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Hände auf einer Laptop-Tastatur
Legende: 50 Jahre E-Mails In den letzten Jahrzehnten hat E-Mail als Technologie die Welt erobert. Es kam in dieser Zeit zu spektakulären, teils witzigen Pannen, aber auch zu immer neuen, dreisten Betrugsversuchen. Colourbox
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Alltag mit E-Mails 50 Jahre E-Mail: Historische Pannen und peinliche Fehlklicks

Vor 50 Jahren, irgendwann gegen Ende 1971, hat der US-Informatiker Ray Tomlinson die erste E-Mail im heutigen Sinn verschickt: Eine elektronische Botschaft, die von einem seiner Computer an einen anderen gelangte.

Die Erfolgsgeschichte der E-Mail

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Hände bewegen sich auf einer Laptop-Tastatur.
Legende: Colourbox
  • Elektronische Kommunikation gab es schon vorher, aber die erste Mail im heute bekannten Sinn wurde 1971 verschickt. Dahinter stand der US-Informatiker Ray Tomlinson, der mit seiner Erfindung auch das «@» einführte: Er wählte das Zeichen als Trennung zwischen Benutzer- und Computername.
  • Die erste Mail ging von einem Computer Tomlinsons an einen anderen, in einem anderen Raum (über den Internet-Vorläufer Arpanet).
  • Als in den 80ern das Internet entstand, wurde das E-Mail massentauglich. Ab den 90ern begann die Technologie auch in der Schweiz ihren Siegeszug.
  • Nach Schätzung des US-Marktforschungsinstituts «Radicati Group» wurden letztes Jahr weltweit pro Tag rund 306 Milliarden Mails verschickt – das waren über 3.5 Millionen Mails pro Sekunde. Das Unternehmen geht davon aus, dass 2020 über 4 Milliarden Menschen, mehr als die Hälfte der Menschheit, E-Mail nutzten.
  • In der Schweiz nutzen 98 Prozent der Menschen E-Mail, 86 Prozent davon täglich. E-Mail ist damit die am meisten genutzte Anwendung. (Quelle: World Internet Project Switzerland, BAKOM, 2019)

In den kommenden Jahrzehnten hat die E-Mail-Technologie dann einen regelrechten Siegeszug angetreten. Laut Schätzungen wurden im Jahr 2020 weltweit täglich rund 306 Milliarden Mails verschickt.

Spektakuläre Zwischenfälle in 50 Jahren E-Mail

Die Geschichte der E-Mail ist aber nicht nur die Geschichte einer Technologie, die weltweit in den Alltag der Menschen Einzug hielt. Es ist auch eine von 50 Jahren Pannen sowie neuen Betrugsmöglichkeiten, wie ein Blick zurück zeigt.

  • Hände auf einer Laptop-Tastatur
    Legende: Colourbox

    Wenn die gesamte Belegschaft per Mausklick den Job verliert

    Aviva Investors, Teil des britischen Versicherers Aviva, erlebte 2012 eine Riesenpanne: Die Personalabteilung hat allen 1'300 Angestellten weltweit per Mail gekündigt. Das Ganze war ein Versehen, wie sie eine knappe halbe Stunde später bemerkte: Wegen eines Schreibfehlers ging das Kündigungsmail nicht an eine Person, sondern an alle Angestellten.

  • Hauptsitz von Eli Lilly
    Legende: Keystone

    Wenn eine E-Mail-Panne kriminelle Machenschaften aufdeckt

    Der Konzern Eli Lilly & Co. wollte illegale Marketing-Aktivitäten mit einer Milliardenzahlung an die USA geheim halten. Dumm nur, dass eine Anwältin der Firma die Unterlagen zum Fall an die «New York Times» verschickte. In den Mail-Kontakten der Anwältin waren zwei Berensons – ein Kollege und ein Reporter. Beim Versenden hatte sie sich verklickt.

  • Hauptsitz des US-Notenbank FED
    Legende: Keystone

    Als eine Notenbank in Nöte geriet

    Auch staatliche Akteure sind gegen Mail-Pannen nicht gefeit. 2013 hat ein Angestellter der US-Notenbank Federal Reserve für den Markt wichtige Informationen zu früh verschickt – an über 150 Empfänger, darunter Banken wie Citigroup oder JP Morgan Chase. Die Fed musste sich danach kritische Fragen zu ihrem Umgang mit sensiblen Informationen stellen.

  • Hilary Clinton bei einer TV-Debatte 2016
    Legende: Keystone

    Wenn Karrieren zerstört werden

    Als US-Aussenministerin hatte Hillary Clinton eine privaten Mail-Server, den sie ohne Erlaubnis dienstlich nutzte. Bei einer Untersuchung zeigt sich kein strafrechtliches Verhalten, doch just im Präsidentschaftswahlkampf 2016 war die Rede von neuen verdächtigen E-Mails. Eine Überprüfung entlastete Clinton erneut. Doch der Schaden war angerichtet.

  • Hände auf einer Laptop-Tastatur
    Legende: Colourbox

    Als die ersten Würmer anrollten

    Die Jahre nach der Jahrtausendwende waren die Zeit der Computerwürmer. Besondere Bekanntheit erlangte unter anderem ein Mail, in dem den Empfängern ein Foto der damals erfolgreichen russischen Tennisspielerin Anna Kournikova angekündigt wurde. Beim Klick darauf verbreitete sich die Nachricht an alle Kontakte der betroffenen Person.

  • Plenarsaal des Bundestag
    Legende: Keystone

    Als der deutsche Bundestag in einer Mail-Flut versank

    2012 hat ein wohl vielen bekanntes Versehen den deutschen Bundestag in Aufruhr gebracht. Eine Mitarbeiterin hatte auf die Rundmail an alle Personen im Bundestagsverteiler, rund 4'000 Adressen, zum neuen Bundestagshandbuch an alle geantwortet. Das löste eine Welle von Nachahmungen aus, so dass der Mail-Server des Bundestags an seine Grenze stiess.

Eine Technologie aus den Urzeiten des Internets

Dass es in 50 Jahren E-Mail zu unzähligen Pannen gekommen ist, liegt auch an den Ursprüngen der Technologie. «E-Mail kommt aus einer Zeit, in der noch ganz wenige Menschen überhaupt im Internet unterwegs waren. Wir sprechen von einzelnen Menschen an Unis und Forschungsanstalten, die in den Anfängen so kommuniziert haben», sagt SRF-Digitalredaktor Guido Berger. Damals hatte die digitale Vernetzung vor allem neue Möglichkeiten eröffnet, die heute stets präsenten Sicherheitsbedenken und Datenschutz-Anliegen spielten eine untergeordnete Rolle.

Guido Berger

Guido Berger

Leiter Digitalredaktion, SRF

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Guido Berger (@guidoberger) leitet SRF Digital und erklärt seit 2006 Technologie und Games.

«Sicherheit war bei der Entwicklung der E-Mail-Technologie schlicht kein echtes Thema», so Berger. Dementsprechend musste man neue Sicherheitsfunktionen, welche im Lauf der Jahre und mit immer weiteren Nutzerinnen und Nutzern notwendig wurden, schrittweise zusätzlich einbauen in eine bereits bestehende Technologie.

Zugänglichkeit oder Sicherheit?

Heute gibt es zwar unzählige Möglichkeiten, um E-Mails sicherer zu machen. Ein Grundproblem bleibt dabei aber: Wie lassen sich neue Sicherheitshürden einbauen, ohne die Zugänglichkeit einzuschränken? Es ist gerade der grosse Vorteil von E-Mail, dass die Technologie grundsätzlich überall und für alle funktioniert, sagt Guido Berger: «Egal, welche Software oder welches Betriebssystem mein Gegenüber nutzt, wir können uns problemlos per E-Mail verständigen.»

E-Mails – schon bald Vergangenheit?

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Der Icon auf dem Smartphone zeigt viele ungelesene Mails.
Legende: Keystone
  • E-Mails sind nicht nur aufgrund von Sicherheitsproblemen immer mal wieder in der Kritik. Auch die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Technologie ist nicht nur unproblematisch.
  • Die permanente Erreichbarkeit durch Mails, aber auch die grosse Zahl können für Angestellte zu einer psychischen Belastung werden, wie diverse Studien zeigten.
  • Eine Studie des US-Softwareunternehmens Adobe zeigte 2016: Ein Fünftel der Büroangestellten in Europa verbringt pro Tag vier Stunden mit Mails. Rund die Hälfte schaut Mails ausserhalb vom Büro an.
  • Je nach Schätzung erhalten Büroangestellte pro Tag zwischen 40 und 100 Mails– Newsletter, Spam, Werbung, Geschäftliches, Privates, usw.
  • Immer mehr Firmen reagieren: Der deutsche Autobauer Volkswagen etwa hat schon 2011 für einen Teil der Angestellten die Regelung eingeführt, dass der Mail-Server für Smartphones nach Dienstende abgeschaltet wird. Der IT-Berater Atos hat interne Mails weitgehend abgeschafft, die Angestellten kommunizieren über ein firmeninternes soziales Netzwerk oder per Telefon.
  • Es sind seit einigen Jahren Softwares auf dem Markt, die E-Mails ablösen sollen. Bekanntes Beispiel ist die Kommunikationsplattform «Slack».

Das zugrundeliegende System soll also bestehen bleiben, um keine Nutzerinnen und Nutzer von der Technologie auszuschliessen. «Neue Sicherheitsfunktionen versucht man gewissermassen obendrauf zu bauen. Letztlich geht es dabei aber um ‘Pflästerlen’, und nicht um eine Neuorganisation von Grund auf», sagt Berger. Aufsehenerregende Pannen und ausgeklügelte Betrugsversuche mit E-Mails dürften uns also auch in den kommenden Jahrzehnten begleiten.

Treffpunkt zur Geschichte der E-Mail am 29.4. um 10 Uhr auf Radio SRF 1

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