieter XXXLutz sei als möglicher Käufer von Hubacher ebenfalls im Gespräch gewesen. Nun gelangt Hubacher unter dem Pfister-Dach in diese österreichischen Hände.

Fehlender unternehmerischer Mut

Anfang 2018 stieg XXXLutz dann mit einer ersten Filiale unter eigenem Namen in den Schweizer Markt ein. Und nun folgt mit der Übernahme von Pfister der nächste Schritt entlang der expansionshungrigen Strategie von XXXLutz. Mit ihrem Vorgehen haben es die Österreicher geschafft, sich zur europäischen Nummer 2 hinter Ikea hochzuarbeiten.

Solch unternehmerischen Mut sucht man hierzulande in dieser Branche vergeblich. Zwar gibt es im Einrichtungs-Geschäft durchaus sehr gut positionierte Unternehmen auf dem hiesigen Markt. Sie sind aber vor allem im Hochpreis- und Design-Segment zu finden. Der typische Möbelanbieter für den Mittelstand hat heute entweder ausländische Wurzeln oder gehört zu Migros oder Coop.

Erleichterung durch mehr Einkaufsmacht

Diese Situation ist quasi hausgemacht. Zulange haben die Schweizer Anbieter die Dynamik des Online-Kanals unterschätzt. Zulange waren mehr jammernde Töne als mutige Strategien zu vernehmen. Auch Pfister liess zu lange Zeit mit dem Aufbau des Online-Geschäfts und der Auffrischung seiner Marke.

Für das Unternehmen und seine Mitarbeitenden bleibt nun zu hoffen, dass die neuen Eigentümer ihre Versprechen einhalten: «Pfister bleibt Pfister», hiess es heute. Zudem soll es keine Entlassungen geben, und die Mitarbeitenden würden zu gleichbleibenden Konditionen weiterbeschäftigt.

Pfister wird von der schieren Einkaufsmacht der Österreicher profitieren können. Das erlaubt, attraktive Preise anzubieten und die Konkurrenz herauszufordern. Doch gleichzeitig birgt dies die Gefahr, dass die Marke verwässert wird. Dann würde Pfister eben doch nicht Pfister bleiben.

Matthias Pfander

Matthias Pfander

Reporter Wirtschaftsredaktion

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Matthias Pfander ist seit 20 Jahren im Wirtschaftsjournalismus tätig, seit Mitte 2017 als Reporter und Planer in der Wirtschaftsredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er unter anderem für den Tages-Anzeiger und die Blick-Gruppe.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Wenger  (Roland T. Wenger)
    Richtig. Ich will immer wieder was neues. Meine Eltern und ihre Eltern haben einmal im Leben Möbel gekauft. Dieses Hässlichkeit von Eichen Wohnwänden und Tischen. Ok sie sind natürlich auch sehr selten, wenn überhaupt umgezogen. Dieses billig Zeugs das wir kaufen, würde einen Umzug gar nicht überleben. Dafür ist das Zeug auch nicht gedacht.
    Und noch mal richtig, wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Wer lässt den heute noch defekter Sachen reparieren? Zudem ist das meistens teuerer als was neues
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    1. Antwort von Arno Zingg  (Arno Zingg)
      Grundsätzlich haben Sie natürlich recht, dass ist der Trend. Doch es gibt durchaus auch Menschen, die anders denken und handeln. Als Hersteller von hochwertigen Produkten sind wir in der Lage und bestrebt, all unsere Produkte aus den letzten gut 30 Jahren reparieren zu können und weiterhin funktionstüchtig zu halten. Und auch wenn wir uns in einer kleinen Nische bewegen, es gibt durchaus Kunden, die genau das suchen und schätzen.
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  • Kommentar von Roland Wenger  (Roland T. Wenger)
    Früher war die Qualität noch wichtig. Man behielt die Möbel zum Teil ein lebenslang.
    Heute ist nur noch wichtig, dass die Sachen hübsch aussehen und günstig sind. Die Qualität ist unwichtig, den nach wenigen Jahren entsorgt man sie und holt neue.
    Wenn ich die Preise vom Pfister sehe, kann ich nur lächeln und den Kopf schütteln.
    Ich persönlich bestelle alles in D. Die liefern, bauen auf, entsorgen das Alte und des für ein Butterbrot.
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  • Kommentar von Eric Cerf  (Alpenjonny)
    @w.boller: im Falle von Möbel-Pfister (Pflaster) stimmt Dein Umkehrschluss nicht mehr. Früher liess Pfister hochwertig gefertigte Möbel entweder bei uns oder im nahen Ausland fertigen. Betten, Schränke, Tische und Stühle hatten ihren Preis und hielten ewig. Gut erhaltene Einzelstücke aus den 50er/60er Jahre von Pfister verkaufen Erben oder Brockis angemessen teuer. Die heutige Wegwerfgesellschaft will nur noch billige Ramschmöbel, egal woher und wie gefertigt. XXX-L ist dafür prima.
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