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Vom Metzger zum Coop-Chef
Aus Rendez-vous vom 10.05.2021.
abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
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Vom Metzger zum Coop-Chef «Chrampfer», gutes Gespür und Zähne zeigend: Der neue Coop-Chef

90'000 Angestellte, 30 Milliarden Umsatz – das sind nur zwei Zahlen zum Detailhandelsriesen Coop. Seit dem 1. Mai führt Philipp Wyss den Konzern. Er hat das Amt von Joos Sutter übernommen, der neu Verwaltungsratspräsident bei Coop ist. Wer ist der neue Mann an der Coop-Spitze?

Filet, Würste und Rippchen – damit hat Philipp Wyss seine Karriere gestartet; als ausgebildeter Metzger. Lebensmittel begleiten den 54-Jährigen bis heute: «Ich koche selber gerne. Ich setze mich für alle Trends ein, die kommen. Das interessiert mich sehr.»

Chancen nutzen und von Erfahrungen profitieren

Aktuell gehen die Trends Richtung weniger Fleisch. Ob da sein Metzger-Herz nicht blutet? «Man wird weniger Fleisch essen und ich glaube, das ist auch korrekt und richtig so», so Wyss. Dafür kämen andere Nahrungsmittel auf den Teller. Er wäre ein schlechter Chef, wenn er diese Entwicklungen nicht als Chance sehen würde.

Genau das erwartet Joos Sutter von Philipp Wyss, sein Vorgänger und neuer Verwaltungsratspräsident von Coop: «Es gibt natürlich immer wieder Innovationen und die muss man gut verfolgen, sei es in den Sortimenten, in der Logistik oder in der Abwicklung der Logistik.» Da kann Wyss auf jahrelange Erfahrungen zurückgreifen.

Nach der Metzgerlehre war er kurz für die Migros tätig, hat dann aber den grössten Teil seiner Karriere – seit 1997 – in verschiedenen Positionen bei Coop verbracht. Dabei habe er stets ein gutes Gespür für Trends gehabt, bescheinigen ihm Sutter, aber auch aktuelle und ehemalige Angestellte, die ihn näher kennen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Auch haben sie ihn in all den Jahren als «Chrampfer» kennengelernt. Und als Frühaufsteher. Zu seinem Morgenritual gehöre immer der Blick auf die Zahlen am Computer, erzählt Philipp Wyss gut gelaunt: «Morgens um 5 Uhr oder noch früher sind die Zahlen drauf.» Meistens würden die Zahlen gut aussehen. «Was ein wenig trübt, sind die Restaurantumsätze. Von den Terrassen allein kann man natürlich nicht leben», sagt der Mann an der Coop-Spitze.

Was ein wenig trübt, sind die Restaurantumsätze. Von den Terrassen allein kann man natürlich nicht leben.
Autor: Philipp WyssVorsitzender der Geschäftsleitung bei Coop

In seiner Freizeit wandert Philipp Wyss gerne und fährt Ski. Seit Jahren wohnt er in seiner Heimat, im Kanton Luzern. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Ganz grundsätzlich wirkt er nicht wie ein typischer Manager: Er lacht viel, ist gewinnend, gilt als umgänglich und als Macher – nicht zuletzt auch wegen seines unkonventionellen Werdegangs.

Konfrontation mit vielen Fragen

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Das Coop-Universum umfasst mehr als die Restaurants und 950 Einkaufsläden: Es sind dutzende Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Als Chef muss Philipp Wyss fortan das grosse Ganze im Blick haben. Entsprechend sieht er sich mit vielen Fragen konfrontiert – zum Beispiel diesen:

Was macht die Migros besser als Coop?

«Keine Ahnung.»

Was, wenn Amazon in der Schweiz Lebensmittel verkaufen sollte?

«Dann werden wir auch eine Antwort haben.»

Karton und Kaffee sind auf dem Weltmarkt sehr viel teurer geworden. Kommt es zu Preiserhöhungen?

«Wir haben dieses Jahr mehr Preise abgeschlagen als erhöht. Ich rechne nicht mit grossen Preisänderungen.»

Und wie beschreibt Philipp Wyss seinen Führungsstil? Das habe er in den Jahren gelernt. «Mit dem Team Erfolg zu haben ist viel wichtiger, als wenn ich meine Entscheidung durchsetzen will.» Denn nur wenn das Team hinter etwas stehe, werde man langfristig Erfolg haben, so Wyss.

Mit dem Team Erfolg zu haben ist viel wichtiger, als wenn ich meine Entscheidung durchsetzen will.
Autor: Philipp WyssVorsitzender der Coop-Geschäftsleitung

Gleichzeitig ist aus seinem Umfeld auch zu hören, dass er durchaus Zähne zeigen und ruppig auftreten könne. Dazu meint Philipp Wyss: «Es gibt immer Situationen, wo man sich ganz klar mal durchsetzen muss oder will. Das gehört selbstverständlich auch dazu.»

Potenzial bei der Frauenförderung

Auch wird kritisiert, dass sich Coop gegen aussen fortschrittlich gebe – Stichwort Nachhaltigkeit –, aber selbst eine konservative Betriebskultur pflege, beispielsweise beim Thema Frauenförderung. Laut Wyss sind im Gesamtkader fast 50 Prozent Frauen. Jedoch: «Im obersten Gremium oder im zweitobersten Gremium der Geschäftsleitung haben wir noch Potenzial, klar.» Aktuell sitzt in der siebenköpfigen Geschäftsleitung erst eine Frau. Und auch erst seit Kurzem.

Sein gutes Gespür für Trends wird Philipp Wyss also auch zugutekommen, wenn es um die Anliegen und Befindlichkeiten seiner 90'000 Angestellten geht.

Rendez-vous, 10.05.2021, 12:30 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Pascal Padrutt  (papa)
    Und wieder wird Personenkult betrieben mit einem neuen Manager mit Zahnpastalächeln. Es würde überraschen, wenn dieser ehemalige Metzger den Profit etwas schmälern wûrde, um dem Verkaufspersonal (insbesondere Aushilfen) anständige Löhne zu zahlen. Die überrissenen Preise im Coopladen sollte diese Aufbesserung spielend ermöglichen. Aber eben, ich wette dagegen. Es wird munter weiter gepresst an der Zitrone „Personal“ und munter weiter Personenkult betrieben.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Ich glaube, dass Sie nicht wissen, was ein Geschäftsführer für Aufgaben hat. Der Verwaltungsrat gibt dem Geschäftsführer die strategischen Vorgaben wie Umsatzziele, Ausrichtung des Geschäftes und vieles mehr. In der Firma wo ich bis zu meiner Pensionierung arbeitete, wurde vom Verwaltungsrat auch der Ansatz pro MitarbeiterIn vorgegeben. Da hat man dann nicht mehr grosse Freiheiten.