Wer schon mal an einer Hecht-Show war, weiss: Die liefern ab. Wer schon mal an einer Hallenstadion-Show des Mundart-Quartetts war, weiss: Die liefern noch mehr ab – grösser, verrückter, länger. Das tat die Band auch am Samstagabend beim Hattrick im ausverkauften Zürcher Konzert-Tempel.
-
Bild 1 von 5. Überraschungsgast 1, weil Hecht laut Stefan Buck riesige Fans sind: Joya Marleen stimmt bei «Uri» mit ein und hookt danach ihren Durchbruch-Hit «Nightmare» an. Bildquelle: Nicole Rötheli.
-
Bild 2 von 5. Überraschungsgast 2, weil er gemäss dem Frontmann Headliner war, als Hecht vor vielen Jahren am Werdinsel Openair spielten: Phenomden singt zusammen mit Stefan seine Reggae-Hits «Stah da» und «Lied im Ohr». Bildquelle: Nicole Rötheli.
-
Bild 3 von 5. DJ Bobo habe einst im Hallenstadion eine Handylichter-La-Ola-Welle dirigiert und Hecht wollen nun nachziehen. Bildquelle: Nicole Rötheli.
-
Bild 4 von 5. Wer am Samstagabend Fötzeldienst hat im Hallenstadion, ist nicht zu beneiden: Die Band aus Luzern und Zürich verballert in einer Nacht mehr Konfetti als eine Fasnacht während der ganzen Saison. Bildquelle: Nicole Rötheli.
-
Bild 5 von 5. Metallica und Hecht haben in derselben Woche in Zürich gespielt und beide Acts haben farbige Bälle ins Publikum werfen lassen – damit sind Hecht im Grunde genommen die Schweizer Metallica. Bildquelle: Nicole Rötheli.
Zweieinhalb Stunden, containerweise Konfetti und 23 Lieder, die der Grossteil der Menge von der ersten bis zur letzten Silbe mitsingt: Der fulminante Abschluss der «Lovers»-Tour ist gelungen. Zum einen wegen der kompetent gespielten Musik. Zum anderen wegen der gewohnt üppigen Inszenierung zwischen Zirkus und Festzelt. Hier sind die Stunts des Abends.
Rumhängen
Bei ihrer ersten Hallenstadion-Show 2019 schnallten sie «nur» Keyboarder Daniel «Gisi» Gisler an ein Seil, diesmal hängt die ganze Truppe von der Decke. Zum Start fällt der Vorhang, die fünf Freunde schweben über der Bühne und enthüllen Transparente, mit denen sie «ZÜRI!» optisch begrüssen. Und stimmen dann den Opener «Besch ready für die Liebi vo mer?» an.
Rumsurfen
Auch wenn gewisse Aktionen zu Show-Staples geworden sind, wissen auch Hecht, dass irgendwann gut ist: Nach der smoothen Transition von «Amigo» zu «Surfer» steigt darum nur Frontmann Stefan Buck auf ein Surfbrett und lässt sich ein paar Meter auf Fanhänden tragen statt wie einst durch die ganze Halle mit der kompletten Band. Das reduziert auch das Risiko, vom Board zu fallen wie 2025 am Heitere Open Air.
Rumflöten
Die Hook von «St. Moritz» simultan auf zwei Blockflöten pfeifen? Kein Problem für Gisi. Was der Tastenmann macht, ist unterhaltsam – es wäre wohl sogar entertaining, wenn er Stefan vom Surfbrett schubsen würde. Dieser ist nun am Karabiner gesichert und fliegt in einer Gondel überm Publikum, das er zum Moshen auffordert. Was im Fall von Hecht-Fans mehr wild hüpfen als Wall of Death bedeutet, aber wie vieles im Leben sind wohl auch Moshpits eine Sache der Auslegung.
Rumballern
Noch ein Gisi-Moment, der bei anderen forciert wirken könnte, bei ihm jedoch zum Triumph wird: Während «Sommervögel» verschwindet er hinter die Bühne, schnallt einen Aufsatz aufs Instrument und schmettert sein Solo dann in die Menge, während aus dem Hals seiner Keytar ein Funkenregen auf die Menge prasselt.
Rumtanzen
Auch diesmal darf die Boyband-Tanzeinlage nicht fehlen, bei der Stefan, Gisi, Gitarrist Christoph «Chregu» Schröter, Bassist Philipp Morscher und Drummer Chris Filter in mit viel Augenzwinkern designten Outfits eine Choreo präsentieren – optisch hihi, tänzerisch oho.
Bei der Bühnen-Einfahrt mit dem Trotti (Inspiration war wohl der griechische Auftritt am diesjährigen ESC) verheddert sich Gisi ein-, zweimal, das machen Hecht aber locker wieder wett, als sie danach an Seilen hängend synchron den Beat des Remixes ihres Songs «Auerbach» trommeln.
Rumfahren
Die Zugabe beginnt die Band auf der B-Stage neben der Bühne, die durchs Publikum fährt und bei «Heicho» schliesslich über der Menge schwebt. Danach versucht Stefan, den Leuten das Konzept Circlepit näherzubringen: «Rennt im Kreis, wie bei einer Polonaise!» Das Ergebnis? Sagen wir: Mitsingen können Hecht-Fans nach wie vor besser als moshen. Viel besser.
Rumfanen
Kurz vorm Zapfenstreich nimmt die Band noch eine Grussbotschaft für die Schweizer Eishockey-Nati auf, die am Sonntag gegen Finnland im WM-Final steht. Mit einem 15'000 Kehlen starken Chor, der den aktuell angesagtesten Mundart-Song «Mon Amour» anstimmt. Die Idee funktioniert – natürlich: Zwei Stunden nach dem Gig hat das Video bereits über 50'000 Views auf Instagram.