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SBB: Millionen-Verlust im Corona-Jahr
Aus Rendez-vous vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 06:04 Minuten.
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Verluste im Coronajahr 2020 Die SBB im finanziellen Korsett

Die Gegenwart für die SBB ist ungemütlich. Und die Zukunft ist nur bedingt besser. Der Passagiereinbruch im vergangenen Jahr ist ein beispielloses Ereignis und hat massgeblich zum tiefen Loch in der Kasse des Bahnunternehmens geführt.

Besonders schmerzhaft ist die Situation im Fernverkehr: In diesem Bereich wirtschaftet die SBB auf eigene Rechnung. Sie darf Gewinne machen – was sie in der Vergangenheit regelmässig tat –, muss aber auch allfällige Verluste selbst tragen.

Aktuell erholt sich der Fernverkehr nach dem starken Rückgang jedoch nur zaghaft und nur auf tiefem Niveau. Wenn einstige Pendlerinnen und Pendler allerdings in Zukunft ebenfalls ganz oder teilweise von zu Hause arbeiten, ist fraglich, wie lange es dauert, bis die SBB wieder die Zahlen von vor der Pandemie erreicht.

Die SBB-Führung geht grundsätzlich von einer langfristigen Erholung aus. Wenn dem so ist, dann dürfte das Jahr 2020 ein einmaliges Ereignis gewesen sein.

Drei mögliche Auswege

Falls nicht – und darauf deutet einiges hin – stellen sich grundlegende Fragen zur Zukunft des Fernverkehrs und allenfalls gar auch zur SBB als öffentlich-rechtliche Aktiengesellschaft. Drei Szenarien sind denkbar:

Erstes Szenario: Naheliegend ist, dass die SBB einschneidende Sparmassnahmen beim Angebot oder Preiserhöhungen vornimmt, um die Finanzen wieder ins Lot zu bringen. Ein öffentlicher Aufschrei wäre gewiss.

Zweites Szenario: Wie im Regionalverkehr springt fortan die öffentliche Hand ein und deckt das entstandene Defizit auch im Fernverkehr. In diesem Fall würde der Bahnverkehr faktisch wieder vollumfänglich zu einer Staatsaufgabe. Der Widerstand bei Kantonen und Gemeinden wäre programmiert.

Drittes Szenario: Die Politik privatisiert den Fernverkehr komplett. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das höchstens ein Gedankenspiel.

Rettendes Immobiliengeschäft

Insgesamt ist der Handlungsspielraum für die SBB-Führung momentan minim und das finanzielle Korsett noch enger als in früheren Jahren. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund verteidigt das Unternehmen mit aller Vehemenz sein lukrativstes Standbein: das Immobiliengeschäft.

Wegen der Corona-Pandemie leidet zwar auch dieser Bereich, trotzdem vermag es mit seinen Millionengewinnen den Konzern zumindest zu stabilisieren. Wenn nun Rufe lauter werden, den Umfang der SBB im Immobilienbereich zu beschränken, würde das den Spielraum weiter einschränken – mit allen Konsequenzen. Auch finanziellen wie sich besonders in der jetzigen Situation zeigt.

Letztlich ist es der Bund als Eigner, der bestimmt, wie viel privatwirtschaftliche Autonomie er dem Unternehmen gewähren und welche Risiken er gegebenenfalls selbst tragen will.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

SRF 4 News, 10 Uhr, 15.03.2021

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    @Chuck1: In der Schweiz existiert die Transport- und die Fahrplanpflicht, und darum ist das Streichen von Leistungen nicht so einfach möglich. Zusatzleistungen (wie Verstärkungen in der Spitzenzeit) können etwas leichter gestrichen werden.

    Eine weitere Möglichkeit der Kapazitätsverringerung ist das Verkleinern der Gefässgrösse. Dies ist beim schweizerischen System nur eingeschränkt möglich (da fixe Kompositionen).
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Zum Beispiel Japan: Im Grossraum Tokyo gibt es verschiedene Privatbahnen (nicht JNR-Abkömmlinge). Bei diesen Bahnen ist eine Symbiose Bahnbetrieb-Immobilien festzustellen. Ein Teil der Immobilien sind Verkaufsflächen in den Bahnhof-Komplexen. Die Bahn bringt darum Leute in diese Läden.

    Es ist nicht unüblich, dass die Erträge aus Immobilien und aus dem Bahnbetrieb etwa gleich sind. Und diese Unternehmen sind erfolgreich und machen Gewinne.
  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Es gibt evtl. ein viertes Szenario, ähnlich dem zweiten. Wir Bahnbenützer wünschen und fordern weiterhin den Top-Standard, welcher notabene Geld kostet und finanzieren diesen, aus einem Mix aus Preiserhöhung und steuerlichen Abgaben. Man kann schlicht nicht forden, ohne zu investieren. Wenn man es günstiger wünscht, was auch eine Option ist, kann man schlicht nicht auf diesem Niveau weiter beharren. Und eine Privatisierung öffnet die Tore für das Chaos.. siehe die Krankenkassen.