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Vorwürfe der US-Justiz «Die UBS lässt es als erste Bank auf einen Prozess ankommen»

Legende: Audio UBS erwartet Klage durch US-Justiz abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
02:50 min, aus Rendez-vous vom 08.11.2018.

In einem Communiqué hat die Grossbank UBS bekannt gegeben, dass sie mit einer Zivilklage in den USA rechnet. Es geht um Hypotheken-Geschäfte von vor zehn Jahren. Diese Geschäfte sollen die Finanzkrise mit verursacht haben. Was ist da dran? SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Bonanomi erläutert den Hintergrund.

Klaus Bonanomi

Klaus Bonanomi

SRF-Wirtschaftsredaktor

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Klaus Bonanomi ist seit 2009 Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF. Davor war er Nachrichtenredaktor, Bundeshauskorrespondent und Produzent der Sendung Rendez-vous. Er ist zudem als Korrespondent für die österreichische Zeitung «Der Standard» und für den deutschen «Südkurier» tätig.

SRF News: Was wird der UBS in diesem Verfahren vorgeworfen?

Klaus Bonanomi: Die UBS war damals, als die Hypothekenblase platzte, mittendrin. Die lokalen Banken und Finanzinstitute gaben damals fast jedem, der wollte, eine Hypothek, auch solchen, die es sich eigentlich nicht leisten konnten.

Die Investoren wussten, dass es diese Altlast in dieser Grössenordnung noch gibt.

Die Grossbanken, darunter auch die UBS, kauften solche Hypotheken auf, bündelten sie und verkaufen sie im Paket weiter an institutionelle Investoren, an Pensionsfonds und andere. Sie tat dies, ohne genau zu wissen, wie solide die einzelnen Hypotheken waren. Als sich die Kreditausfälle häuften, kollabierte das System. Aber zurück zu Ihrer Frage: Ganz genau weiss man noch nicht, was die Vorwürfe sind, weil diese Zivilklage des US-Justizdepartements noch nicht vorliegt.

Anders als die CS will die UBS nicht zahlen, sondern sie will sich verteidigen. Warum wählt sie diese Strategie?

Sie argumentiert, die UBS sei nicht eine Betrügerin gewesen, sondern im Gegenteil, sie sei selber betrogen worden. Sie habe kaum Hypotheken vergeben, sondern sie habe faule Kredite angedreht bekommen. Deshalb habe sie grosse Verluste erlitten und man könne sie nicht verurteilen.

Analysten schätzen, es könnte um bis zu zwei Milliarden Franken gehen.

Weiter nimmt die UBS nicht Stellung zu ihrer Strategie. Es ist zu vermuten, dass die amerikanischen Justizbehörden – wie mit anderen Grossbanken – auch mit der UBS einen Vergleich anstrebten. Aber sie verlangten zu viel, oder sie verlangten jedenfalls mehr, als die UBS bezahlen wollte. Nun lässt es die UBS auf diese Zivilklage ankommen.

Was steht für die Bank auf dem Spiel?

Es geht um viel Geld. Ich habe mit einem Analysten von einer anderen Bank gesprochen. Er schätzt, dass es um eine bis anderthalb Milliarden Franken gehen könnte. Andere Analysten schätzen, es könnte um bis zu zwei Milliarden Franken gehen. Die Credit Suisse musste seinerzeit gar fünf Milliarden Franken hinblättern.

An der Börse hat die UBS trotz dieser Mitteilung heute sogar zugelegt. Sind die Aussichten für die Bank doch nicht so schlecht?

Die Klage kommt nicht ganz aus heiterem Himmel. Die Investoren wussten, dass es diese Altlast in dieser Grössenordnung noch gibt. Aber es ist schon ein Risiko. Die UBS ist die letzte Bank, die sich in diesem Zusammenhang noch nicht mit den amerikanischen Justizbehörden geeinigt hat. Und es ist die erste, die es nicht auf einen Vergleich, sondern wirklich auf einen Prozess ankommen lässt.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Gerhard Himmelhan (Gerhard Himmelhan)
    Hallo Kommentarschreiber, kann mir jemand mitteilen wie viel Franken alle Schweizer Banken in den letzten Jahren als "Strafe" bis jetzt bezahlt haben. Ausserdem wer bekommt denn all`die Milliarden? Merci
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Gute Fragen! Fuer die Milliarden breuchte es Recherche, die nur Medien stemmen koeTen. Die Milliarden gehen an Nochrechtsstaaten und Buerger von Nochrechtsstaaten. Die Lug und Trug von Profis am Staat und an Laien verfolgen und entschaedigen lassen, statt beguenstigen....
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  • Kommentar von lukas Dieterle (lucky)
    Ein Prozess in Frankreich und dann in den USA ev. noch Deutschland oder gleich die ganze EU. Da muss man schon ein par Mia. zurückgestellt haben um das alles zu tragen. Als Normalsterblicher muss man sich da schon fragen, woher die ganze Kohle kommt. Ein normales Unternehmen wäre schon lange Konkurs aber die Grossbanken können sich das offenbar leisten und wenn nicht gibts ja immer noch die Steuerzahler.....
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Mit der Lizenz zum Geldschoepfen aus dem Nix bei einem Minimum an Planung statt Dillettantie kein Problem. Und wie sie richtig schreiben, gibts in der Schweiz immer noch den Steuerzahler - und die Nationalbank....
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  • Kommentar von Andy Schmid (andy)
    Endlich ein Unternehmen bereit, Stirn zu bieten. Die USA ist alleine verantwortlich für ihr eigenes Tun vor 10 Jahren mit Immoblienblase, einem maroden Staatshaushalt. Hätten sie Lehman Bros. auch gerettet, hätte die ganze Welt die US ausgelöste Krise nicht erleben müssen.
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    1. Antwort von Simon Weber (Weberson)
      Hallo Herr Hug, ob die Rettung von Lehmann Brothers das Unvermeidliche hätte verhindern können, wage ich zu bezweifeln. Da waren so viel faule Kredite in der ganzen Welt verteilt, früher oder später hätte das vom Steuerzahler nicht mehr beglichen werden können. Es sei denn, man hätte bei den Superreichen richtig angezapft..
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