Frühmorgens im dicken Nebel: Eine programmierte Aussenbeleuchtung flutet die Fassaden eines Riegelhauses und eine Steintreppe, welche vom Pool zum hauseigenen Fitnessraum führt. Darin stehen Pilates Reformer, Laufband, Sauna, Whirlpool, Erfrischungsbar. Dazwischen rollt Jan Gerber seine Yogamatte aus.
Eine Morgenroutine, welche er seit seiner Depression abhält. «Covid kam, meine Firma war praktisch bankrott, meine Ehe bröckelte. Meine ganze Realität brach zusammen», erzählt Jan Gerber von dieser Zeit. «Schon der Vorschlag meiner damaligen Frau, ans Fenster zu stehen und tief einzuatmen, verursachte bei mir Heulkrämpfe.» Ein stationärer Klinikaufenthalt half ihm, aus der Abwärtsspirale rauszukommen.
Schmerz ist Schmerz. Egal wie viel man auf dem Bankkonto hat.
Geschichten wie diese gibt es viele. Doch im Unterschied zu manch anderen ist Jan Gerber reich, sehr reich. «Ich habe mit Investitionen und Firmen, die ich aufgebaut und verkauft habe, einen zweistelligen Millionenbetrag erwirtschaftet.»
Dass die Gesellschaft wenig Mitleid hat, wenn Reiche psychisch erkranken, erlebte er selbst. «Doch Schmerz ist Schmerz. Egal wie viel man auf dem Bankkonto hat.»
100'000 Franken pro Woche
Dieses Credo vertritt er auch beruflich. Er leitet die luxuriöse Klinik für mentale Gesundheit, Paracelsus Recovery, am Zürichsee. «Der Grossteil unseres Klientels ist international, viele kommen aus dem Nahen und Mittleren Osten», erklärt Gerber. «Es sind Nachkommen wohlhabender Familien oder erfolgreicher Unternehmenden. Ein kleiner Teil stammt aus Königsfamilien, aus der Entertainment-Branche oder aus der Politik.
Eine Therapie in einer Luxus-Klinik ist keine magische Pille.
Ihre Leiden sind dieselben wie jene von «Normalsterblichen»: Suchtprobleme, Depressionen, Zwangsstörungen. Ihre Therapiemöglichkeiten aber um einiges extravaganter. In Gerbers Klinik werden maximal drei Personen gleichzeitig und abgeschirmt voneinander betreut.
Die Kundschaft wohnt während des Aufenthalts in einer Penthousewohnung und wird von einem rund 15-köpfigen Team betreut – von 24/7-Psychiater, Psychotherapeutin bis zum Fahrer und Privatkoch. Ob Schulmedizin oder therapeutisches Pferdereiten: Hier ist alles möglich, was gewünscht wird. 100'000 Franken pro Woche müssen dafür hingeblättert werden.
Dass er selbst einen ähnlichen Leidensweg teilt wie seine Kundschaft sei hilfreich, aber keine Marketingstrategie. «Ich wurde eher dafür kritisiert, dass ich trotz meines Berufs nicht davor geschützt war, selbst psychisch zu erkranken.»
Beduinenzelt auf Dachterrasse
Brauchen Gutbetuchte aber so ein Setting, um gesund zu werden? Aufgrund ihres Status' sei ein Aufenthalt in einer öffentlichen Klinik oft keine Option, argumentiert Gerber. «Zudem kann es für Menschen, die noch nie selbst Wäsche gewaschen haben, eher überfordernd als hilfreich für die Genesung sein, wenn sie ihren Lebensstandard während der Therapie nicht beibehalten können.»
Die meisten seien bodenständig – extravagante Wünsche gäbe es aber ab und an. Falls möglich, würden diese auch erfüllt. Ein Beduinenzelt auf der Dachterrasse mit offenem Feuer wurde aber von der Stadtpolizei nicht erlaubt. Trotz allem Luxus relativiert Gerber: «Nur weil es teuer und ressourcen-intensiv ist, ist ein Aufenthalt bei uns keine magische Pille.»