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Redeverbot für die Wissenschaft?
Aus Forum vom 04.03.2021.
abspielen. Laufzeit 53:34 Minuten.
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Diskussion im Forum Politik versus Wissenschaft: Wer soll den Takt vorgeben?

Die Öffentlichkeit soll über die Corona-Massnahmen ausschliesslich durch den Bundesrat und das Parlament informiert werden. Dies hat die nationalrätliche Wirtschaftskommission beschlossen.

Der Vorwurf: Die Szenarien der Taskforce des Bundes seien zu pessimistisch gewesen und nicht eingetroffen.

Dieser Beschluss wirft hohe Wellen. Und stellt eine ganz grundsätzliche Frage nach einem Jahr Pandemie: Wer gibt eigentlich den Takt vor – Die Politik oder die Wissenschaft?

Maulkorb für die Wissenschaft

Die Reaktionen liessen nicht auf sich warten. Von einem Maulkorb für die Wissenschaft ist in den Medien und bei manchen Politikern die Rede. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen. Der Beschluss wird in der laufenden Session weiter zu reden geben.

Für den Gesundheisdirektor des Kanton Aargau, Jean-Pierre Gallati, ist klar: «Den Takt gibt das Virus vor. Der Bundesrat entscheidet. Die Wissenschaft hat ganz grundsätzlich eine dienende Funktion.»

Anders sieht dies Marcel Salathé, Epidemiologe und ehemaliges Mitglied der Taskforce. Er sagt: «Wissenschaft ist der ständige Versuch die Realität so gut wie möglich zu beschreiben. Das Problem beginnt bei der schwierigen Frage welche Entscheide wir alle mit diesem Wissen treffen.»

Spannungsfeld Wissenschaft und Politik

Es ist nicht das erste Mal, dass es zu Reibungen zwischen der Wissenschaft und der Politik kommt. Bestes Beispiel ist die Klimadebatte. Auch hier geraten sich Politik und Wissenschaft öfters in die Haare.

In der Theorie ist die Aufgabenteilung klar. Die Wissenschaft untersucht und liefert Expertise. Die Politik greift auf die wissenschaftliche Expertise zurück, um Lösungen zu finden.

In der Praxis gleicht das Zusammenspiel aber oft einer Gratwanderung. Soll die Wissenschaft ausschliesslich Fakten liefern und sich dann zurückziehen? Oder muss sie die Erkenntnisse auch einordnen und interpretieren mit dem Risiko, dass diese nicht mehr wertfrei wahrgenommen werden?

Diese Fragen wurden am Donnerstagabend in der Sendung «Forum» bei Radio SRF 1 diskutiert.

Gäste in der Sendung

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  • Jean-Pierre Gallati: Gesundheitsdirektor Kanton Aargau (SVP)
  • Marcel Salathé: Epidemiologe ETH Lausanne und ehemaliges Mitglied Taskforce
  • Thomas Häusler: Wissenschaftsredaktor SRF und Biochemiker

"Forum" Radio SRF 1, Donnerstag 4. März 20 Uhr

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71 Kommentare

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  • Kommentar von Alexander Stebler  (Nagev)
    Unser Zeitalter wird wohl als Zeitalter der Fachidiotie in die Geschichte eingehen. Eine Situation wie diese Pandemie muss von allen Wissenschaftsrichtungen mit einem langfristigen Horizont beurteilt werden, und nicht nur von Virologen, die nur Viren sehen und den Menschen vergessen dabei. Sonst drohen die langfristigen Folgen der Massnahmen jene des Virus bei weitem zu übertreffen. Letztlich zählt nur der Gewinn oder der Verlust von Lebensqualitätsjahren.
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  • Kommentar von Heinz Schuhmacher  (kiwi2)
    Wer mit Infektiologen, Epidemiologen als Mitarbeiter zusammenarbeiten konnte weiss genau, wie exakt Daten, Evidenz beurteilt werden. Dass es im Rahmen der Pandemie nicht auf alles eine Antwort geben konnte, liegt in der "jungen Natur der Sache". Für unsere Nation ist es zwingend, wenn sich die bürgerlichen Vertreter, insbesondere SVP, auf ein gemeinsames Teamwork mit dem BR, derTaskforce konzentrieren. Das sind Führungsqualitäten von Politikern. Maulkörbe für die Wissenschaft sind keine Lösung.
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  • Kommentar von Niklaus Hübscher  (Niklaus Hübscher)
    Ich schlage vor, den Spiess umzudrehen und den Politikern einen Maulkorb zu verpassen.
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