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Erfahrene Pop-Fans suchen länger nach neuem Glück.
Legende: Erfahrene Pop-Fans suchen länger nach neuem Glück. Keystone
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Musik-Blog Mit 31 bist du musikalisch tot

Wann hast du aufgehört neue Musik zu entdecken? Laut einer Studie ist mit 31 Schluss mit dem Entdeckergeist. «Blödsinn», sagst du jetzt vielleicht. «Easy», sage ich. Es ist fast alles in Ordnung mit dir und deinem trägen Hirn. Alles, was du suchst, ist ein bisschen Glück.

Die schlechte Nachricht zuerst: Popmusik bleibt jung. Du nicht. Kommst du auf die «früher war alles besser»-Schiene, hast du keine Chance und landest in der frustrierten Endlosschlaufe deines festgefahrenen musikalischen Universums. Da suchst du dann Dopamin in Krümelform zwischen Songs, die für dich einst die Welt bedeuteten.

Die gute Nachricht: Popmusik bleibt jung. Du nicht. Wenn du das akzeptierst, hast du eine Chance auch mit 40, 50 oder 60+ auf wundersame Weise neue Musik zu entdecken, die dir etwas bedeutet.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

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Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Zu seinen Musik-Blogs

Ich behaupte: Jeder Mensch kriegt ein Zeitfenster, um geschenkt Musik zu entdecken, welche einen innigst berührt. Das fängt irgendwann in der Kindheit an, zieht sich unglaublich aufregend durch die Pubertät und gewinnt im Erwachsenenalter an Qualität. Meine letzte geschenkte musikalische Horizonterweiterung erfuhr ich mit ca. 30, als ich den Country entdecken durfte. Danach wurde es anstrengender.

Wie hören wir Musik?

Mit 27 entdeckt man am meisten neue Musik. Mit 31 ist die grosse Entdeckerphase vorbei. 72% der Befragten fühlen sich in ihrem Musikgeschmack festgefahren. 39% möchten sich künftig mehr Zeit fürs Musikentdecken nehmen.

Das ist das Resultat einer Studie der Musikstreaming-Plattform Deezer. Befragt wurden 1000 Personen im Alter von 18 Jahren und älter.

Hörst du noch neue Musik?

Wer Michael Jackson kennt, braucht Bruno Mars nicht, pflege ich zu sagen. Damit will ich die Qualitäten von Mars nicht kleinreden. Der Grund aber, wieso Mars jemanden wie mich abholen kann, liegt einzig und allein darin, dass mich seine Songs an mir längst bekannte Musik erinnern. Mars war für mich also nie eine Entdeckung. Er ist ein Koch, der mir ein Gericht, das ich mag, neu zubereitet hat.

Ob es uns passt oder nicht: Erfahrung schwächt die Neugierde und macht unflexibel. Wer nicht aktiv dagegen ankämpft, läuft Gefahr, die Gabe der musikalischen Horizonterweiterung zu verlieren. Vermeintlich neue Musik, die einen berührt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung oft als Aufwärm-Produkt. Dabei spreche ich nicht von offensichtlichen Coverversionen. Ich spreche von uns bekannten Melodiebögen, Arrangements, Sounds oder Spieltechniken. In anderen Worten: Kein Mensch braucht Wolfmother, wenn er Led Zeppelin kennt.

In alten Köpfen fault das Hirn

Es gab eine Zeit, da starben die Menschen im Schnitt mit 40 Jahren. Zu dieser Zeit gab es zwar noch keine vergleichbare Popmusik – doch aus poptechnischer Sicht wäre das ein durchaus ideales Alter für einen glücklichen Tod. Heutzutage haben wir mit 40 unsere Midlife-Krise. Um diese zu überstehen, machen wir Weiterbildungen, kaufen lächerliche Sportwagen oder erklimmen hohe Berge. Wir tun Dinge, die uns mit 20 leichter gefallen wären oder für unser Dasein schlicht nicht nötig waren.

Ganz ähnlich verläuft es mit dem musikalischen Entdeckergeist. Die Felswand, die es zu erklimmen gilt, steht vor uns. Mit 20 hätten wir den Gipfel erreicht, bevor wir darüber nachgedacht hätten, ob es die Anstrengung wert sei. Mit 40+ glauben wir zu wissen, was uns da oben erwartet. Dadurch verpassen wir Chancen und kommen nicht zu unserem dringend benötigten Dopamin.

Die Dopamin-Sucht

Das Glückshormon Dopamin ist der Schlüssel zum Erfolg eines jeden Popsongs. Musik, auf die wir in der Jugend abgefahren sind, hat die Macht, dieses Hormon auszuschütten. Das ist, was wir als älter werdende Personen wieder erleben wollen, und daher verleitet uns unsere Faulheit dazu, Aufwärmprodukte zu konsumieren und die oben erwähnte Felswand eben Felswand sein zu lassen.

Das ist keineswegs verwerflich. Aber: Wer auch als längst nicht mehr jugendlicher Pop-Fan wirklich neue Popmusik intensiv erleben will, muss sich und sein Hirn anstrengen. Der damit verbundene Effort führt nicht zwingend zu einem befriedigenden Gefühlszustand. Die Anstrengung kann sich aber lohnen, denn mit etwas Biss entdeckt auch der älter werdende Pop-Fan neues Glück.

Travis Scott: Tod und Wiedergeburt

Wie festgefahren mein Pop-Verständnis inzwischen ist, erfuhr ich vor ein paar Jahren, als Travis Scott zum Massenphänomen wurde. Ich musste mich mehr als nur ein bisschen anstrengen, um im Ansatz zu verstehen, was dieser Musiker der Welt zu bieten hat.

Was sich anfangs wie das unfreiwillige Ankern vor einer grässlichen, aber offenbar begehrten Insel anfühlte, entwickelte sich für mich zu einem Lichtblick der aktuellen Popmusik. Scotts Musik gab mir die Gewissheit, dass die Innovation lebt. Und so starb mein Bezug zu aktueller Musik einen kleinen Tod und feierte gleichzeitig eine grosse Wiedergeburt.

Neues Futter – neues Glück

Popmusik bleibt jung. Du nicht. Wer damit umzugehen weiss, kennt den Weg, wie neue Popmusik auch im Alter wichtig bleiben kann. Das Beste daran: Wer bereit ist, ein paar Umwege zu gehen und einen gewissen Effort zu leisten, um offene Ohren und ein offenes Musikherz zu behalten, kriegt hin und wieder und unverhofft auch Dinge geschenkt.

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47 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Meury  (xeury)
    In dieser "Studie" würde ich komplett durchfallen.

    36, Musik (Klang/Rhythmus) = Lebenselixier, schon immer, für immer und wenn nicht mehr, dann nichts wie weg hier.

    "Mit 31 bist du musikalisch tot"... ganz schön daneben, der Titel. Aber ihr habt es geschafft und mich auf diesen Artikel verlockt...
    Genügend Zeit verschwendet... doh
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  • Kommentar von Yves Rittener  (YGR)
    Eine kleine Anmerkung: In den Jahren 2000-2010 have ich mit grösstem Vergnügen David Grey gelauscht. Von 2010 bis heute: Adele. Die menschliche Stimme kann uns immer wieder rühren.
    Als eingefleischter Gitarrist habe ich viel zu spät erkannt, wie wichtig Sängerinnen und Sänger sind. Immer wieder tauchen neue Stimmen auf. Und wir können uns einfach daran laben.
    Heute Abend werde ich Faber und Steiner & Madleina hören: Ein wirklicher Genuss. So feinfühlige und ehrliche Musik. Bald werde ich 60.
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  • Kommentar von Yves Rittener  (YGR)
    Ich finde diesen Artikel schwachsinnig.
    Meine Favoriten in der Musik waren zwar vor allem in den 60ern aktiv: Jimi Hendrix, Bob Dylan, Van Morrison, Tim Buckley, James Carr, Otis Redding, Kinks, Janis Joplin, Peter Green und viel andere mehr.
    Aber: Stimmen wie Adele, Lewis Capaldi, Bono, Anthony Kiedis usw. habe mich immer begeistert. Leider sind es die Melodien die ausgehen, was «früher war alles besser» gut erklärt.
    Mir hat John Peel vorgelebt, wie man auch neue Musik liebt. Erinnert euch.
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