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«Wuthering Heights» Charli-XCX-Fans werden vom Filmsoundtrack enttäuscht sein

Demnächst kommt die Neuverfilmung von «Wuthering Heights» in die Kinos. Pop-Megastar Charli XCX liefert den Soundtrack dazu. Der Kassenschlager ist vorprogrammiert, aber die musikalischen Erwartungen bleiben im Film zumindest auf der Strecke.

Irgendwann steckt Cathy (Margot Robbie) ihren Zeigefinger in einen Block aus Sülze, in den ein Fischkopf eingelegt ist. Was bei diesem Film richtig Spass macht, ist das Spiel mit der angedeuteten Erotik. Bestimmt mit ein Grund, weshalb grad alle über diesen Film reden. Auf der Tonspur funktioniert die Idee der Anspielungen nur bedingt.

Das verheissungsvolle Vorspiel

«Wuthering Heights» (Deutsch: Sturmhöhe) von Schriftstellerin Emily Brontë aus 1847 wurde schon mehrfach verfilmt. Die Geschichte um verbotene Liebe im nordenglischen Hochmoor inspirierte auch Kate Bush zu einem ihrer besten Songs. Jetzt wirft sich Megastar Charli XCX auf den Stoff. Nachdem sie 2024 mit ihrem «Brat»-Album den Sommer limettengrün färbte und Popkulturgeschichte schrieb, sei es jetzt an der Zeit für eine musikalische 180-Grad-Wende.

Da kommt eine Anfrage von der englischen Regisseurin Emerald Fennell («Saltburn») goldrichtig. Vom luftigen Hyperpop springt Charli auf den viktorianischen Goth-Zug auf, der mit «Wednesday», «Frankenstein» oder «Nosferatu» die Gen-Z begeistert. Nebst den Hauptfiguren Margot Robbie («Barbie») und Jacob Elordi («Frankenstein», «Saltburn») wird Charli XCX zum Aushängeschild der Filmkampagne rund um «Wuthering Heights».

Die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit mehr als cleveres Marketing ist, verpufft aber leider mit jeder Szene im nebligen Hochmoor.

Wo bleibt Charli XCX?

Der Film beginnt mit dem Song «House» von Charli XCX, den sie mit John Cale (The Velvet Underground) geschrieben hat. Aber es bleibt bei einem kurzen Ausschnitt, in dem hauptsächlich John Cale zu hören ist. Die folgenden zwei Stunden Film sind untermalt mit klassischen Streicher-Arrangements. Irgendwann ertönt ein nordenglisches Traditional – von Charli XCX jedoch keine Spur.

50 Minuten dauert es, bis ihre Stimme für ein paar Sekunden auftaucht. Etwas später dann noch zwei Mal, mit Margot Robbie im kitschigen Winterschloss hinter einer roten Sonnenbrille und wenn sie hinter dem Rücken ihres Ehemanns fremdgeht. Insgesamt sind nicht viel mehr als drei Minuten Charli-XCX-Songs auf über zwei Stunden Film. Wieso wurde das Korsett nur dermassen zugeschnürt?

Es hätte schöner sein können

Zumal die spärlich auftauchenden Charli-XCX-Songs allemal die Kraft haben, um «Wuthering Heights» zu entstauben. Man wünscht sich einfach mehr davon. Ihre glasige Poppigkeit hievt die Erzählung in eine Art Hyperrealität und biegt die historischen Szenen ins Jetzt. Eine vertane Chance also, dass die Filmcrew nicht noch mehr auf diesen Effekt gesetzt hat, der den Film um eine stimmige Dimension erweitert hätte. Zum Glück ist der Film nur ein Vorspiel.

Das wird ein Nachspiel haben

Die Kinokassen werden dennoch schlagern. Und Charli XCX reicht ein Tag nach Kinostart ihr neues Album nach, mit zwölf vollumfänglichen Songs statt kurzen Andeutungen. Der Albumtitel schliesst den Kreis: «Wuthering Heights».

Gemäss Charli handle es sich dabei um «ein Konzeptalbum, das verbunden ist mit der Welt, die im Film kreiert wurde». Bleibt zu hoffen, dass sich dieses Werk in ergiebigere musikalische Sturmhöhen aufschwingt, als der Filmsoundtrack.

SRF 3; 10.02.2026; 20:44 Uhr

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