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Radio SRF 1 Nationale Erbschaftssteuer - Unternehmer sind sich uneinig

Erbschaften von mehr als zwei Millionen Franken sollen in Zukunft besteuert werden. Zwei Drittel dieser Einnahmen sind für den Topf der AHV vorgesehen. So steht es in der Erbschaftssteuer-Initiative. Reichtum verpflichtet, sagen die einen - andere haben Werte, die sie höher gewichten.

Legende: Audio «Forum» - die ganze Sendung zum Nachhören abspielen. Laufzeit 26:22 Minuten.
26:22 min, aus Forum vom 28.05.2015.

Zwei Prozent der Steuerpflichtigen besitzen die Hälfte der privaten Vermögen in der Schweiz. Mit der Erbschaftssteuer-Initiative streben die Initianten eine gerechtere Verteilung der privaten Vermögen an.

Legende: Video So funktioniert die Umverteilung per Erbschaftssteuer abspielen. Laufzeit 00:33 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.05.2015.

Bis zu zwei Millionen Franken sollen steuerfrei vererbt werden können. Was über diesem Freibetrag liegt, soll neu mit 20 Prozent besteuert werden. Zwei Drittel der Einnahmen würden der AHV zu Gute kommen, der Rest flösse in die Kantonskassen. Für vererbte Familienunternehmen soll das Parlament Freibeträge definieren. Im Gegenzug würden die geltenden kantonalen Erbschaftssteuern ganz abgeschafft.

Umstritten ist, ob eine solche Bundes-Erbschaftssteuer den Familienunternehmen und damit vielen KMU schaden würde. Die Initianten sagen, die Erbschaftssteuer schade den Firmen nicht. Familienunternehmen könnten weiterhin dank grosser Freibeträge und Steuerrabatten problemlos vererbt werden.

Pro und Contra in der Diskussionssendung «Forum»

Die Erbschaftssteuer führe zu einer gerechteren Umverteilung in unserem Land. Wer das Glück habe und mit einem goldenen Löffel im Mund geboren werde, soll etwas der Allgemeinheit abgeben, sagt Befürworterin und SP-Nationalrätin Jacqueline Badran:

Porträt von Jacqueline Badran.
Legende: Pro: Jacqueline Badran Unternehmerin und Nationalrätin SP. Keystone
In der Schweiz ist die Vermögenskonzentration nicht nur ungerecht, sondern mangels angemessener Teilhabe des breiten Mittelstandes am ‹Volksvermögen› auch volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Anders sehen es die Gegner. Die Erbschaftssteuer schade der Wirtschaft und greife in die Steuerhoheit der Kantone ein. Eine solche Steuer führe dazu, dass viele Unternehmer ins Ausland abwandern, befürchtet FDP-Nationalrat Ruedi Noser:

Ruedi Noser sitzt an einem Tisch und hält einen Stapel Papier in den Händen.
Legende: Contra: Ruedi Noser Unternehmer und Nationalrat FDP. Keystone
Die Erbschaftssteuer bedeutet für einen Familienunternehmer eine enorme zusätzliche Auflage. Wenn er das einfach mit einem Domizilwechsel erledigen kann, ist das Risiko, dass er dies tut, doch gross.

Nichts gegen eine moderate Erbschaftssteuer hat die Volkswirtschaftsprofessorin Monika Beutler. Die Initiative, über die wir am 14. Juni abstimmen, geht ihr allerdings zu weit. Sie bezweifelt, dass diese Steuer die Richtigen treffen würde. Die Superreichen seien viel besser in der Lage, eine solche Steuer zu umgehen.

Monika Bütler referiert vor Projektionswand.
Legende: Contra: Monika Bütler Volkswirtschaftsprofessorin Universität Stankt Gallen. Keystone
Die Halbreichen zahlen die Erbschaftssteuer an den Staat, die ganz Reichen bestimmen selber, was mit dem Geld gemacht wird.

Einer, der selber viel Geld geerbt hat und sich dennoch für die Initiative einsetzt, ist der Psychiater Daniel Meili. Für ihn ist die Erbschaftssteuer die fairste Steuer überhaupt.

Porträt von Daniel Meili.
Legende: Pro: Daniel Meili Psychiater und Psychoanalytiker und Erbe. Pascal Gertschen
Erben erhalten Vermögenswerte, für die sie keine Leistung erbracht haben. Erben ist keine Arbeit, sondern Glück. Und aus liberaler Sicht soll Glück nicht steuerlich belohnt werden.

58 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Müller, 8047 Zürich
    Es ist doch unfair, wenn die einen im richtigen Kanton wohnen und keine Steuern bezahlen. Von ca. 8,3 Millionen besitzen 2% also 166000 über 80% des Vermögens. Das Geschäft mit der Angst wird geschürt, ein Ja gefährde Arbeitsplätze, Die Supis, also Menschen, die immer noch mehr wollen, würden unser Land verlassen. Jetzt sind wir gefordert, über 80% des Volkes betrifft diese Steuer nicht. Schön blöd wer da nicht „ja“ sagt und so de AHV auch für kommende Generationen auf gesunde Beine stellt.
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  • Kommentar von Branimir Bajer, 8586 Andwil
    Wie kann man hier von Gerechtigkeit reden, wenn jemand, der an zB. zehn Kinder vererbt, gleich viel Steuer zahlen muss, wie jemand der alles nur einem Kind hinterlässt. Hat nicht der, welcher zehn Kindern grossgezogen hat, für unsere AHV ungleich viel mehr geleistet? Also, wenn schon Erbschaftssteuer, dann nicht pro Erblasser, sondern pro Erbe.
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  • Kommentar von Fritz Braun, Gümligen
    Heute können Paare ihre Lebensform selber wählen. Viele heiraten, einige leben im Konkubinat andere bevorzugen getrennte Wohnsitze. Ich finde es überholt, dass die Kantone heute bei Ehepartnern keine Erbschaftssteuern erheben in den anderen Fällen bis 54%. Auch dass für letztere die Erbschaftssteuer sehr stark vom Wohnkanton abhängt, finde ich in einer Zeit, in der von den Arbeitnehmern Mobilität verlangt wird, sehr ungerecht. Diese Mängel würden durch die Annahme der Initiative behoben.
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