Musikalisch ist Stephan Eicher noch nie den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Er will mit seiner Musik nicht primär gefallen. Entscheidend ist allein, ob ein Stück seiner inneren Vorstellung gerecht wird. Nicht er selbst steht im Fokus, sondern das Werk.
Das unterscheidet Eicher deutlich von vielen zeitgenössischen Pop‑Narrativen. Auch seine Antworten in diesem Interview – die er uns schriftlich übermittelt hat – sind alles andere als Mainstream.
SRF: Sie haben mit Ihrem Bruder Martin 1980 die Band Grauzone gegründet, die mit der Single «Eisbär» ihren ersten grossen Erfolg feierte. Wann haben Sie sich in Ihrem Leben schon einmal in einer Grauzone befunden und womit?
Stephan Eicher: Sind wir da nicht ständig drin? Ausser auf alten Fotos ist meine Welt selten schwarz-weiss.
Ihre Version von Mani Matters «Hemmige» wurde 1992 zum Klassiker. Was würden Sie heute von Mani Matter wissen wollen, wenn Sie ihn treffen könnten?
Wie macht man es, das Liederschreiben? Ob er auch manchmal so gelitten hat, um das richtige Wort zu finden, den überraschenden, aber richtigen Reim oder ob ihm dies alles, so wie es tönt – zugeflogen sei.
Welchen Traum haben Sie noch nicht gelebt?
Das ist ohne Witz eine der kniffligsten Fragelisten meiner Karriere! Ich habe mit ChatGPT eine Antwort gepromptet: «Erfinde mir ein Sprichwort zu Traum und Leben»: Träume zeigen dir, wohin das Leben gehen kann – aber erst das Leben entscheidet, ob du gehst.
Das ist doch noch etwas unbefriedigender und banaler als diese Frage, sind wir einverstanden?
Welches Tier würden Sie wählen, wenn Ihnen eines geschenkt würde?
Dann gerne eine Giraffe! Oder gleich zwei. Danke!
Sie sind mit Hausmusik aufgewachsen und haben früh begonnen, verschiedene Instrumente zu spielen. Welches weitere Instrument würden Sie gerne noch spielen können und warum?
Das Piano, weil man da eine Tasse oder ein Glas bequem hinstellen kann, was bei der Querflöte doch schwieriger ist. Also: Piano.
Sie sind ein feinfühliger Mensch – in welchem wichtigen Moment war Ihnen diese Eigenschaft dienlich?
Hier beim Antworten formulieren – gerade nicht.
Sie pflegen eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Schriftstellern Philippe Djian und Martin Suter. Falls Pläne für ein eigenes Buch bestehen, was steht zwischen den zwei Buchdeckeln?
Eine Geschichte über einen Eulenforscher, dessen Forschung jäh unterbrochen wird, als er mit seiner Vespa nachts im Walde, das einzige noch existierende Männchen, vom Scheinwerfer angezogen, überfährt, usw.
Das Album «My Place» gilt als Schlüsselwerk in Ihrer Karriere. Wenn Sie sich für einen Ort zum Leben entscheiden müssten – welcher wäre es?
Planet Erde ist schon toll! Alle, die auf den Mars wollen, ihre Arbeit von Robotern machen lassen wollen und einer KI das Denken überlassen: gute Reise! Ich mache mir lieber hier im Jetzt noch einen Kaffee und beantworte noch einige Fragen – hier am Ende meiner ganz persönlichen Evolutionsgeschichte.
Ein anderes Album heisst Eldorado. Der Begriff wird heute metaphorisch für Orte des Überflusses verwendet, etwa «ein Eldorado für Surfer» oder «ein Eldorado für Sammler». In welchem Eldorado würden Sie sich wohl fühlen?
Das Eldorado der «Schönen Melodien und der tiefen, ungestörten Ruhe».
«Confettis» vom Album Eldorado
Gibt es für Sie ein Leben nach dem Tod und wie stellen Sie sich das vor?
Danke! Das wird der Titel des angesprochenen Buches! Toller Titel, grossartiges Thema, das wird ein 1000-Seiter.
Die Fragen stellte Karin Rüfli.