Musikalisch ist Stephan Eicher noch nie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Er will mit seiner Musik nicht primär gefallen. Entscheidend ist allein, ob ein Stück seiner inneren Vorstellung gerecht wird. Nicht er selbst steht im Fokus, sondern das Werk. Das unterscheidet Eicher deutlich von vielen zeitgenössischen Pop‑Narrativen. In der Sendung «Swissmade live» gibt er nebst seiner Musik auch etwas vom Mensch Stephan Eicher preis.
1. Tschüss Tourbus
Stephan Eicher ist seit über 40 Jahren unterwegs – geografisch wie künstlerisch.
Stillstand scheint ihm fremd. Im Gespräch macht er klar: Seit seinem 36. Lebensjahr sind ihm die engen Tourbusse ein Graus. Sein Fortbewegungsmittel ist seither der Zug, nicht das Auto und schon gar nicht das Flugzeug, sagt er mit Vehemenz. «Ich bin ein grosser Eisenbahnfan.» Die Nase dicht am Fenster, den Blick nicht auf dem Handy, sondern auf der vorbeiziehenden Landschaft.
2. Tun, was man hasst
Im Theaterstück «Seul en scène» steht Stephan Eicher komplett alleine auf der Bühne – eine Situation, die ihm Unbehagen bereitet. «Sobald man zu zweit ist, finde ich es nicht mehr so schlimm», erklärt er im Interview mit SRF. Um sich aus seiner Komfortzone zu bewegen, habe er sich dennoch bewusst für dieses Projekt entschieden.
Alleine auf einer Theaterbühne zu stehen, sei das eine – auch das Auswendiglernen von Texten gehört zu den Dingen, die er nicht mag. Dennoch fasziniert ihn das Theater als Ort, an dem das Publikum ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Der Regisseur François Gremaud hat für Stephan Eicher ein Stück geschrieben, in dem er aus seinem Leben erzählt, übertreibt, flunkert – und bewusst die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion offen lässt.
3. Überraschendes Geständnis
Diese Aussage dürfte viele überraschen: Stephan Eicher, der mit französischsprachigen Chansons international bekannt wurde, hatte in der Schule grosse Mühe mit der Sprache. «In Französisch hatte ich eine zwei». Die Matura hat er nicht geschafft, trotzdem «ist nichts verloren», so Eicher. Dass vielerorts das Abschaffen von Frühfranzösisch zur Debatte steht, macht er bei seinem Auftritt auf charmante Art zum Thema.
4. Ironie des Schicksals
Ironischerweise führte die Liebe Stephan Eicher nach Paris. Er folgte seiner ersten grossen Liebe dorthin, bis ihm das Geld ausging. Er bat seinen besten Freund, auf sie aufzupassen, und verlor sie an ihn. Jahre später fand Stephan Eicher sein Glück dennoch in Frankreich: Seine Frau ist Französin.
5. Unterwegs im geklauten Auto
Autostopp macht Stephan Eicher nur noch, wenn es wirklich sein muss. Etwa nach einem Festival in Frankreich, als der Wagen seines Chauffeurs von der Polizei gestoppt wurde. Das Auto war geklaut. «Das ist nicht mein Problem», sagte der Fahrgast Eicher zur Polizei. Er setzte seine Reise per Autostopp fort und wurde mitgenommen. Zum Glück gibt es Fans.
6. Wer geht, hat eine interstellare Adresse
Auch über die Vergänglichkeit spricht der Musiker Stephan Eicher offen. Den Tod von Freunden und Familie beschreibt er poetisch als einen Wechsel zu einer «interstellaren Adresse».
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Bild 1 von 2. Stephan Eicher ist im Mani-Matter-Projekt in die Fussstapfen von Endo Anaoconda selig getreten. Auch mit dieser interstellaren Adresse verbindet den Musiker viel. Bildquelle: IMAGO / Gonzales Photo.
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Bild 2 von 2. Hanery Ammann und Polo Hofer sind für Stephan Eicher zwei interstellare Adressen. Ihnen hat Stephan Eicher in der Sendung «Swissmade live» den Song «Rosmarie und i» gewidmet. Ein Song, in dem sich Eicher wiedererkennt. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
Mit dem Älterwerden habe er gelernt, wie wichtig es sei, den letzten Lebensabschnitt von geliebten Menschen gut zu begleiten. Und sollte er einmal interstellar seine Adresse wechseln, würde er sich freuen, wenn Sophie Hunger seine Musik in die Welt hinausträgt.