Zum Inhalt springen

Header

Audio
Verabschieden wir uns wegen Corona vom Bargeld?
Aus Espresso vom 05.05.2021.
abspielen. Laufzeit 05:55 Minuten.
Inhalt

Zahlungsmittel Versetzt Corona dem Bargeld den Todesstoss?

Kartenzahlungen und Handy-Apps laufen dem Bargeld den Rang ab. Naht eine Zukunft ohne Münzen und Banknoten?

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Banken und Grossverteilern zeigt einen klaren, wenn auch wenig überraschenden Trend: Bargeld hat während der Corona-Pandemie an Bedeutung verloren. Die Bezüge an Bankautomaten sind überall um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen. Und an der Ladenkasse wird heute nur noch die Hälfte aller Einkäufe in bar bezahlt.

Auch die Schweizerische Nationalbank SNB stellt auf Anfrage einen Rückgang der Bargeldnachfrage fest und führt das auf die reduzierte Wirtschaftsaktivität und den eingeschränkten Detailhandel infolge der Pandemie zurück.

Twint ist um 150 Prozent gewachsen

Doch der Niedergang des Bargelds begann schon vor Corona. Eine aktuelle Untersuchung, Link öffnet in einem neuen Fenster des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern zeigt, wie sich die Verschiebung weg vom Bargeld in den letzten fünf Jahren beschleunigt hat. 2005 kam Bargeld noch bei geschätzten 71 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz. 15 Jahre später liegt der Anteil nur noch bei 37 Prozent.

Konsumenten, welche die Einfachheit von bargeldlosen Zahlungsmitteln erfahren haben, werden nicht wieder zurück zum Bargeld wechseln.
Autor: Reto WernliSenior wissenschaftlicher Mitarbeiter, Hochschule Luzern

Ein wichtiger Einschnitt geschah 2014 mit der Einführung der kontaktlosen Kartenzahlung. Lagen Zahlungen mit Kredit- und Debitkarten damals noch hinter dem Bargeld zurück, machten sie 2020 zusammen geschätzte 58 Prozent aller Transaktionen aus.

Aber auch das sogenannte Mobile Payment gewinnt immer mehr an Bedeutung. Zwar lag sein Anteil 2020 erst bei 5 Prozent, doch es wächst schneller als andere Zahlungsarten. Davon konnte in der Corona-Zeit vor allem die Schweizer App Twint profitieren. Von Dezember 2019 bis 2020 hätten die Transaktionen um 150 Prozent zugenommen, so Twint zu SRF Digital. Besonders gross sei das Wachstum in Bereichen gewesen, wo zuvor Bargeld verwendet wurde.

Bargeld soll gleichwertiges Zahlungsmittel bleiben

Im Gegensatz zur Barzahlung fallen bei elektronischen Zahlvorgängen Daten an, die von den Betreibern der jeweiligen Plattform gesammelt und ausgewertet werden können. Bei der Stiftung für Konsumentenschutz setzt man sich deshalb dafür ein, dass Bargeld als gleichwertiges Zahlungsmittel erhalten bleibt.

Muss Bargeld immer akzeptiert werden?

Box aufklappenBox zuklappen

Das Bundesgesetz, Link öffnet in einem neuen Fenster über die Währung und die Zahlungsmittel regelt den Umgang mit Bargeld. Es hält fest, dass bis zu 100 schweizerische Umlaufmünzen an Zahlung genommen werden müssen und schweizerische Banknoten in unbeschränkter Zahl.

Trotzdem können Händler und Unternehmen davon abweichen und in ihren Geschäftsbedingungen Barzahlungen ausschliessen. Allerdings müssen die Kundinnen und Kunden noch vor dem Kauf darauf aufmerksam gemacht werden.

Ganz verschwinden wird das Bargeld aber nicht so schnell. Das zeigt das Beispiel Schweden, wo die meisten Einkäufe schon länger bargeldlos geschehen – ganz auf Bargeld verzichten will man aber auch dort nicht. Allein schon, damit die Händler ein Backup haben, sollte es bei den elektronischen Zahlsystemen zu einer Störung kommen.

Bargeld erstmals nicht mehr an erster Stelle

Schweizer Banken haben festgestellt, dass die Bargeldnachfrage nach Corona-Lockerungsschritten wieder zunahm. Auch die SNB sagt, in der Lockerungsphase zwischen Mai und Oktober habe sich die Nachfrage wieder erholt.

Andreas Dietrich vom Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern geht aber dennoch nicht davon aus, dass das Bargeld nach der Corona-Pandemie wieder an Bedeutung gewinnt. Sein Kollege Reto Wernli ist derselben Meinung: «Ich erwarte nicht, dass Konsumenten, welche die Einfachheit von bargeldlosen Zahlungsmitteln erfahren haben, bewusst wieder zurück zum Bargeld wechseln.»

Eine aktuelle Umfrage, Link öffnet in einem neuen Fenster des Online-Vergleichsdienstes Moneyland scheint diese Einschätzung zu bestätigen: 1500 befragte Personen bewerteten Bargeld darin zum ersten Mal nicht mehr als wichtigstes Zahlungsmittel. Gegenüber einer Umfrage vor der Corona-Krise werden kontaktlose und mobile Zahlungsmittel wie Twint dagegen heute deutlich häufiger genutzt.

Espresso, 05.05.21, 08:13 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

147 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Der Wechsel von Bargeld auf Karten kommt doch eigentlich nur den Banken entgegen. Die guten alten „ec/Bancomat“-Karten werden jetzt durch sogenannte „Debit“-Karten ersetzt. Und dem Handel werden statt einiger weniger Kosten im Bereich von < CHF 1 mit den Debit-Karten umsatzabhängige Kosten in Rechnung gestellt bzw. auf dem Bankkonto belastet! Für dieses „Null-und-Nichts“ der Banken verdienen diese zu Lasten des Handels inskünftig Millionen – vermutlich zu Gunsten der Bonus-Kassen.
    1. Antwort von Roger Bühler  (Roger515)
      dafür muss der Handel das Geld nicht mehr physisch zur Bank zurückführen
  • Kommentar von Beat Zaugg  (Anandaji)
    Die Grundlage der Diskussion in dieser Kommentarspalte ist ein Bericht auf der Basis einer NICHT repräsentativen Umfrage... Mich stimmt dies nachdenklich - zu viele Kriege wurden aufgrund nicht repräsentativer Aussagen angezettelt und gerechtfertigt! Auch stete Wiederholung macht eine Lüge nicht zur Wahrheit... Da die Lobby der Pandemie nach Verzicht von Bargeld schreit besteht in der Folge gezwungenermassen weniger Nachfrage - mit der Volksmeinung zu Bargeld hat dies nichts zu tun.
  • Kommentar von basil franguiadakis  (weissnix)
    fakt ist: bargeld überträgt keine corona viren...fakt ist auch bargeld ist out bei banken, staat und sonstigen..es lebe das online bargeldlose leben, voll kontrolliert, obwohl es online nicht sicher kontrolliert ist...betrüger, lügner,schmarotzer und hacker weltweit überall, hiphiphurra..es lebe die zukunft