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Olivia Dean live in Zürich «Schau in den Spiegel und sag: ‹Yeah, dich würde ich!›»

Zwar dauert es am Mittwochabend im Zürcher Hallenstadion etwas lange, bis der poppige Soul von Olivia Dean so richtig zündet. Aber die Engländerin zeigt, dass sie das Zeug zum musikalischen Dauerbrenner hat.

Sängerin mit lockigem Haar auf Bühne, glitzerndes Kleid.
Legende: An den Brit Awards 2026 Ende Februar räumte Olivia Dean mit vier Auszeichnungen die meisten Preise des Abends ab und performte ihren Megahit «Man I Need». Imago/Avalon/Mike Gray

Müsste man die ausverkaufte Hallenstadion-Show von Olivia Dean in einem Wort beschreiben, wäre das: Wärme. Von Anfang an verbreitet die Engländerin bei ihrem ersten Zürcher auftritt Wohlfühl-Atmosphäre und Kuschel-Vibes, der Soul durchflutet die Halle und verlässt ihn erst nach 100 schönen Minuten wieder.

Jedoch: Bis aus der Wärme auch heisses Schwitzen wird, dauert es an diesem Mittwochabend gar lange.

Nostalgischer Charme

Während der Tanzschweiss zunächst ausbleibt, steht Style von Beginn weg dick auf dem Line-up der 27-jährigen Musikerin. Sie startet mit dem Intro ihrer letztjährigen Durchbruchs-Platte, dem Zweitling «The Art of Loving» und schwebt dabei als Silhouette hoch über der Menge.

Der Vorhang geht auf und gibt den Blick frei auf die Kulisse: halb Jazzclub, halb Hollywood-Bowl, eine neunköpfige Band in Abendgarderobe. Statt auf Screens wird das Geschehen auf dem geschwungenen Stoff im Hintergrund gezeigt, etwas ausgebleicht, etwas weichgezeichnet, atmosphärisch wie in einer Musik-TV-Show aus den 1960ern.

Und Olivia Dean strahlt mit den Filmstudio-Scheinwerfern um die Wette. Dabei trägt sie zunächst ein blumiges Sommerkleid, wechselt später in hochzeitlichen Tüll und wirft sich schliesslich ein silbernes Disco-Dress über – stets gleichermassen elegant wie leichtfüssig und genauso tanzt sie auch über die Bühne.

Alte Liebe

Die Liebe spielt die Hauptrolle auf ihrem 2025er Album, mit dem sie Anfang Jahr vier Brit-Awards und den Grammy als «Best New Artist» abräumte. Sie ist auch das übergreifende Thema ihrer zugehörigen Tour und das Publikum lässt sich davon anstecken: Mehrmals ruft jemand «We love you!», die Künstlerin erwidert dies stets und man glaubt es ihr gerne.

«Es ist wichtig, ab und zu in den Spiegel zu schauen und sich zu sagen: ‹Yeah, dich würde ich!›», lautet ihr Appell zu mehr Selbstliebe. Sie teilt auch ihre Definition von Liebe – sowohl romantische als auch platonische: «Liebe ist, wenn du möchtest, dass die andere Person gewinnt.» Nichts, was Olivia Dean bei ihrer ersten Schweizer Headline-Show (2023 spielte sie bereits am Montreux Jazz Festival) erzählt, ist gänzlich neu oder bahnbrechend. Aber es ist schön, wohlig, warm.

Später Zünder

Doch irgendwann hat man sich an die Wärme gewöhnt und an der Liebe sattgehört. Das zehnköpfige Ensemble dreht erst im letzten Drittel auf, aber das Warten lohnt sich. Passend zu «Baby Steps» tanzen Olivia Dean, ihre beiden Backing-Sängerinnen und der Rest der Band Side-Step und die Menge stimmt mit ein. Spätestens beim Cover von Curtis Mayfields Klassiker «Move On Up» ist er dann endlich da, der salzig-süsse Schweissfilm. Und da zeigt sich das Mitreiss-Potenzial, das im Soulpop-Shootingstar schlummert.

Sie doppelt mit Lieblingen wie «OK Love You Bye» und «Dive» nach – und beschliesst die Show mit dem unwiderstehlichen Über-Hit «Man I Need». Das grossartige Sam-Fender-Duett «Rein Me In» hätte die Tracklist wunderbar abgerundet, aber man kann nicht alles haben.

Schimun Krausz

Musikredaktor

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Schimun Krausz schreibt Texte und produziert Videos zu Musikthemen bei SRF 3, Social Media inklusive. The 1975 ist die beste Band der Welt und er lässt keine andere Meinung zu (also bis Frontmann Matty Healy sich endgültig ins gesellschaftliche Abseits gelabert hat).

SRF 3 Musik

Das gilt auch fürs erste Zürcher Konzert von Olivia Dean: Der Gig war nicht ganz so aufregend, wie er hätte sein können und das Publikum war entsprechend nicht so aufgeregt, wie es sich das vielleicht gewünscht hätte. Aber gopf, mit einer so wohlig-warmen Brust verlässt man das Hallenstadion wiederum auch nicht alle Tage.

SRF Virus, 20.5.2026, 17:15 Uhr

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