Verrückt: Schweizer sparen trotz rekordtiefer Zinsen

Im Kampf gegen den zu starken Franken, hat die Schweizerische Notenbank Ende 2014 Negativzinsen verhängt, die meisten Banken zahlen auf Sparkonten keine Zinsen mehr. Dennoch stieg die Sparquote in der Schweiz laut neuen OECD-Erhebungen zuletzt auf ein Rekordhoch.

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Bildlegende: Auch bei Nullzinsen ist Sparen nicht zwingend ein Verlustgeschäft. Dank negativer Teuerung. Keystone

Die Schweizer haben schon immer gerne und viel gespart. Aber seit der Finanzkrise sparen sie noch mehr. Aktuelle Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit OECD zeigen, dass die Sparquote in der Schweiz Rekordwerte erreicht. Und das liegt nicht nur am hohen Lohnniveau.

Sparen aus Sorge um Zukunft und Rente

Einer der Gründe für die aktuelle Sparwut seien die unsicheren Zeiten, sagt der Chefökonom der UBS, Daniel Kalt: «Wenn die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, als höher wahrgenommen wird, kann das dazu führen, dass die Haushalte beginnen, etwas mehr Spargelder zur Seite zu legen.»

Zudem seien Viele in Sorge um mögliche Löcher in der Altersvorsorge, so Kalt. «Auch das hat die Sparneigung in den letzten Jahren ansteigen lassen.»

Staatlich verordnetes Sparen

Zusätzlich zum freiwilligen Sparen, erhöhe aber auch das staatlich vorgeschriebene Sparen via Pensionskassen die Sparquote, sagt Jérôme Cosandey, Sozialversicherungsexperte von Avenir Suisse.

«Die Generation der Baby-Boomer steht kurz vor der Pensionierung. In diesem Alter sind die Löhne höher und die Beiträge für die berufliche Vorsorge höher als bei jüngeren Arbeitnehmern.» So wachse das Zwangssparen automatisch.

Auch bei Nullzinsen nicht zwingend ein Verlustgeschäft

Ein Drittel der Ersparnisse gehen in die berufliche Vorsorge. Die übrigen zwei Drittel, das freiwillige Sparen, landen meist auf dem Sparkonto. Trotz rekordtiefer Zinsen muss Sparen nämlich kein Verlustgeschäft sein.

Dank rückläufiger Teuerung können sich Sparer mit ihrem Sparbatzen in Zukunft nämlich mehr leisten, als wenn sie ihn heute verjubeln.

Wer aber kostspielige Zukunftspläne hat, muss heutzutage mehr auf die Seite legen als früher. «Um ein Sparziel zu erreichen muss ich heute aufgrund der kleineren Rendite mehr auf die Seite legen als früher», sagt Cosandey.

Spekulationsblasen wegen Spargeldern?

Neue Zahlen der OECD lassen vermuten, dass auch in anderen Ländern mit Negativ-Zinsen mehr gespart wird als früher. Das ruft Kritiker der aktuellen Geldpolitik auf den Plan. Sie befürchten unter anderem, die zusätzlichen Spargelder könnten Spekulationsblasen produzieren statt produktive Investitionen auszulösen.

Auch die Schweiz hat bereits solche Exzesse erlebt. Beispielsweise als Ende der 1980er-Jahre eine Immobilienblase platzte und viel Vermögen vernichtet wurde.
Verglichen mit damals sei heute aber alles im grünen Bereich, sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt.

Der Schweizer Wirtschaft gelinge es, mit den zusätzlichen Ersparnissen produktiv zu wirtschaften: «Die Schweiz hat mit den Sparmitteln eine gute Infrastruktur bereitgestellt und die Unternehmen machen innovative Investitionen mit den Mitteln.»

So ist die Schweizer Wirtschaft nach der Finanzkrise denn auch vergleichsweise schnell wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt – trotz des starken Frankens.