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Covid-Zertifikat im Arbeitsleben
Aus Forum vom 16.09.2021.
abspielen. Laufzeit 56:18 Minuten.
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Arbeitgeber im Clinch Covid-Zertifikat im Arbeitsleben: Sinnvoll oder heikel?

Die Ausweitung der Zertifikatspflicht betrifft nicht nur die Freizeit. Eine grosse Änderung erfährt auch die Arbeitswelt.

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Gibt es bald abgetrennte Personalrestaurants? Büros für Mitarbeiter mit und ohne Zertifikat? Maskenpflicht nur noch für Ungeimpfte im Betrieb?

All diese Fragen stehen seit Montag im Raum. Seit der Bundesrat beschlossen hat, dass Arbeitgeber ihre Angestellten fragen dürfen, ob sie ein Covid-Zertifikat besitzen. Man könne geteilter Meinung sein, ob das gut sei oder nicht, sagt Roger Rudolph Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich.

Legende: Eine Firma darf ihre Angestellten fragen, ob sie ein Covid-Zertifikat haben. Keystone

«Aus rechtlicher Sicht bin ich froh über den Entscheid.» Vorher sei es unklar gewesen, in welchen Situationen das Zertifikat am Arbeitsplatz zum Einsatz hätte kommen können. Sicher ist: Für die Arbeitgeber ist das Zertifikat eine Herausforderung.

Beispiel 1: Personalrestaurant

Darf ein Arbeitgeber zwei Räume im Personalrestaurant einrichten? Einen Raum für Angestellte mit Zertifikat und einen Raum für Angestellte ohne Zertifikat. «Ja, eine solche Separierung ist grundsätzlich möglich», sagt Roger Rudolph.

Das heisse aber nicht, dass man Menschen «beliebig an den Pranger stellen» könne. Der Arbeitgeber dürfe die Angestellten ohne Zertifikat beispielsweise nicht in die «hinterste dunkelste Ecke verbannen».  

Beispiel 2: Grossraumbüro

Am Sitzungstisch befinden sich 15 Personen. Zwölf davon haben ein Zertifikat und dürfen ohne Maske teilnehmen. Die drei anderen Angestellten ohne Zertifikat müssen eine Maske tragen. Eine Ungleichbehandlung?

«Ja, das kann man nicht wegdiskutieren», sagt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich. «Aber, diese Ungleichbehandlung ist nicht gleichzusetzen mit einer Diskriminierung, die dann rechtlich unzulässig wäre».  

Legende: Eine Firma muss schriftlich festhalten, welche Massnahmen sie einführt.    Keystone

Mitarbeiter müssen angehört werden 

Die Firma darf also ihre Angestellten fragen, ob sie ein Covid-Zertifikat haben. Bedingung: Der Betrieb darf dies nur, wenn er daraus angemessen Schutzmassnahmen ableitet. Zum Beispiel eine Maskenpflicht für Ungeimpfte einführt.

Der Bund schreibt vor, dass die Betriebe die Angestellten anhören müssen. Ausserdem muss die Firma schriftlich festhalten, welche Massnahmen sie einführt.   

«Maskenmüde Angestellte»

Der Schweizerische Arbeitgeberverband begrüsst den Schritt. Die Ausweitung des Zertifikats sei «unausweichlich». Roland Müller, Direktor des Arbeitgeberverbands sagt, er habe Rückmeldungen von Firmen, wo Mitarbeiter mit Zertifikat «darauf bestehen, ohne Maske arbeiten zu können». Mit dem Zertifikat am Arbeitsplatz hätten die Firmen Rechtssicherheit.

Kritik seitens der Gewerkschaft

Skeptisch ist hingegen der Dachverband der Arbeitnehmenden, Travail.Suisse. Deren Präsident Adrian Wüthrich sagt, man bekämpfe entschieden jede Form der Diskriminierung am Arbeitsplatz. «Es soll nicht der Willkür der Arbeitsgebenden überlassen werden, ob ein Zertifikat eingeführt und wie es angewendet wird.» Anders als das Zertifikat im Freizeitbereich, sei arbeiten ja nicht «freiwillig».

Gäste in der Sendung «Forum» auf Radio SRF 1

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  • Pro: Roland Müller, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband.
  • Contra: Adrian Wüthrich, Präsident Travail.Suisse, dem Dachverband der Arbeitnehmenden.

Radio SRF 1, Sendung «Forum», 16.9.2021, 20 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Anja Kunz  (AnjaK)
    Ich bin geimpft und habe ein Zertifikat. Aber mit dem persönlichen Nachweisen meiner erfolgter Impfung für alle möglichen Aktivitäten habe ich so meine Mühe. Ich will mich nicht ausweisen müssen für ins Kino oder ins Theater...
    Und zum arbeiten im Büro geht das meiner Meinung nach einfach zu weit.
    Sind alle so geil darauf sich ausweisen zu können/dürfen?
    Das Virus geht nicht weg. Was ist in 2 Jahren?
    Mir fehlt eine längerfristige Planung, auch wenn diese vielleicht ungenau ist.
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    1. Antwort von Simon Hof  (SimonBS)
      Vielen Dank. Ich zähle als genesen, aber ich weigere mich dieses Zertifikat einzusetzen den ich bin kein Mensch erster Klasse, nur weil ich genesen bin. Ich bin ein Mensch wie jeder ungeimpfte auch. Wird heut zu Tage leider sehr oft vergessen und meistens fühlen sich die geimpften privilegiert. Schade um die Menschheit.
    2. Antwort von Jürg Billeter  (J. Billeter)
      Längerfristig würde ich erwarten, dass genügend Menschen eine Immunität haben (geimpft oder genesen), so dass die Intensivstationen auch ohne gesetzliche Massnahmen nicht mehr überlastet werden. Fortschritte in Behandlungsmöglichkeiten werden auch helfen.
  • Kommentar von Claudius Platzer  (Kuhschnitzer)
    Schade, dass jetzt mit der Zertifikatspflicht am Arbeitsplatz die Situation rund um C noch mehr angeheizt wird. Wir haben jetzt schon wegen geimpft und ungeimpft massive Konflikte und Auseinandersetzungen im Privatbereich, in der Freizeit, in den Vereinen. Muss die Eskalation zwischen den Bürgerinnen und Bürgern nun noch mehr vorangetrieben werden? Ich erinnere dabei an die neun Stufen der Konflikteskalation von Glasl. Meiner Meinung nach sind wir bald bei der Ebene 3 angelangt.
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  • Kommentar von Carlos Ferreira  (Carlos Ferreira)
    Das Zertifikat macht nirgendwo Sinn, denn Impfstoff ist nicht gleichbedeutend mit Immunität. Bisher ist keine Impfung, nicht einmal eine Covid-Impfung, vorgeschrieben. Kein Impfstoff ist zu 100 % wirksam, warum also verlangen wir nicht, dass jeder eine Impfbescheinigung gegen Tuberkulose, Röteln oder Tetanus vorlegt, zum Beispiel?
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