Während die rote Knolle gerne verzehrt wird, finden die Blätter der Radieschen häufig ihren Weg in den Abfall. Eine Verschwendung, wie Food-Expertin Esther Kern betont.
Man kann die Blätter beispielsweise einem Salat beigeben.
Die international ausgezeichnete Autorin von Büchern über spezielle Gemüse weiss: Die Blätter sind ein aromatisches Kraftpaket und viel zu schade, um sie wegzuwerfen.
Vielseitige Verwendung in der Küche
Die einfachste Art, Radieschenblätter zu verwerten, ist, sie fein zu hacken und wie Kräuter zu verwenden. «Man kann sie beispielsweise einem Salat beigeben», erklärt Kern.
Ein reiner Radieschensalat aus Knolle und gehackten Blättern sei nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch ansprechend mit seinen Farben rot, weiss und grün. Eine weitere Empfehlung ist die Zubereitung eines Kräuterfrischkäses mit Zitrone, Salz, Pfeffer und optional etwas Olivenöl.
Scharf wie Rucola
Geschmacklich lassen sich Radieschenblätter am ehesten mit Rucola vergleichen. «Sie sind auch recht scharf», so Kern. Die Schärfe der Blätter ist flüchtig und geht beim Kochen verloren, anders als die von Pfeffer.
Heute definiert man Gemüse einfach anders, als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.
Wer die Schärfe erhalten möchte, sollte die Blätter roh verwenden oder sie als Öl zu gekochten Speisen geben. «Bei Suppen etwa gebe ich gerne etwas Radieschenblattöl dazu. Das verleiht dem Gericht eine schöne Frische», verrät die Gemüse-Expertin.
Wissen, was man isst
Esther Kern experimentiert viel mit ungewöhnlichen Gemüsesorten, doch sie geht dabei immer mit Bedacht vor. «Ich hatte auch schon Angst, etwas zu essen», sagt sie. Bevor Esther Kern etwas isst, das sie noch nicht kennt, informiert sie sich. Sie konsultiert historische Bücher und kann auf ein grosses, weltweites Expertinnen- und Experten-Netzwerk zugreifen.
Bei Radieschenblättern sei die Sache einfach. «Die Radieschen gehören zur Kohlfamilie – in dieser ist alles essbar.» Die botanische Verwandtschaft sei ein wichtiger Indikator für die Essbarkeit.
Gesetzliche Anerkennung als Lebensmittel
Die Wahrnehmung von Radieschenblättern hat sich in den letzten zehn Jahren stark gewandelt. Immer mehr Menschen integrieren sie in ihre Ernährung, beispielsweise in Smoothies.
Diese Entwicklung hat auch gesetzliche Konsequenzen: Seit dem 1. Januar 2025 gelten Radieschenblätter in der EU offiziell als Lebensmittel. Dies bedeutet, dass nun auch Vorschriften für den Höchstgehalt von Pestiziden gelten.
«Ich habe mich natürlich sehr über die Entwicklung gefreut, dass sich jetzt sogar im Gesetz etwas ändert. Heute definiert man Gemüse einfach anders als noch vor zehn oder zwanzig Jahren», so Kern.
«Die Schweiz wird diese Vorschriften per Juli 2026 übernehmen», sagt Esther Kern. Damit werden Radieschenblätter auch hierzulande offiziell als Lebensmittel anerkannt. Ein kleiner, aber bedeutender Schritt für die Wertschätzung eines oft übersehenen Gemüseteils.