Wer waren die drei Schweizer Pionierinnen Elisabeth Kübler-Ross, Ursula Brunner und Carolina Faesch? Drei Frauen – mit ungewöhnlichen Lebensgeschichten.
Elisabeth Kübler-Ross: die Sterbeforscherin
Elisabeth Kübler-Ross gilt als Begründerin der modernen Sterbeforschung. Sie war ab Geburt bereits eine kleine, regionale Berühmtheit, weil sie 1926 in Zürich als Drilling auf die Welt kam – eine absolute Seltenheit.
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Bild 1 von 5. «Mein Leben hat als Drilling angefangen, 960 Gramm, mit geringen Lebensaussichten», erzählte Kübler-Ross später in einem Interview. Bildquelle: © Elisabeth Kübler-Ross Family LP.
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Bild 2 von 5. Elisabeth Kübler-Ross studierte in Zürich Medizin. Ab 1958 war sie psychiatrische Ärztin in Long Island, New York und Denver und von 1965-1970 hatte sie eine Assistenzprofessur für Psychiatrie in Chicago, . Bildquelle: © Elisabeth Kübler-Ross Family LP.
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Bild 3 von 5. Die Schriftstellerin, Sterbeforscherin und Psychiaterin Elisabeth Kuebler-Ross hält 1974 einen Vortrag an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Von den Sterbenden könne man viel lernen, sagte sie immer wieder. Bildquelle: Keystone/STR.
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Bild 4 von 5. Sie selbst erleidet in den 1990er-Jahren mehrere Schlaganfälle und wartete danach auf den Tod. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
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Bild 5 von 5. 2004 stirbt die Sterbeforscherin in ihrer Heimat Arizona. Bildquelle: Keystone/Alessandro della Valle.
Später wurde die schweizerisch-amerikanischen Ärztin mit ihrer Forschungsarbeit bekannt. Sie setzte sich für ein humaneres Sterben in medizinischen Institutionen ein. Sass am Bett von Sterbenden – redete mit ihnen und ihren Angehörigen. In ihrem ersten Buch, das als bahnbrechend gilt, beschreibt Kübler-Ross fünf Phasen, die ein Mensch durchlebt, wenn er von seinem bevorstehenden Tod erfährt.
Für ihr Werk erhält Elisabeth Kübler-Ross fast zwei Dutzend Ehrendoktortitel. Sie erntet aber auch Kritik. Ihr 5-Phasen Modell sei eine Standardisierung und würde die Indiviualität eines Sterbenden nicht berücksichtigen.
Ursula Brunner: die Bananenfrau
Wieso sind Bananen bei uns günstiger als Schweizer Äpfel? Diese Frage trieb Ursula Brunner in den 1970er-Jahren um, nachdem sie einen Dokumentarfilm über die Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen in Lateinamerika gesehen hat. Die Frage liess die Pfarrersfrau und Mutter von neun Kindern nicht mehr los. «Wir müssen uns verändern, nicht die Anderen», das war ein Grundanliegen von Ursula Brunner, die für die FDP auch im Thurgauer Kantonsparlament sass.
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Bild 1 von 7. Ursula Brunner legte den Grundstein für fairen Handel und die heutigen Fairtrade-Labels in der Schweiz. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 2 von 7. Dass sich die «Hausfrauen» von den Mächtigen nicht haben unterkriegen lassen, führte zum Erfolg. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 3 von 7. Die «Bananenfrauen» verfassten einen Brief, der an die Migros ging. Die Antwort des Grossverteilers war unmissverständlich: «Wir sind kein Wohltätigkeitsinstitut, wir sind ein Geschäft», erzählte Ursula Brunner in einem Radiobeitrag. Das Engagement der «Bananenfrauen» fand grosse Beachtung, rief aber auch Kritiker auf den Plan. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 4 von 7. Ursula Brunner reiste jahrelang immer wieder nach Zentralamerika, um dort mit Regierungen, Plantagebesitzern und Arbeitern zu verhandeln. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 5 von 7. 1986 haben die «Bananenfrauen» die ersten unabhängig produzierten Bananen in die Schweiz importieren lassen. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 6 von 7. Mit ihrem Erfolg von damals gab sich Ursula Brunner nicht zufrieden. Sie kämpfte bis an ihr Lebensende für fairen Handel. Die Bananen seien nur der Anfang gewesen. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 7 von 7. Noch im Alter von 89 war Ursula Brunner aktiv. Sie starb mit 92. In den Fairtrade-Labels, die sich in den Läden längst etabliert haben, lebt die Arbeit der Pionierin weiter. Bildquelle: SRF Screen.
Ursula Brunner mobilisierte Mitstreiterinnen: Zusammen begaben sie sich mit Leiterwagen voller Bananen auf die Strasse in Frauenfeld, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. Ihre Botschaft: Wir zahlen zu wenig für Produkte aus dem globalen Süden.
Für ihr Engagement erntete Ursula Brunner Lob aber auch Kritik. Die FDP diskutierte sogar einen Parteiausschluss. Trotz Widerständen gab Ursula Brunner ihren Kampf nicht auf. 1986 kamen die ersten Bananen aus fairem Handel in die Schweiz.
Carolina Faesch: die Kämpferin neben Sitting Bull
Carolina Faesch war acht Jahre alt, als sich ihre Mutter scheiden liess und mit ihr in die USA auswanderte. In New York geht Carolina zur Schule. Sie interessiert sich für Sprachen und Kunst. Vor allem aber für Politik. Die sogenannte Indianerfrage beschäftigte sie.
In den 1870er-Jahren spitzte sich die Lage im Westen der USA zu. In Dakota, auf dem Territorium des indigenen Volkes «Lakota», wurde Gold gefunden, und zwischen der US-Regierung und den Lakota-Indianern brach Krieg aus. Carolina Faesch verfolgte die ganzen Ereignisse und beschloss, nicht nur zuzusehen.
Sie reiste in das Gebiet und schloss sich der National Indian Defense Association an. Einer Organisation, die sich für die indigenen Rechte einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt nannte sie sich nicht mehr Faesch, sondern Caroline Weldon.
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Bild 1 von 2. Carolina kehrt nach dem Tod von Sitting Bull nach Brooklyn zurück und malt viel. Vor allem Porträts vom Stammeshäuptling. Gemälde von Caroline Weldon, 1890. Bildquelle: Wikipedia/Daniel Guggisberg Collection.
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Bild 2 von 2. Das Geburtshaus von Caroline Faesch in Basel. Haus Wiesenbannwart in Klein-Hüningen, Klein-Basel. Aquarell, um 1830. Bildquelle: Wikipedia/Daniel Guggisberg Collection.
Caroline Weldon freundete sich mit dem Stammeshäuptling der Lakota, Sitting Bull, an und wurde sein Sprachrohr. Sie zieht in sein Lager am Grand River. Ihre Rolle bleibt etwas umstritten.
Sie kämpft für Rechte, aber innerhalb eines Systems, das auf kulturelle Anpassung hinausläuft. Sie stand den Lakota nahe, blieb aber eine weisse Frau aus dem Osten, die das Gefühl hatte, sie wisse, was zu tun sei. Als sich 1890 die Geistertanzbewegung ausbreitete, wurde es schwierig zwischen ihr und Sitting Bull.
Ein paar Wochen später wird Sitting Bull im Reservat erschossen. Carolina kehrt nach Brooklyn zurück, malt viel und verschwindet aus der Öffentlichkeit.