Zum Inhalt springen
Inhalt

Wert der Biodiversität Artenvielfalt ist auch in Köpfen der Manager angekommen

Firmen machen sich zunehmend Gedanken über ihre Rohstoffbasis, wenn immer mehr Arten aussterben. Das sagt der Chef von WWF Schweiz.

Legende: Audio Es lohnt sich, ökonomisch zur Artenvielfalt Sorge zu tragen abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
01:44 min, aus HeuteMorgen vom 30.10.2018.

Es gibt immer weniger Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische. Die Artenvielfalt hat in den letzten zwei Jahren weiter abgenommen. Zu diesem Schluss kommt der neue Bericht über die Biodiversität des WWF. Laut den Autoren hat aber das Bewusstsein in der Gesellschaft und vor allem in der Wirtschaft zugenommen, dass der Verlust der Artenvielfalt hohe Kosten verursacht.

Thomas Vellacott, Chef von WWF Schweiz.
Legende: Bei den Firmen beginne ein Umdenken, sagt Thomas Vellacott, Chef von WWF Schweiz. Keystone/Archiv

Die menschliche Bevölkerung hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdreifacht. Doch die Zahl der Wirbeltiere weltweit hat um rund 60 Prozent abgenommen. Zu diesem Schluss kommt der neueste «Living Planet Report» des WWF.

Auch eine weitere Zahl ist in dem Bericht auffällig: Auf 125 Billionen Dollar schätzen die Wissenschaftler erstmals den Wert der Dienstleistungen, die die Natur jedes Jahr erbringt.

Es war lange so, dass man sich auch in der Wirtschaft viel zu wenig des Wertes der Biodiversität bewusst war.
Autor: Thomas VellacottChef WWF Schweiz

Dienstleistungen, die für die Wirtschaft, für Produktion, Handel, Konsum unerlässlich sind. Langsam beginne die Wirtschaft diese Werte zu schätzen, stellt WWF-Schweiz-Chef, Thomas Vellacott fest.

Unternehmen wollen auch in Zukunft Ressourcen finden

«Es war lange so, dass man auch in der Wirtschaft viel zu wenig sich des Wertes der Biodiversität bewusst war», sagt er. Doch das sei sich sehr stark am ändern. Will heissen: «Dass immer mehr Firmen auch begreifen, dass sie auf intakte Ökosysteme angewiesen sind, um erfolgreich wirtschaften zu können», sagt Vellacott.

Wenn wir heute mit Firmen sprechen, dann merken wir einfach, dass sich immer mehr Unternehmen Sorgen machen, wie sie in Zukunft überhaupt verlässlich an Ressourcen herankommen werden.

So werden drei Viertel der Pflanzen, die in der Ernährungsindustrie genutzt werden, gratis von Insekten bestäubt. Viele Medikamente bestehen aus natürlichen Stoffen oder sind von der Natur inspiriert.

«Wenn wir heute mit Firmen sprechen, dann merken wir einfach, dass sich immer mehr Unternehmen Sorgen machen, wie werden sie in Zukunft überhaupt verlässlich an Ressourcen herankommen», sagt Vellacott und erklärt weiter: «Hier beginnt ein Umdenken.»

Pandabären, die fressen.
Legende: Vereinzelte Beispiele zeigen, dass das Artensterben aufgehalten werden kann: So gibt es heute wieder mehr Pandabären. Keystone/Archiv

Gesellschaft und Wirtschaft haben es in der Hand

Es lohne sich rein ökonomisch der Artenvielfalt Sorge zu tragen – davon ist Vellacott überzeugt. Und vereinzelte Beispiele zeigten auch, dass das Artensterben aufgehalten werden kann: Pandabären gibt es heute beispielsweise wieder mehr als vor wenigen Jahren.

Gesellschaft und Wirtschaft hätten es folglich in der Hand, den Trend zu kehren. Das Bewusstsein ist geschärft. Jetzt müssten Taten folgen, damit nicht noch mehr Arten verloren gehen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Anita Rusterholz (Anita Rusterholz)
    Ursus Rast & Beppie Hermann: Lesen bildet. Reich an Kenntnissen und eindringlichen Erfahrungen ist in unserer Gesellschaft beinahe verloren gegangen. Was der Mensch zerstört, hat schwerwiegende Folgen für immer. Eine Schande, was wir nur des Reichtums wegen anrichten. Die Natur leidet so sehr. Und alle Tiere tun mir unendlich leid. Nachsicht wäre fehl am Platz. Was wir vermehrt brauchen sind Menschen, die zu diesem Leid einen gewichtigen Beitrag leisten wollen. Hoffnung stirbt zuletzt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Lesen bildet, fragt sich was! Betreff Natur+Artenvielfalt lernt man vorab über gute Fachbücher u.natürlich durch Beobachtung. Tagfalter od.Wildbienen zB, da kann man aus Netz+Fachliteratur viel entnehmen, Bestimmung der Art, welche Pollenlieferanten, Niststrukturen, Ablegepflanzen usf sie benötigen. Dieses Wissen könnte jeder auf eigenem Land, im eigenen Garten od.dem des Nachbars oder Freundes umsetzen. Diesen Beitrag leiste ich seit über 70J, wird aber zunehmend zur Sisyphusarbeit, leider.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von GA. Stucki (jäso)
      Habe mir heute den Gedanken erlaubt, dass auch die menschliche Biodiversität am Schwinden ist. Wieviele Völker wurden schon "ausgerottet" oder vermischt oder dermassen angepasst, dass es sie nicht mehr gibt? Nein, das ist jetzt kein Angriff auf irgendjemanden. Das ist nur ein Versuch aufzuzeigen, dass Biodiversität nicht nur die Natur "da draussen" betrifft, sondern auch uns selber?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursus Rast (Urs.)
    Ein bekannter Indianerhäüptling sagte : „Erst wenn der letzte Baum fällt, werden sie merken, dass man Geld nicht essen kann.“ ...Sitting Bull??
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Alanis Obomsawin, Angehörige der Abenaki, gehört zu den Pionierinnen des indigenen Films in Nordamerika. Tief in den Traditionen ihres Volkes verwurzelt, wuchs sie in der Odanak-Reservation auf, war vielseitig künstlerisch tätig, bevor sie 1971 ihren 1. Dokfilm produzierte. Von ihr stammt angeblich diese Weissagung: Only after the last tree has been cut down / Only after the last river has been poisoned / Only after the last fish has been caught / Then will you find that money cannot be eaten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wird eine artenreiche und bunt blühende Wiese gedüngt, entsteht innerhalb weniger Jahre eine saftig grüne Fettwiese, die zwar viel Heu liefert, in der aber nur noch wenige Pflanzenarten wachsen. Die Rechnung zahlen spätere Generationen. Biodiversität lässt sich, wenn überhaupt, nur mit grossem Aufwand wiederherstellen. Unfair ist es auch unseren Mitlebewesen gegenüber, die uns während zweier Mia. Jahre Evolution begleitet haben um alles in so kurzer Zeit zu vernichten. Wo bleibt die Politik?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen