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Ungewöhnliche Frauenbiografien Drei Frauen, die die Welt verändert haben

Wer waren die drei Schweizer Pionierinnen Elisabeth Kübler-Ross, Ursula Brunner und Carolina Faesch? Drei Frauen – mit ungewöhnlichen Lebensgeschichten.

Elisabeth Kübler-Ross: die Sterbeforscherin

Elisabeth Kübler-Ross gilt als Begründerin der modernen Sterbeforschung. Sie war ab Geburt bereits eine kleine, regionale Berühmtheit, weil sie 1926 in Zürich als Drilling auf die Welt kam – eine absolute Seltenheit.

Später wurde die schweizerisch-amerikanischen Ärztin mit ihrer Forschungsarbeit bekannt. Sie setzte sich für ein humaneres Sterben in medizinischen Institutionen ein. Sass am Bett von Sterbenden – redete mit ihnen und ihren Angehörigen. In ihrem ersten Buch, das als bahnbrechend gilt, beschreibt Kübler-Ross fünf Phasen, die ein Mensch durchlebt, wenn er von seinem bevorstehenden Tod erfährt.

Die 5 Phasen des Sterbeprozesses

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Wenn Menschen vom bevorstehenden Tod erfahren, gibt es nach Elisabeth Kübler-Ross diese fünf Phasen:

  • Am Anfang wollen die Patienten es nicht wahrhaben. Sie denken: «Das ist unmöglich, das muss ein Fehler sein.»
  • Die zweite Phase ist der Zorn. Die Patienten sind wütend auf ihre Familie, auf das Spitalpersonal. Sie fragen: «Warum passiert mir das? Warum nicht jemand anderem?»
  • In der dritten Stufe kommen sie ins Verhandeln, meistens mit Gott. Sie machen alle möglichen Versprechen, nach dem Motto: «Wenn du mir nur noch ein Jahr zum Leben gibst…»
  • Dann folgt die Depression, in der sie sich langsam von der Welt trennen. Wenn sie diese Phase durchlebt haben und ihren eigenen Tod wirklich bejahen können, kommt die letzte Stufe.
  • Die Akzeptanz: Dann sind Sterbende ganz, ganz friedlich, sagt Kübler-Ross. «Es ist ein wunderschönes Erlebnis, einen Menschen auf diesem Weg zu begleiten.»

Für ihr Werk erhält Elisabeth Kübler-Ross fast zwei Dutzend Ehrendoktortitel. Sie erntet aber auch Kritik. Ihr 5-Phasen Modell sei eine Standardisierung und würde die Indiviualität eines Sterbenden nicht berücksichtigen.

Ursula Brunner: die Bananenfrau

Wieso sind Bananen bei uns günstiger als Schweizer Äpfel? Diese Frage trieb Ursula Brunner in den 1970er-Jahren um, nachdem sie einen Dokumentarfilm über die Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen in Lateinamerika gesehen hat. Die Frage liess die Pfarrersfrau und Mutter von neun Kindern nicht mehr los. «Wir müssen uns verändern, nicht die Anderen», das war ein Grundanliegen von Ursula Brunner, die für die FDP auch im Thurgauer Kantonsparlament sass.

Ursula Brunner mobilisierte Mitstreiterinnen: Zusammen begaben sie sich mit Leiterwagen voller Bananen auf die Strasse in Frauenfeld, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Ihre Botschaft: Wir zahlen zu wenig für Produkte aus dem globalen Süden.

Für ihr Engagement erntete Ursula Brunner Lob aber auch Kritik. Die FDP diskutierte sogar einen Parteiausschluss. Trotz Widerständen gab Ursula Brunner ihren Kampf nicht auf. 1986 kamen die ersten Bananen aus fairem Handel in die Schweiz.

Carolina Faesch: die Kämpferin neben Sitting Bull

Carolina Faesch war acht Jahre alt, als sich ihre Mutter scheiden liess und mit ihr in die USA auswanderte. In New York geht Carolina zur Schule. Sie interessiert sich für Sprachen und Kunst. Vor allem aber für Politik. Die sogenannte Indianerfrage beschäftigte sie.

Historisches Porträt einer Frau mit Hut.
Legende: Carolina Faesch setzte sich zeitlebens für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein – blieb aber eine umstrittene Figur. Daniel Guggisberg Collection, Public domain, Wikimedia Commons

In den 1870er-Jahren spitzte sich die Lage im Westen der USA zu. In Dakota, auf dem Territorium des indigenen Volkes «Lakota», wurde Gold gefunden, und zwischen der US-Regierung und den Lakota-Indianern brach Krieg aus. Carolina Faesch verfolgte die ganzen Ereignisse und beschloss, nicht nur zuzusehen.

Sie reiste in das Gebiet und schloss sich der National Indian Defense Association an. Einer Organisation, die sich für die indigenen Rechte einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt nannte sie sich nicht mehr Faesch, sondern Caroline Weldon.

Caroline Weldon freundete sich mit dem Stammeshäuptling der Lakota, Sitting Bull, an und wurde sein Sprachrohr. Sie zieht in sein Lager am Grand River. Ihre Rolle bleibt etwas umstritten.

Sie kämpft für Rechte, aber innerhalb eines Systems, das auf kulturelle Anpassung hinausläuft. Sie stand den Lakota nahe, blieb aber eine weisse Frau aus dem Osten, die das Gefühl hatte, sie wisse, was zu tun sei. Als sich 1890 die Geistertanzbewegung ausbreitete, wurde es schwierig zwischen ihr und Sitting Bull.

Was war die Geistertanzbewegung?

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Die Geistertanzbewegung (engl. Ghost Dance Movement) war eine religiöse und soziale Erneuerungsbewegung nordamerikanischer Indigener gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Bewegung verbreitete sich schnell unter verschiedenen Stämmen im Westen der Vereinigte Staaten, besonders unter den Lakota-Sioux in den Dakota-Territorien.

Die US-Behörden sahen im Geistertanz eine Bedrohung und befürchteten einen Aufstand. Besonders unter den Lakota führte dies zu Spannungen.

Ein paar Wochen später wird Sitting Bull im Reservat erschossen. Carolina kehrt nach Brooklyn zurück, malt viel und verschwindet aus der Öffentlichkeit.

Carolina Faesch Weldon heute

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Der Schweizer Schriftsteller Alex Capus hat Carolina Faesch Weldon 2022 den Roman «Susanna» gewidmet. In einem Interview sagte er: «Frauen hinterlassen immer weniger Spuren als Männer, das macht die Recherche schwieriger.»

Hinzu kommt, dass Frauen, die sich politisch exponieren, oft über ihre Sexualität abgewertet werden. Auch über Weldon kursierten Gerüchte, dass sie die Geliebte von Sitting Bull gewesen sei. Das ist historisch aber nicht belegt.

Heute taucht Carolina Faesch Weldon in Romanen, Biografien und im Film «Woman Walks Ahead» auf. Dort wird sie zur starken, emanzipierten Heldin.

Die historische Figur ist jedoch komplexer. Sie war engagiert, hat sich aber auch in einem System bewegt, in dem die indigene Selbstbestimmung keinen Platz hatte.

Radio SRF 1, 2.3.2026, 10:00 Uhr ; 

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