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Schweizerdeutsche Dialekte «Das ist doch falsch!»: So geht SRF mit Kritik an Dialekten um

Regelmässig wird die SRF-Moderation für ihre Mundart kritisiert. Dialekte sollen gepflegt, aber nicht konserviert werden, lautet die Devise des Hauses.

Regelmässig beschweren sich Zuschauer und Hörerinnen bei SRF: Schon wieder habe eine Berner Moderatorin oder ein Berner Moderator das Zahlwort «zwei» falsch verwendet. Im Berndeutschen heisse es «zwe Manne, zwo Froue, zwöi Ching»! Alles andere sei eine Verhunzung dieser schönen Mundart.

Dabei zeigen aktuelle Befragungen, dass mittlerweile eine Mehrheit der Berndeutschsprachigen nur noch «zwöi» anstelle von «zwe» und «zwo» verwendet. Zu dieser Mehrheit gehören auch SRF-Moderatoren wie Sven Epiney oder Mario Torriani. Dennoch wird ihnen regelmässig vorgeworfen, sie würden «falsches» Berndeutsch sprechen.

Sprachpflegerinnen und Sprachpfleger bedauern den Verlust solcher Merkmale, die ihren Dialekt von anderen unterscheiden. Von SRF erwarten sie Schützenhilfe beim Bewahren alter Mundartwörter.

Region Bern ist besonders sprachsensibel

Mit Argusaugen (respektive -ohren) beobachtet wird insbesondere das Regionaljournal Bern Freiburg Wallis. Diese Redaktion erhält mehr kritische Rückmeldungen zum Dialekt als alle anderen Regionaljournale zusammen. Offenbar sind Berndeutschsprachige besonders sprachsensibel.

Das trifft auch auf die Berner Regionalredaktorinnen und -redaktoren zu. Viele von ihnen unterscheiden ganz selbstverständlich «zwe», «zwo» und «zwöi». Andere haben es sich nach dem Einstieg in den Regionaljournalismus antrainiert. Aber es gibt auch einzelne, jüngere Redaktorinnen und Redaktoren, für die «zwöi Manne» ganz normales Berndeutsch ist.

Wir wollen die Dialekte pflegen, aber nicht konservieren.
Autor: Christian Liechti Leiter Regionalredaktion Bern Freiburg Wallis

Für Redaktionsleiter Christian Liechti haben grundsätzlich beide Formen Platz. Die Redaktion lege zwar grossen Wert auf ein gutes Berndeutsch. Aber sie könne sich auch nicht komplett den Entwicklungen der Mundart widersetzen und bei jungen Redaktionsmitgliedern auf einer alten Sprechweise beharren. Auf kritische Mails antwortet Liechti jeweils: «Wir wollen die Dialekte pflegen, aber nicht konservieren.»

Einfluss des Hochdeutschen minimieren

Nicht nur die Redaktion des Regionaljournals Bern Freiburg Wallis befasst sich regelmässig mit Fragen zur Mundart, sondern alle, die auf dem Sender Schweizerdeutsch sprechen. In der Redaktion von «Schweiz Aktuell» sind etwa Teutonismen, also Übernahmen aus dem Hochdeutschen, immer wieder ein Thema: Wörter wie «Herusforderig», «damals» oder «Träppe» versucht man zu vermeiden.

Auch im Satzbau werden Teutonismen möglichst umschifft: Da das Futur im traditionellen Schweizerdeutschen fehlt, wird über Zukünftiges idealerweise im Präsens berichtet: «morn bsuecht de Bundesrat Öschtriich» statt «morn wird de Bundesrat Öschtriich bsueche».

Oberstes Gebot: Verständlichkeit

Daniela Wassmann, die bei SRF als Sprechtrainerin arbeitet, fallen bei jungen Redaktorinnen und Moderatoren neben den Teutonismen auch neuere Mehrzahl-Formen auf, die sich von den Einzahl-Formen unterscheiden. Sie empfiehlt den Medienschaffenden, anstelle von «Wuchene», «Rösser» oder «Haare» von «Wuche», «Ross» und «Haar» zu sprechen.

Denn tatsächlich hat die Sprache, die ein grosses Medienhaus verwendet, eine gewisse Wirkung und SRF damit eine Vorbildfunktion. Diese Verantwortung will SRF mit einer gepflegten Mundart wahrnehmen. Oberstes Gebot ist gemäss den Publizistischen Leitlinien von SRF allerdings nicht die Bewahrung alter Sprachformen, sondern dass das Gesagte auf Anhieb verstanden wird.

Radio SRF 1, Dini Mundart – Schnabelweid, 29.01.2026, 20:03 Uhr

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