Ein Baby, fünf Koffer und viel Tatendrang – so kommen Joshua Schmidli und Vera Leibundgut am Flughafen in Mombasa in Kenia an. Im Gepäck sind Fussballtrikots, alte Handys und Arbeitshosen. Für das junge Berner Paar ist es nicht die erste Reise in die zweitgrösste Stadt Kenias.
Ein Herzensprojekt
Joshuas Vater kommt aus Kenia. Er selbst kennt das Land von regelmässigen Ferienbesuchen. Zunächst mit seiner Mutter und seit neuestem mit seiner Verlobten Vera und seinem Sohn verbringt er jedes Jahr all seine Ferientage in der Stadt am Indischen Ozean.
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Bild 1 von 2. Schon als Kind reiste Joshua mit seiner Mutter jedes Jahr nach Kenia. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Heute geht Joshua mit seiner Verlobten und seinem Sohn immer noch ins gleiche Hotel. Bildquelle: SRF.
Auch wenn sie in einem traumhaft schönen Hotel von Freunden direkt am Strand übernachten, sind die Berner nie zum Ferienmachen hier. Seit acht Jahren unterstützt Joshua mit einer Hilfsorganisation eine Schule im Armenviertel.
Die Geschichte einer langjährigen Freundschaft
Angefangen hat alles in diesem Hotel. Eines Tages ist sein Lieblingskellner und Freund Harrison nicht mehr da. Er ruft ihn an und erfährt: Harrison hat gekündigt und eine Schule gegründet. Für Joshua ist klar: «Ich möchte ihm helfen.»
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Bild 1 von 7. Bei der Gründung der Schule bestand sie nur aus Wellblech. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 7. Am Anfang hatten sie nur Platz für fünf Schüler und Schülerinnen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 7. Seit der Gründung hat sich viel getan. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 7. Harrison und seine Frau Grace haben die Schule gegründet. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 7. Die Schule besteht unterdessen aus mehreren Gebäuden. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 7. Joshuas Verein hat eine nachhaltige sanitäre Anlage in der Schule eingebaut. Bildquelle: SRF.
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Bild 7 von 7. Der Kindergarten soll jetzt als Nächstes umgebaut werden. Bildquelle: SRF.
Die Schule ist am Anfang eine Wellblechhütte mit fünf Schülern. Heute umfasst sie mehrere feste Gebäude, nachhaltige sanitäre Anlagen und hat Platz für 200 Kinder. 270'000 Franken Spendengelder sind in die Schule geflossen.
Jetzt soll ein Kindergarten gebaut werden
Das neueste Projekt ist der Kindergarten. Bis jetzt werden 60 Kinder alle in einem Klassenzimmer unterrichtet. Das soll sich mit einem stabilen Gebäude ändern. Um die Bauarbeiten am neuen Kindergarten zu begleiten, sind sie dieses Mal nach Kenia gereist.
Als Vera und Joshua in der Schule ankommen, gibt es ein grosses Fest. «Wir fühlen uns aber nicht so wohl in der Rolle, wir machen es ja nicht, um gut dazustehen. Wir machen es für die Kinder», so die beiden.
Auch Vera ist unterdessen voll involviert in Joshuas Projekt. Die Sozialpädagogin hat ein Nähatelier gegründet, in dem junge Frauen sich zu Schneiderinnen ausbilden lassen können. Die Taschen und Blusen verkauft sie in der Schweiz. Das Geld fliesst zurück ins Projekt.
Ausgelassene Eröffnungsfeier
Der Kenia-Trip ist dieses Jahr für Joshua beschwerlicher als sonst. Kurz vor der Abreise hat sich der leidenschaftliche Fussballer eine Verletzung am Oberschenkel zugezogen und ist mit Krücken unterwegs. Hinzu kommen starke Regenfälle, welche die Bauarbeiten behindern. Trotz der Anstrengungen ist das Paar voller Tatendrang und zieht viel Energie aus der Hilfsbereitschaft, dem Trubel und der Wärme, die ihnen entgegengebracht wird. «Ich geniesse das Chaotische», sagt Joshua.
Ein Zeitsprung: «SRF bi de Lüt – Familiensache» zeigt, wie sie ein paar Monate später zur grossen Kindergarteneröffnung wieder nach Kenia reisen. Das Projekt ist erfolgreich abgeschlossen und wird bestimmt nicht das letzte der jungen Familie sein. In Zukunft möchte Joshua, der Assistenzarzt in der Orthopädie ist, sein Fachwissen in Kenia einsetzen und medizinische Einsätze leisten.