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Wintersportland Italien Skifahren im Süden Italiens? Klar, das geht!

Wer bei Italien und Wintersport nur an die Alpen denkt, tut dem Land unrecht. Im ganzen Stiefel gibt es Berge, Schnee und Skigebiete.

«Unser Bild von Italien? Man fährt durch die Alpen und dann ist es flach, hat Strand, Kultur und Dolcefarniente. Aber das stimmt gar nicht: Da hat es ganz viele Berge!»

Journalist Daniel Anker ist Autor diverser Skitourenführer. In den letzten Jahren hat er Süditalien als Ski- und Skitourendestination entdeckt.

«Das Rückgrat von Italien ist der Appenin. Der geht runter bis zum Ätna. Die höchsten Gipfel sind fast 3000 Meter hoch», erklärt Anker und ja, «im Winter hat es dort normalerweise Schnee».

Klar, die ganz grossen Skigebiete befinden sich in den Alpen. Aber ein Blick auf die Karte zeigt: Auch in der Toskana, der Emilia-Romagna, der Basilikata oder Kalabrien gibt es Liftanlagen. Anker war schon an diversen Orten. «Sie sind nicht alle gleich modernisiert. Oft ist es wie bei uns vor zehn Jahren.»

Karte Italiens mit markierten Punkten, wo sich Skigebiete befinden.
Legende: 286 Skigebiete gibt es gemäss dem Online-Portal «Skiresort Service International» in Italien. 70 davon befinden sich nicht in den Alpen. Printscreen skiresort.ch

Ankers Fokus liegt aber sowieso eher auf den Routen abseits der Pisten. Sein Lieblingsberg? «Der Monte Elefante!» Der befindet sich bei Monte Terminillo, dem Skigebiet Roms. «Dieser Hang sieht einfach fantastisch aus. Wenn sie den als Skitourengänger sehen, dann wollen sie da einfach runter.»

Auf einer Skitour in der Basilikata haben wir auf drei Meere gesehen.
Autor: Daniel Anker Buchautor

Aber warum für den Schweizer Nationalsport extra nach Süditalien? «Der Reiz ist das Unbekannte. Das Berner Oberland kenne ich schon. Der zweite Grund? Das Essen!», schwärmt Anker. Und die Einheimischen hätten grosse Freude, dass Menschen aus der Schweiz zu ihnen Skifahren kommen.

Was er nie vergessen wird: den Blick aufs Meer. «Auf einer Skitour in der Basilikata haben wir auf drei Meere gesehen. Links die Adria. Vor uns das ionische und rechts das tyrrhenische Meer.» Diesen Ausblick gäbe es in den Alpen selten.

Schneesport in Italien wird beliebter

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Ski- und Snowboardfahrer beim Einsteigen in den Sessellift an einer Bergstation.
Legende: Talstation im Skigebiet Monte Cimone, Emilia-Romagna. Daniel Anker

4'240'500 Italienerinnen und Italiener praktizieren Schneesport. Dies zeigt eine Erhebung des «Osservatorio Italiano del Turismo Montano». Das sind rund 7,2 Prozent der Einwohnenden.

Das sind eine halbe Million Menschen mehr als noch vor zehn Jahren. Die beliebteste Sportart ist Ski Alpin (2,5 Millionen).

Zum Vergleich: In der Schweiz dürften rund 35% der Menschen regelmässig Ski fahren.

Was es in der Schweiz auch nicht gibt: Inseln und Vulkane. Auch auf dem Ätna in Sizilien wird Skigefahren. «Wir haben im nördlichen Gebiet einen Sessellift und drei Skilifte bis auf 2400 Meter hoch», erzählt Carmelo Cavallaro, ein lokaler Skilehrer und Bergführer. Auch Loipen gäbe es am Ätna.

Am Wochenende seien die Pisten voll mit Sizilianern. «Die Touristen aus dem Norden kommen eher für Skitouren nach Sizilien», so Cavallaro. «Sie wollen auf einem aktiven Vulkan Skifahren».

Anders als in Rom, interessiere man sich im bergigen Sizilien auch für die olympischen Winterspielen hoch im Norden des Landes. «Klar, nicht alle fahren selber Ski, aber viele verfolgen die Ski- und Langlaufrennen.» Sie hätten dieselbe Bergmentalität wie wir in den Alpen.

Wenn man unterwegs sei, dann schaue er, dass er rechtzeitig zum Start des zweiten Laufs zu Hause oder im Tal ist. «In den Restaurants im Skigebiet laufen die Übertragungen am Fernseher.»

Skifahrer im Wettkampf auf schneebedecktem Hang.
Legende: Einst gab es am Ätna auch internationale Skirennen. Die Schweizerin Hedy Beeler gewinnt 1959 den Riesenslalom. 1956 nahm sie übrigens an den olympischen Spielen in Cortina teil. Keystone

Kleiner Unterschied zum Alpenkamm: Nach dem Skitag gebe es am Ätna eine typische, regionale Salsiccia vom Grill.

Fünf Olympiateilnehmerinnen aus Süditalien

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Person in blauer Skiausrüstung beim Skifahren im Schnee.
Legende: Vom Vesuv an die olympischen Spiele Giada d'Antonio aus Neapel bei ihrem ersten Einsatz in Cortina d'Ampezzo. (10.2.2026) Keystone / Jacquelyn Martin

Von den 168 italienischen Athletinnen und Athleten der Squadra Azzura, die in Italien geboren wurden, stammen nur fünf aus «dem Süden».

2018 in Pyeongchang und 2022 in Peking war Eisschnellläuferin und Doppel-Olympiasiegerin Francesca Lollobrigida aus Frascati bei Rom jeweils die einzige.

Dieses Jahr in Milano/Cortina aber gab es eine Premiere: Mit Skifahrerin Giada d'Antonio nimmt zum allerersten Mal eine Person aus Neapel an den Winterspielen teil. Die 16-jährige Slalom-Expertin hat das Skifahren im «Sci Club Vesuvio» erlernt.

Aus der Umgebung Roms sind zudem Eiskunstläufer Matteo Rizzo, Langläuferin Maria Gismondi und Eisschnellläufer Daniele di Stefano am Start.

Auch südlich von Mailand gibt es also durchaus Menschen, die sich für Schneesport interessieren und Wintersport betreiben - wenn es denn genug Schnee gibt. Über die Festtage konnte man am Ätna nämlich noch nicht Skifahren.

Und dann gab es im Januar quasi über Nacht zwei Meter Neuschnee. «Dann hatten wir zu viel Schnee, konnten aber immer noch nicht öffnen. Die Räumungsfahrzeuge kamen nicht nach», erinnert sich Cavallaro. «Dafür haben wir jetzt offen bis im April.» Und mit Skitourenski könne man noch bis im Juni zum Krater hoch.

Radio SRF 3, 13.2.2026, 06:20 Uhr

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