Zwei Schweizer Autorinnen sind gut im Weglassen

Leta Semadeni braucht für «Tamangur» gerade mal 143 Seiten und wenig Worte um eine eindrückliche Familien- und Dorfgeschichte zu erzählen. Bei Olivia Weibels Roman «Anna und wir» sind es 184 Seiten, in denen es um zwei ganz unterschiedliche Zwillingsschwestern geht.

Beiträge

  • Leta Semadeni: Tamangur

    Die Grossmutter und das Kind sind die Hauptfiguren. Abwesende spielen jedoch eine ebenso wichtige Rolle in dieser Geschichte. Der Grossvater zum Beispiel, «der sich wie ein Feigling aus dem Staub gemacht hat».

    Oder der kleine Bruder, der im Fluss schaukelte, «bis ihn eine Welle schliesslich ganz und gar zu sich holte». Semadenis erster Roman ist ein kleines Kunstwerk. Der Engadiner Lyrikerin gelingt es in «Tamangur» mit in sich geschlossenen Kurzszenen und geschickten Andeutungen eine berührende Geschichte zu erzählen.

    Buchhinweis: Leta Semadeni. Tamangur. Rotpunktverlag, 2015.

    Susanne Sturzenegger

  • Olivia Weibel: Anna und wir

    Die Ich-Erzählerin redet über ihre Zwillingsschwester und sagt: «Oft möchte ich Anna durchschütteln.» Die jungen Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein und doch fühlen sie sich verbunden.

    Auf einer Reise an Orte, die für die verstorbene Mutter wichtig waren, finden sie den Weg in eine eigene Zukunft. Die Zuger Autorin Olivia Weibel arbeitet in ihrem Debüt «Anna und wir» mit vielen Momentaufnahmen, die sich dann zu einem Ganzen fügen.

    Buchhinweis: Olivia Weibel. Anna und wir. Edition Bücherlese, 2014.

    Susanne Sturzenegger