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Wettrüsten im Online-Handel Immer schneller, immer grösser

Wer auf dem umkämpften Markt mithalten will, muss immer schneller liefern können. Migros, Coop und Brack sind gefordert.

Legende: Video Die Schweizer Onlinehändler investieren in Logistikzentren abspielen. Laufzeit 04:02 Minuten.
Aus 10vor10 vom 24.05.2018.

Immer mehr Menschen bestellen Waren online. Deshalb entstehen in der Schweiz immer grössere Logistikzentren, die noch mehr automatisiert sein müssen, damit das wachsende Sortiment noch schneller zum Konsumenten kommt.

Aktuellstes Beispiel ist ein neues Logistikcenter in Jegenstorf (BE) von Interdiscount und Microspot, die zur Coop-Gruppe gehören. Der Bau kostete 80 Millionen Franken. In der Anlage lagern 30'000 verschiedene Artikel. Täglich können hier 4000 Bestellungen verarbeitet werden. Und das ist erst der Anfang. Microspot wird zur zentralen Non-Food-Plattform von Coop ausgebaut.

Moderne Logistik sei für das Online-Geschäft entscheidend, sagt Coop-Chef Joos Sutter: «Hier ist die Geschwindigkeit enorm wichtig: Wie schnell und effizient bestellte Artikel eingepackt und transportiert werden können».

Aufholjagd nach «Siroop»-Flopp

Coop will mit dem Ausbau des Online-Sortiments und -Lagers den Rückstand zur Migros aufholen. Die Migros-Tochter Digitec/Galaxus wächst rasant und schrieb im vergangenen Jahr einen Umsatz von 860 Millionen Franken – doppelt soviel wie die Online-Shops von Coop zusammen.

Zuletzt war Coop im Online-Geschäft wenig erfolgreich. Die Händler-Plattform «Siroop», die der Konzern zusammen mit Swisscom 2016 lanciert hatte, wird Ende Jahr eingestellt. Wie gross der Verlust sei, will Coop-Chef Sutter nicht sagen, aber «wenn man vergleicht, was die Konkurrenz im Online-Bereich investiert, stehen wir gut da». Der Marktplatz «Siroop» gehe nun in Microspot auf.

Schnell und verlässlich

Wer schnell liefert, gewinnt, sagt Thomas Lang, E-Commerce-Berater von Carpathia. Und das werde sich noch verstärken: «Ebenso wichtig ist die Verlässlichkeit eines Händlers. Wer sagt, er liefere am nächsten Tag um 11 Uhr, der muss dann liefern!»

Der Schweizer Online-Handel kämpft vor allem gegen eine übermächtige Konkurrenz: Aliexpress aus China und der weltweit dominierende US-Konzern Amazon. Beide Unternehmen bieten ein riesiges Sortiment zum Teil günstiger an.

Mit der Konkurrenz zum Erfolg

Der grösste unabhängige Online-Händler der Schweiz ist Roland Brack. Er ist seit 24 Jahren im Geschäft. Sein Modell: Aus dem Logistikcenter in Willisau (LU) beliefert er nicht nur eigene Kunden, sondern auch die der Konkurrenz, also auch von Digitec und Microspot. Brack ist deren Distributionspartner.

In Bracks Lager flitzen 200 Roboter durch ein Labyrinth von Regalen und stellen blitzschnell Bestellungen zusammen. «Wir automatisieren laufend», sagt Brack über sein Erfolgsrezept, «um noch schneller liefern zu können.»

Trotz Automatisierung: Roland Brack brauche mehr Angestellte, weil man weiter wachse, zurzeit arbeiten bei ihm 150 Lagermitarbeiter. «Aber in der Schweiz ist Personal sehr teuer. Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir in modernere Anlagen investieren und optimieren», nur so könne sein Unternehmen überleben, erklärt Brack.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Diese hysterischen Erfolgskämpfe durch Digitalisierung – ist das Fluch oder Segen? Bald können wir leben, ohne uns mit realen, nervigen Menschen auseinander setzen zu müssen. So nimmt die soziale Dekadenz ihren Lauf…mit allen Risiken und Nebenwirkungen!
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  • Kommentar von Hermann Roth (Dr. Wissenschaftler)
    Ich wohne in einer Region, wo es für viele normal ist, nach Deutschland einkaufen zu gehen. Im Rest der Schweiz ist das (verständlicherweise) verpönt, da wir das einheimische Gewerbe und unterstützen und somit HIER Arbeitsplätze schaffen sollten. Aber wie viele von Ihnen gehen anstatt in der Migros und im Coop, die mit allen Mitteln versuchen, Personal abzubauen, in die Dorfmetzgerei, in die Dorfbäckerei und in das kleine Lebensmittellädelchen, das vielleicht nicht 30 Sorten Duftspray anbietet?
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Immer mehr Produkte, immer schneller überall hin - was das für die Arbeit der Betroffenen bedeutet, können wir uns alle ausmalen. Ich gehe zu Fuss einkaufen und zahle mit Bargeld.
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    1. Antwort von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
      @ Bauert: ich zahle für einen bestimmten Betrag schon seit Jahren mit Bargeld und bin bis jetzt sehr gut gefahren.
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