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Legende: Wabe mit Alpenrosenhonig und Bienen im Gegenlicht. ZVG
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Alpaufzug mit Bienen Alpenrosenhonig – eine rare Delikatesse

Der passionierte Imker Martin Dettli bringt seine Bienenvölker seit vielen Jahren auf die Alp. Nicht nur, weil der Honig von der Alpenrose besonders gut schmeckt.

Catrin Hofstetter

Catrin Hofstetter

Food-Redaktorin

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Die Biologin hat an der Slow-Food-Universität in Italien Ernährungswissenschaften studiert und sich als Journalistin in der SRF-Sendung «Einstein» mit Vorliebe kulinarischen Themen gewidmet. Seit 2020 ist sie als Food-Redaktorin bei SRF 1 tätig.

Die Honigschleuder rattert, langsam sammelt sich der erste Honig in der Trommel. Er ist sehr hell und klar, das Aroma blumig-süss, mit einem herben Abgang: sortenreiner Honig von der Alpenrose. Alpenrosenhonig ist eher selten in der Schweiz. Wer ihn sortenrein will, muss Aufwand treiben.

So bringt Wanderimker Martin Dettli aus dem solothurnischen Dornach seine Bienenvölker seit 40 Jahren auf die Alp, um sie dort den Nektar der Alpenrose ernten zu lassen. Mit unsicherem Ertrag. Der Nektargehalt der Alpenrose ist stark witterungsabhängig.

Imkern ist Leidenschaft

«Niemand imkert, um damit reich zu werden», sagt Martin Dettli und lacht. Mit dem Alpenrosen-Honig bringt er seine grosse Leidenschaft für die Imkerei und jene für die Alp und Berglandschaften unter einen Hut – oder besser ins Honigglas.

Alpenrosen-Honig sei ein Spiegel der Landschaft, in der er gewonnen wurde, ist Martin Dettli überzeugt: «Das intensive Licht auf der Alp bringt nicht nur die Alpenrosen zum Leuchten. Dass in diesem intensiven Licht ein derart heller Honig entsteht, hat auch seine Logik.»

Zweiter Frühling für die Bienen

Der Alpaufzug mit Bienen findet mitten in der Nacht statt. Die Bienen müssen alle im Stock sein, damit der Imker sie in seinen Wagen packen kann. Martin Dettli hat zwei Stellplätze am Oberalppass. Die neue Umgebung ist für die Bienen kein Problem. Es dauert keinen Tag, bis sie sich wieder orientieren können und mit Nektarsammeln beginnen.

Das intensive Licht auf der Alp bringt nicht nur die Alpenrosen zum Leuchten. Dass in diesem intensiven Licht ein derart heller Honig entsteht, hat auch seine Logik.
Autor: Martin Dettli Imker

Und doch ist die Belastung für die Bienen gross, weiss Dettli aus Erfahrung. «Auf die Alp zu kommen, bedeutet für die Bienen quasi die Wiederholung des Frühlings. Das heisst, sie intensivieren jetzt ein zweites Mal das Brutgeschehen. Das gibt oftmals Probleme mit der Varroamilbe.»

Honig von der Heide

In einem normalen Jahr bleiben Dettlis Bienenvölker knapp drei Monate auf der Alp. Die Alpenrose blüht von Mitte Juni bis Mitte Juli. Anfangs August folgt dann das Heidekraut Calluna, aus dem sich ebenfalls sortenreiner Honig ernten lässt.

Die Heide sei aber eine sehr launische Tracht, wie es Martin Dettli ausdrückt. Mit Tracht meint der Imker das Nektarangebot einer Pflanze: «Beim Heidekraut muss einfach alles stimmen: feuchter Boden, feuchte Luft und warmes Wetter. Für gewöhnlich gibt es nur alle drei Jahre Heidehonig.» Aber der Versuch lohnt sich allemal: die Liebhaber dieses aussergewöhnlichen, herben Honigs freuen sich über jedes Glas.

Ein schwieriges Jahr

2021 war für Imkerinnen und Imker ein schwieriges Jahr. Frühlings- wie Sommerhonig ist fast überall buchstäblich ins Wasser gefallen. Und auch auf der Alp waren die Bedingungen nicht optimal. Martin Dettli konnte pro Bienenvolk nur gerade zehn Kilogramm Alpenrosenhonig gewinnen. In einem guten Jahr sind es 30 Kilo und mehr.

Neues Buch «Honig der Alpen»

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Gemeinsam mit dem steirischen Wanderimker Johannes Gruber und dem Fotografen Sylvan Müller widmet sich Food-Historiker Dominik Flammer in einem neuen Buch zum kulinarischen Erbe der Alpen dem Honig. Honig ist für Flammer Spiegelbild unserer Landschaft und unserer Vegetation: «Wir werden alle früh sozialisiert mit dem Honiggeschmack unserer eigenen Region. Honig ist ein einzigartiges Produkt, das eine zentrale Rolle spielt in der Geschichte unserer Ernährung.»


So vielfältig die Pflanzen des Alpenraums, so vielfältig ist auch der Honig, den Bienen und Imker hier gewinnen: den Heidekrauthonig Graubündens, Wildlavendelhonig der Westalpen oder Löwenzahnhonig des Chiemgaus – rund 50 sortenreine Honige beschreiben die Autoren und halten ihre Charaktere auch fotografisch fest. Das Buch «Honig des Alpenraums» erzählt auch von der Geschichte der Honiggewinnung und porträtiert Imker, die sich mit viel Leidenschaft dem Honig widmen. Es erscheint Anfang Oktober im AT Verlag.

Aber das gehört für ihn mit dazu, zu der Arbeit mit der Natur. Für Martin Dettli ist die Imkerei ein Teilerwerb. In guten Jahren kann er durchaus ein bisschen Geld verdienen damit, während in Jahren wie diesem kaum die Kosten gedeckt werden. Aber wie gesagt, reich werden will niemand mit Imkern.

Radio SRF 1 sendet live von der Alp

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Radio SRF 1-Moderator Ralph Wicki.
Legende: Radio SRF 1-Moderator Ralph Wicki. SRF

Moderator Ralph Wicki verlässt das Radiostudio und widmet sich dem Älperleben fernab der Stadt. Er lebt und arbeitet während zwei Wochen auf einer Alp im Berner Simmental. Unter dem Motto «Ralph z’Alp» berichtet Radio SRF 1 täglich live vom 23. August bis 3. September 2021.

Radio SRF 1, Sendung «A point», 30.8.2021, 11.40 Uhr

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