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Maulkorb für die Wissenschaft?
Aus Rendez-vous vom 01.03.2021.
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Kritik an Corona-Taskforce Die Wissenschaft braucht das richtige Gehör – und keinen Maulkorb

Die Öffentlichkeit soll ausschliesslich durch den Bundesrat und das Parlament über die Corona-Massnahmen informiert werden. So will es die Wirtschaftskommission des Nationalrats. Der Beschluss wirft hohe Wellen.

Manche Politiker und Medien kritisieren, das sei ein Maulkorb für die wissenschaftliche Taskforce des Bundes. Doch welche Funktion erfüllt die Wissenschaft bei der Bewältigung der Pandemie, und welche Stimme hat sie?

Taskforce-Vertreter halten sich zurück

Während dieser Pandemie hat der Bundesrat stets selbst über seine Massnahmen informiert. Oft findet zwar ein Tag vor einer solchen Information eine Medienkonferenz des Bundes statt, an der Experten zu verschiedenen Corona-Aspekten Auskunft geben – an diesen Terminen ist aber seit Monaten kein Vertreter der Taskforce mehr dabei.

Man kann das so interpretieren, dass die Wissenschaftler vor einem kommenden Corona-Entscheid des Bundesrats keinen Druck erzeugen sollen – ob gewollt oder ungewollt. Der Vorsitzende der Taskforce hat auch schon lange keine Entscheide des Bundesrats mehr direkt kommentiert. Das letzte Mal geschah dies am 23. Oktober und auch nur, weil Journalisten hartnäckig nachfragten – zu diesem Zeitpunkt stiegen die Fallzahlen gerade steil an.

Das Präventionsparadox

Oft wird der Taskforce vorgeworfen, ihre Szenarien seien zu pessimistisch gewesen, sie seien nicht eingetroffen. Zum Beispiel als sie in der zweiten Welle vor überlasteten Spitälern gewarnt hatte oder jetzt, wo es um die Frage geht, wie schnell sich die neuen Virenvarianten verbreiten werden.

Wissenschaftliche Prognosen liegen tatsächlich manchmal daneben. Aber oft schlägt auch das Präventionsparadox zu: Das heisst, wer nach einer Warnung handelt, kann das Unheil noch abwenden. Wenn man den Wasserhahn noch rechtzeitig zudreht, muss die Badewanne nicht überlaufen. Es ist etwas paradox, wenn man danach dem Warner seinen Warnruf vorwirft.

So war es höchstwahrscheinlich in der zweiten Welle – die Spitäler schrammten an der vollen Überlastung vorbei, weil der Bundesrat schliesslich Massnahmen erliess. Trotzdem kamen danach viele Wochen, in denen die Schweiz eine deutliche Übersterblichkeit registrierte.

Kein privilegierter Zugang zum Bundesrat

Wissenschaftliche Szenarien können komplex sein. Man muss sie erklären. Diese Verantwortung liegt bei den Wissenschaftlern, aber auch bei uns Journalisten. Wenn Forscher Szenarien als solche taxieren und über die Ungenauigkeiten informieren, müssen die Journalisten dies auch tun – und es richtig einordnen, wenn die Realität später von diesen Szenarien abweicht.

Zu arge Vereinfachungen helfen auch nicht, wenn man die Rolle der Wissenschaft in der Pandemie erklärt. Kaum ein Wissenschaftler erwartet, dass der Bundesrat 1:1 umsetzt, was er ihm sagt. Die Taskforce hat keinen privilegierten Zugang zur Regierung, sie wird vom Bundesrat vor Entscheidungen befragt, wie auch die Kantone und Wirtschaftsverbände befragt werden.

Die Wissenschaft ist eine Kraft, die bei der Bewältigung dieser Pandemie hilft, eine wichtige Kraft.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

Rendez-vous vom 01.03.2021, 12:30 Uhr

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147 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Nur ein Beispiel, die Grippe, wie oh Wunder scheint sie verschwunden. Das ist aber nicht möglich auch dass etwa die Masken die Grippe verhindern. In Schweden und Norwegen wurden ja fast keine Masken getragen und auch da gibt es keine Grippe mehr. Das lässt das Vertrauen in eine gute Wissenschaft nicht gerade steigen. Ich habe da mehr als einen Zweifel.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Politiker haben eigentlich nicht ganz unrecht, dass die TF vor allem die Entscheidträger mit Wissen über COVID19 versorgen soll. Ob die Information der Öffentlichkeit nur durch die Behörden zu erfolgen hat, na ja, darüber kann man streiten. Allerdings wollen wir ja in anderen Fällen auch nicht, dass irgendwelche wissenschaftliche Kommissionen ausserhalb der Verwaltung ihren Senf zu den Fachfragen geben. Eigentlich gilt eben das Primat der Politik und nicht der Experten!
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Man möchte immer noch auf ,Zustimmen' klicken, kommt aus Versehen auf ,Antworten' und gerät so unter Zugzwang, etwas beizutragen, ohne falsch verstanden zu werden.

      Die Leute sollen doch als Privatpersonen ihre Meinung sagen. Da könnten sich vielleicht die Medien einmal etwas zurückhalten und nicht mit Posaunen die neuste Warnung der Taskforce ausrufen.
  • Kommentar von Peter Kunz  (calanda)
    Nicht die Mitglieder der Taskforce sollte man zum Schweigen bringen, sondern gewisse Politiker welche sich zu profilieren versuchen.