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Zum internationalen Frauentag Diese Frauen haben heimlich Musikgeschichte geschrieben

Sichtbarkeit und Anerkennung sind in der Musikbranche insbesondere für Frauen keine Selbstverständlichkeit. Viele Musik-Pionierinnen sind längst nicht mehr allen ein Begriff, obwohl die Musiklandschaft ohne sie eine andere wäre. Höchste Zeit also, einige von ihnen ins Zentrum zu rücken.

Die queere «Mother of Blues»

Gertrude Pridgett, besser bekannt als Ma Rainey, war nicht nur eine der ersten professionellen Bluessängerinnen, sondern auch eine queere, feministische Ikone. Unter anderem schrieb sie den Song «Prove It on Me Blues» (1928) – eines der ersten Zeugnisse der schwarzen queeren Popkultur.

Obwohl sie Musikgrössen wie Louis Armstrong, Elvis Presley oder Janis Joplin inspirierte, kam die grosse Anerkennung erst spät: 51 Jahre nach ihrem Tod wurde sie 1990 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Die Hitmacherin

Ohne die US-amerikanische Jazzpianistin Lillian «Lil» Hardin hätte sich Louis Armstrong wahrscheinlich nicht zum Startrompeter entwickelt. «Hot Miss Lil» spielte in den 1920ern ursprünglich mit «Little Louis» in einer Jazzband. Nach ihrer Hochzeit ermutigte Lil ihren Mann, sich auf seine Trompeterkarriere zu fokussieren.

Mit Lil als Managerin, Komponistin und Pianistin wurde Louis zum Weltstar. Ihr hat er zum Beispiel den Klassiker «Struttin' With Some Barbecue» (1928) zu verdanken, den sie sowohl komponierte als auch am Klavier begleitete.

Die Elektro-Pionierin

Die britische BBC-Studiotechnikerin Daphne Oram entdeckte in den 50ern, dass man mithilfe von Tonbandgeräten Musik aus Alltagsgeräuschen machen konnte. 1958 baute sie den «BBC Radiophonic Workshop» auf, in welchem Delia Derbyshire später die legendäre «Doctor Who»-Titelmelodie komponierte.

Ein Jahr später verliess Daphne die BBC und entwickelte das Oramics-System, ein Instrument zur grafischen Klangerzeugung. Eine grundlegende Errungenschaft, die bis heute in Studios von Künstlern wie Aphex Twin oder Squarepusher zum Einsatz kommt.

Die Schweizer Post-Punk-Ikone

Klaudia Schifferle, auch bekannt als Klaudia Schiff, gründete 1978 mit drei anderen Frauen die einzige auch international renommierte Schweizer Post-Punk-Band Kleenex (später dann LiLiPUT).

Nicht nur waren Klaudia und ihre Band Wegbereiterinnen für spätere Schweizer Punkbands wie Les Reines Prochaines oder Batbait, sie inspirierten unter anderem auch Sonic-Youth-Sängerin Kim Gordon und Nirvana-Frontmann Kurt Cobain, der «anything by Kleenex» auf der Liste seiner 50 Lieblingsalben vermerkte.

Die Erfolgsmanagerin

Die gebürtige Mannheimerin Eva Ries musste stets hartnäckig bleiben, um im internationalen Musikbusiness der 90er-Jahre ernstgenommen zu werden. Ihre Beharrlichkeit lohnte sich: Sie wurde zur jahrzehntelangen Marketing- und Tourmanagerin des legendären Wu-Tang Clans.

Dabei machte sie mit der Hip-Hop-Gruppe so einiges durch: Von internen Konflikten und Gerichtsprozessen bis hin zu Massenschlägereien im Publikum war alles dabei. Zweifellos hat auch sie dazu beigetragen, dass die Rapper immer noch zusammen unterwegs sind und am 12. März 2026 im Hallenstadion spielen.

Radio SRF 1, 2.3.2026, 10:00 Uhr

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