«Unser Bild von Italien? Man fährt durch die Alpen und dann ist es flach, hat Strand, Kultur und Dolcefarniente. Aber das stimmt gar nicht: Da hat es ganz viele Berge!»
Journalist Daniel Anker ist Autor diverser Skitourenführer. In den letzten Jahren hat er Süditalien als Ski- und Skitourendestination entdeckt.
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Bild 1 von 3. Aufstieg zum Serra Dolcedorme, dem höchsten Gipfel Kalabriens. In der Ferne der Ätna. Bildquelle: Daniel Anker.
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Bild 2 von 3. Auch den höchsten Punkt der Region Basilikata in Süditalien kann man mit Tourenski begehen und befahren. (Monte Pollino). Bildquelle: Daniel Anker.
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Bild 3 von 3. Daniel Anker auf dem höchsten Berg der Region Marken (Monte Vettore 2476 m ü. M.). Bildquelle: Beat Hächler.
«Das Rückgrat von Italien ist der Appenin. Der geht runter bis zum Ätna. Die höchsten Gipfel sind fast 3000 Meter hoch», erklärt Anker und ja, «im Winter hat es dort normalerweise Schnee».
Klar, die ganz grossen Skigebiete befinden sich in den Alpen. Aber ein Blick auf die Karte zeigt: Auch in der Toskana, der Emilia-Romagna, der Basilikata oder Kalabrien gibt es Liftanlagen. Anker war schon an diversen Orten. «Sie sind nicht alle gleich modernisiert. Oft ist es wie bei uns vor zehn Jahren.»
Ankers Fokus liegt aber sowieso eher auf den Routen abseits der Pisten. Sein Lieblingsberg? «Der Monte Elefante!» Der befindet sich bei Monte Terminillo, dem Skigebiet Roms. «Dieser Hang sieht einfach fantastisch aus. Wenn sie den als Skitourengänger sehen, dann wollen sie da einfach runter.»
Auf einer Skitour in der Basilikata haben wir auf drei Meere gesehen.
Aber warum für den Schweizer Nationalsport extra nach Süditalien? «Der Reiz ist das Unbekannte. Das Berner Oberland kenne ich schon. Der zweite Grund? Das Essen!», schwärmt Anker. Und die Einheimischen hätten grosse Freude, dass Menschen aus der Schweiz zu ihnen Skifahren kommen.
Was er nie vergessen wird: den Blick aufs Meer. «Auf einer Skitour in der Basilikata haben wir auf drei Meere gesehen. Links die Adria. Vor uns das ionische und rechts das tyrrhenische Meer.» Diesen Ausblick gäbe es in den Alpen selten.
Was es in der Schweiz auch nicht gibt: Inseln und Vulkane. Auch auf dem Ätna in Sizilien wird Skigefahren. «Wir haben im nördlichen Gebiet einen Sessellift und drei Skilifte bis auf 2400 Meter hoch», erzählt Carmelo Cavallaro, ein lokaler Skilehrer und Bergführer. Auch Loipen gäbe es am Ätna.
Am Wochenende seien die Pisten voll mit Sizilianern. «Die Touristen aus dem Norden kommen eher für Skitouren nach Sizilien», so Cavallaro. «Sie wollen auf einem aktiven Vulkan Skifahren».
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Bild 1 von 6. Bergführer Carmelo Cavallaro führt regelmässig Gäste bis hoch zum Krater des Ätnas. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
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Bild 2 von 6. Auf der Fahrt zurück ins mediterrane Sizilien sieht man auf die Strasse von Messina und Kalabrien. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
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Bild 3 von 6. Riesige Schneemassen. So viel Schnee wie Mitte Januar 2026 gab es am Ätna schon lange nicht mehr. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
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Bild 4 von 6. Frisch verschneite Talstation des Skigebiets am Ätna im Januar 2026. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
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Bild 5 von 6. Am Ätna schneit es nicht nur Schnee. Wenn der Vulkan explodiert, dann schneit es auch Asche. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
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Bild 6 von 6. Auch ein Phänomen, dass wir aus der Schweiz kennen. Unten grau, oben blau. 3403 Meter hoch ist der Ätna. Bildquelle: Carmelo Cavallaro.
Anders als in Rom, interessiere man sich im bergigen Sizilien auch für die olympischen Winterspielen hoch im Norden des Landes. «Klar, nicht alle fahren selber Ski, aber viele verfolgen die Ski- und Langlaufrennen.» Sie hätten dieselbe Bergmentalität wie wir in den Alpen.
Wenn man unterwegs sei, dann schaue er, dass er rechtzeitig zum Start des zweiten Laufs zu Hause oder im Tal ist. «In den Restaurants im Skigebiet laufen die Übertragungen am Fernseher.»
Kleiner Unterschied zum Alpenkamm: Nach dem Skitag gebe es am Ätna eine typische, regionale Salsiccia vom Grill.
Auch südlich von Mailand gibt es also durchaus Menschen, die sich für Schneesport interessieren und Wintersport betreiben - wenn es denn genug Schnee gibt. Über die Festtage konnte man am Ätna nämlich noch nicht Skifahren.
Und dann gab es im Januar quasi über Nacht zwei Meter Neuschnee. «Dann hatten wir zu viel Schnee, konnten aber immer noch nicht öffnen. Die Räumungsfahrzeuge kamen nicht nach», erinnert sich Cavallaro. «Dafür haben wir jetzt offen bis im April.» Und mit Skitourenski könne man noch bis im Juni zum Krater hoch.